DOMRADIO.DE: Der langjährige Präsident des Festkomitees Kölner Karneval von 1823 e.V., Christoph Kuckelkorn, hatte angekündigt, dieses Amt zum Aschermittwoch abzugeben. Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 23. März wurden Sie als der bisherige Vize nun mit breiter Mehrheit zum neuen Präsidenten gewählt. Herzlichen Glückwunsch. Sind Sie gut auf Ihr neues Amt vorbereitet?
Lutz Schade (Jurist, CDU-Mitglied und neuer Präsident des Festkomitees Kölner Karneval von 1823 e.V.): Christoph Kuckelkorn hat mich seit Oktober 2022, seit ich Vizepräsident war, überallhin mitgenommen, hat mich mitlaufen lassen und oft auch alleine machen lassen. Das war also eine Amtsübergabe über vier Jahre. Ich habe unheimlich viel von ihm gelernt. Er ist ein sehr guter Lehrmeister. Und auch wenn die Fußstapfen riesengroß sind, man hinterlässt ja selber andere.
Das ist ein großes Amt. Dieses deutliche Votum auf der Mitgliederversammlung erfüllt mich mit großer Freude, mit viel Respekt und auch mit ein bisschen Demut.
DOMRADIO.DE: Sie sind CDU-Mitglied, interessieren sich für Politik und Stadtgesellschaft, zu der ja auch die Kirchen gehören. Wie wichtig sind die für Sie?
Schade: Sehr wichtig. Ich bin gläubiger evangelischer Christ, und der christliche Glaube hat für mich immer im Leben das Wertefundament dargestellt. Ganz persönlich könnte ich mir auch gar nicht vorstellen, mit was ich das ersetzen sollte. Wenn mir Leute erzählen, dass ihnen diese Verankerung fehlt, kann ich das für mich nicht nachvollziehen.
DOMRADIO.DE: Ihr Vorgänger Christoph Kuckelkorn ist katholisch und Bestatter von Beruf. Er hat zum Abschied im Fastelovendsgottesdienst in St. Agnes sogar eine Predigt gehalten. Für uns als katholisches Medium war er immer ein guter Ansprechpartner. Wie wird denn das jetzt mit Ihnen?
Schade: Ich glaube, nicht viel schlechter. Ich habe mich in meiner Jugend ganz viel mit Kirche auseinandergesetzt. Ich war viele Jahre in England, habe mit der Jugendgruppe gesegelt und dem Pfarrer auch einmal bei den Bibelstunden geholfen, die wir jeden Tag gemacht haben. Das haben wir im Grunde zu zweit vorbereitet. Mich haben Theologie und Kirche immer unheimlich fasziniert. Das habe ich mir eigentlich bis in die älteren Lebensjahre bewahrt.
DOMRADIO.DE: Die Kirchen haben also auch mit dem neuen Festkomitee-Präsidenten einen Mitstreiter?
Schade: Einen Mitstreiter und auch einen Fürsprecher.
DOMRADIO.DE: Beim Gottesdienst zum Sessionsauftakt holen sich die Karnevalisten seit 2007 den Segen für die kommende Session auch im Hohen Dom zu Köln. Zu Beginn war das ein Pontifikalamt, eine katholische Angelegenheit. Seit vielen Jahren ist es nun ein ökumenischer Gottesdienst. Wie wichtig ist das für Sie als Protestant?
Schade: Der Domgottesdienst ist eine der schönsten Veranstaltungen. Er liegt ganz am Anfang der Session, meistens in der Zeit, in der auch die Proklamation stattfindet, und bringt noch mal etwas ganz Festliches. Wir sehen an den Teilnehmerzahlen, dass der Dom proppenvoll ist. Die Leute lieben das.
Da zeigt sich eine Verbundenheit zu der Symbolik, die der Dom hat, und auch zu den Kirchen. Wir haben katholische Christen, wir haben evangelische Christen und wir haben auch Andersgläubige: Die sollen alle ruhig kommen und den Karneval mitfeiern: Da gehört der Domgottesdienst einfach dazu.
DOMRADIO.DE: In Sachen Kölner Dom wird aktuell über die Erhebung eines Eintrittsgeldes gesprochen. Gottesdienstbesucher sind ausgenommen und Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins, der die Erhaltung des Kölner Doms zu einem großen Teil sichert, auch. Würden Sie als neuer Präsident des Festkomitees Kölner Karneval ein Projekt in Angriff nehmen, mit dem Sie versuchen, alle Karnevalisten zu einer Mitgliedschaft zu bewegen?
Schade: Darüber reden wir eigentlich immer. Die Präsidentin des Zentral-Dombau-Vereins, Barbara Schock-Werner, ist auch unter den Karnevalisten ganz aktiv dabei. Aber die Idee gefällt mir gut. Die nehme ich mal mit.
DOMRADIO.DE: Der Karneval hat eine vereinigende Kraft, die auch Gemeinschaft fördert. Finden Sie, dass die Kirchen was Ähnliches haben?
Schade: Ja, für mich unbedingt. Für viele ist das leider nicht mehr so. Aber ich wüsste nicht, was an die Stelle treten soll. Und das, was die Kirchen tun, um Gemeinschaft zu vermitteln, ist auch noch mal eine ganz andere Gemeinschaft, als sie der Karneval vermittelt. Man braucht beides.
DOMRADIO.DE: Das Festkomitee hat die Initiative "ALAAF 2040" gestartet. Ein Strategieprozess ist demnach in vollem Gange. Es geht um einen zukunftsfähigen Karneval auch für die nächsten Generationen. Dabei ist eine der Fragen, wie man mit dem "Sommerkarneval" umgehen soll.
Schade: In dem Punkt kann ich die Frage schon beantworten. Die Antworten, die wir bisher ausgewertet haben, zeigen fast einhellig, dass der Karneval seinen Platz zwischen dem 11. November und Aschermittwoch hat und nicht im Sommer. Das gibt uns eine Anleitung. Aber wir sind noch in der Auswertung.
Das Interview führte Uta Vorbrodt.
Information der Redaktion: Das Interview ist ein Ausschnitt eines längeren Gesprächs mit Lutz Schade. Das komplette Interview können Sie hier als Audio hören.