Kirche könnte durch alte Tradition Klima schützen

Kohlrabischnitzel statt Steak?

Eine Studie aus England bescheinigt einer jahrhundertealten Tradition der katholischen Kirche das Potential, einen großen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten; selbst dann, wenn nur wenige Gläubige sich daran halten.

Ein vegetarischer Burger / © GuzelKam (shutterstock)

Als erste Stadt in Deutschland hat Bremen 2010 den sogenannten Veggieday in Kantinen eingeführt. Einrichtungen wie Großküchen und Kantinen bieten seither an einem Tag die Woche nur vegetarisches Essen an. Mittlerweile gibt es die Aktion in vielen Städten. Die Argumente: Zu viel Fleisch schade nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern auch dem Klima.

Katholiken kennen Veggieday schon lange

Wenn man so will, kennt die katholische Kirche den Veggieday schon viel länger: Seit Jahrhunderten verzichten viele Katholiken in Erinnerung an den Karfreitag freitags auf Fleisch – mit einer kleinen Einschränkung: Stattdessen landet oft Fisch auf dem Teller. Vegetarisch ist das streng genommen nicht, aber besser fürs Klima.

Das bescheinigt der katholischen Kirche zumindest eine neue Studie: Forscher der Universität Cambridge haben herausgefunden, dass der fleischfreie Freitag viele Tonnen an Treibhausgasen einsparen könnte und auch in der Vergangenheit schon eingespart hat: 2011 hatten die Bischöfe von England und Wales die Gläubigen in ihren Bistümern dazu aufgefordert zum fleischfreien Freitag zurückzukehren. Daraufhin hätte zwar nur rund ein Viertel der sechs Millionen Katholiken auch seine Essgewohnheiten dementsprechend geändert, allein das habe aber rund 55.000 Tonnen Treibhausgase pro Jahr eingespart.

Was sagt das Kirchenrecht zum Fleischverzicht an Freitagen?

Ist Katholiken der Verzehr von Fleisch an Freitagen heute also gar nicht mehr verboten? Das Kirchenrecht klingt zunächst sehr eindeutig: "Abstinenz von Fleischspeisen oder von einer anderen Speise entsprechend den Vorschriften der Bischofskonferenz ist zu halten an allen Freitagen des Jahres, wenn nicht auf einen Freitag ein Hochfest fällt." (Can. 1251 CIC).

Dann gibt es aber auch noch die Ergänzung: "Die Bischofskonferenz kann die Beobachtung von Fasten und Abstinenz näher bestimmen und andere Bußformen, besonders Werke der Caritas und Frömmigkeitsübungen, ganz oder teilweise an Stelle von Fasten und Abstinenz festlegen." (Can. 1253 CIC).

Und tatsächlich gibt es in einer sogenannten Partikularnorm von 1995, die zum 1. Januar 1996 in Kraft trat, nähere Bestimmungen der Deutschen Bischofskonferenz. Dort heißt es: "Das Freitagsopfer kann verschiedene Formen annehmen: Verzicht auf Fleischspeisen, der nach wie vor sinnvoll und angemessen ist, spürbare Einschränkung im Konsum, besonders bei Genussmitteln, Dienste und Hilfeleistungen für den Nächsten. […] Auch eine andere spürbare  Einschränkung im Konsumverhalten ist denkbar." Damit ist es in Deutschland nicht zwangsläufig verboten, an einem Freitag auch Fleisch zu essen.

Papst könnte Recht ändern

Papst Franziskus könnte das theoretisch ändern und den fleischlosen Freitag für alle Gläubigen weltweit wieder verpflichtend einführen. Selbst wenn sich dann, wie im Fall von England und Wales, nur ein Viertel der Gläubigen daran halten würde, wären das immerhin mehr als 250.000 Millionen Portionen Fleisch, die jede Woche eingespart werden könnten. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Rindfleisch produziert etwa 13,3 Kilogramm CO2, beim Kilo Geflügel- und Schweinefleisch liegt der Wert bei 3,5 bzw. 3,3 Kilogramm.

Eine ganze Menge CO2 könnte somit eingespart werden, erklärte Shaun Larcom, der Leiter der Studie. "Wenn der Papst die Verpflichtung zum fleischfreien Freitag wieder für alle Katholiken der Welt einführt, könnte das einer der wichtigsten Ausgangspunkte für günstige Emissionsverminderungen sein." Immerhin trägt die Viehzucht ganze 14 Prozent zu den weltweiten Treibhausemissionen bei.

Papst setzt sich für Klimaschutz ein

Wird der Papst diese Chance für den Klimaschutz ergreifen? Darüber kann man bisher nur spekulieren. Fest steht: Papst Franziskus ist der Klimaschutz ein großes Anliegen. In seiner Enzyklika "Laudato si'" prangert er die Umweltverschmutzung durch CO2 an und warnt vor den Folgen des Klimawandels.

Ob demnächst am Freitag statt des Steaks wieder vermehrt das Kohlrabischnitzel auf den katholischen Tellern landet, das muss sich erst noch herausstellen. Aber vielleicht braucht es dazu ja auch keinen päpstlichen Appell. Immerhin, so die Verfasser der Studie aus England, habe diese kirchliche Tradition noch 1962 dazu geführt, dass die Fastfood-Kette McDonalds einen Fischburger auf ihre Karte gesetzt hat. Der schmeckt nicht nur Katholiken.

Autor/in:
Hannah Krewer
Quelle:
DR
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