Kinderschutzbund tadelt Franziskus für "Klaps"-Aussage

Keine päpstliche Rechtfertigung für Gewalt

Nicht zum ersten Mal rechtfertigt Papst Franziskus Gewalt in der Erziehung von Kindern. Er hatte jüngst einen Klaps auf den Po gutgeheißen. Das stößt auf Kritik. Körperliche Misshandlung sei immer falsch, sagt der Kinderschutzbund.

Papst Franziskus / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Der Deutsche Kinderschutzbund kritisiert Papst Franziskus für seine Äußerungen zum Schlagen von Kindern. "Für das Schlagen von Kindern gibt es keine Rechtfertigung, auch keine päpstliche", sagte der Bundesgeschäftsführer des Kinderschutzbunds, Daniel Grein, am Dienstag in Berlin.

Kind mit Hund schaut traurig aus dem Fenster / © Soloviova Liudmyla (shutterstock)
Kind mit Hund schaut traurig aus dem Fenster / © Soloviova Liudmyla ( shutterstock )

Wer ein Kind körperlich misshandle, handle falsch. Dazu zählten auch das Schlagen auf den Po oder eine Ohrfeige.

Papst Franziskus hatte am Sonntagabend einen Klaps auf den Po gutgeheißen. Eltern würden damit "dem Kind etwas mitgeben", hätten dabei aber oft größere Schmerzen in der Hand als das Kind auf dem Po.

Nicht die erste Kritik dieser Art am Papst

Er nutzte dieses Beispiel, um zu erklären, wie Gott den Menschen bestrafe. Franziskus äußerte sich im Interview der italienischen Talkshow "Che Tempo Che Fa" (etwa: "Wie die Zeiten so sind"). Bereits 2015 sorgte eine Aussage des Papstes für Kritik. Damals verteidigte er Eltern, die ihre Kinder schlagen. Wenn sie es würdevoll täten, sei das gerecht.

Papst Franziskus / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Der Kinderschutzbund betont in seiner Stellungnahme das in Deutschland geltende Recht auf gewaltfreie Erziehung für Kinder.

Überforderte Eltern, die sich nicht anders zu helfen wüssten als mit Gewalt, hätten Anspruch auf Hilfe.

Unicef ohne direkten Kommentar

Das Kinderhilfswerk Unicef wollte auf Nachfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) die Aussage des Papstes nicht kommentieren.

Pressesprecherin Ninja Charbonneau verwies aber auf die Position der Kinderhilfsorganisation. "Es ist wichtig, dass Gewalt gegen Kinder niemals harmlos ist und bei den Kindern tiefe Spuren hinterlassen kann", sagte Charbonneau am Dienstag in Köln. Kinder, die in der Erziehung Gewalt erführen, hätten oft ein geringeres Selbstvertrauen. Auch Angst und Depressionen könnten eine Folge sein.

Mit der Kampagne "#NiemalsGewalt" setzt sich Unicef nach eigenen Angaben seit 2020 für die gewaltfreie Erziehung von Kindern ein. Zum Tag der gewaltfreien Erziehung am 30. April werde das Hilfswerk die Social Media-Kampagne wieder intensivieren, so Charbonneau. 

Unicef und der Kinderschutzbund betonen in ihren Stellungnahmen das in Deutschland geltende Recht auf gewaltfreie Erziehung für Kinder.

Überforderte Eltern, die sich nicht anders zu helfen wüssten als mit Gewalt, hätten Anspruch auf Hilfe, sagte Grein.

Quelle:
KNA