Kardinal Bo spricht Landsleuten in Myanmar Mut zu

"Keine Regierung ist mächtiger als Gott"

Kardinal Charles Bo hat seinen Landsleuten in Myanmar Mut zugesprochen. Die wahre Macht liege in der Liebe, nicht in der Herrschaft, sagte der Erzbischof von Yangon am Sonntag bei einem Gottesdienst.

Aktivist zeigt den Dreifingergruß in Solidarität mit den Protesten gegen den Militärputsch in Myanmar / © Niranjan Shrestha (dpa)
Aktivist zeigt den Dreifingergruß in Solidarität mit den Protesten gegen den Militärputsch in Myanmar / © Niranjan Shrestha ( dpa )

Gott stehe den Bedrängten bei. Für die Menschen in Myanmar bedeute das: "Es gibt keine Regierung, die mächtiger ist als Gott", heißt es in dem über Twitter auf Englisch und Birmanisch verbreiteten Predigttext von Bo.

Das südostasiatische Land wird seit Wochen von Protesten und Unruhen erschüttert. Dabei erschossen Sicherheitskräfte bislang mehr als 800 Demonstranten. Auslöser ist ein Militärputsch. Am 1. Februar stürzte die Armee wenige Stunden vor der konstituierenden Sitzung des neuen Parlaments die demokratisch gewählte Regierung wegen des Vorwurfs des Wahlbetrugs und rief den Notstand aus. Hochrangige Politiker, darunter Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi und Präsident Win Myint, wurden verhaftet.

Angriff auf katholische Kirche

Zuletzt sorgte ein Artillerieangriff der Armee auf eine katholische Kirche am Pfingstmontag für Schlagzeilen. Dabei kamen vier Menschen ums Leben.

"In den vergangenen vier Monaten hat diese Nation großes Leid erlitten", sagte Kardinal Bo, der auch Vorsitzender der nationalen Bischofskonferenz ist, in seiner Predigt. "Sogar in diesem Augenblick kauern die Menschen von Mindat und Loikaw im Dschungel, nachdem sie durch Gewalt zur Flucht gezwungen wurden. Tausende Vertriebene leiden an Hunger und Verwundungen."

Mindat in Myanmars westlichem Teilstaat Chin und Loikaw im östlichen Teilstaat Kayah hatten sich in den vergangenen Wochen zu Zentren des bewaffneten Widerstands gegen die Militärdiktatur entwickelt. Zur Niederschlagung setzt die Armee von Myanmar Bodentruppen und Kampfhubschrauber ein.

Viele Menschen auf der Flucht

Laut aktuellen Angaben der Vereinten Nationen sind in Chin und Kayah sowie in den Teilstaaten Kachin, Karen und Shan mehr als 120.000 Menschen auf der Flucht vor dem Krieg der Armee gegen die "Ethnic Armed Organisations" (EAO) genannten Milizen der ethnischen Minderheiten. Chin, Kayah, Karen und Kachin sind von katholischen und protestantischen Christen bewohnte Regionen im mehrheitlich buddhistischen Myanmar.

Unterdessen wird auch die ethnische Mehrheit der Bama zunehmend Ziel der Gewalt durch die Armee. In Sagaing in Zentrum Myanmars sind Tausende Bama auf der Flucht. Zusammen mit dem benachbarten Mandalay, der ehemaligen Hauptstadt des Königreichs Birma, gehört Sagaing zum Kernland des birmanischen Buddhismus.

Kardinal Charles Bo / © Cristian Gennari (KNA)
Kardinal Charles Bo / © Cristian Gennari ( KNA )
Quelle:
KNA
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