Zwischen der eigenen Begrenztheit und der unendlichen Liebe Gottes

Kein schöner Land in dieser Zeit?

Wenn sich das Herz des Menschen öffnet, stellt sich nicht automatisch sein Verstand ein - aber die Konfrontation des Menschen mit seiner eigenen Begrenztheit kann ihm die Liebe Gottes aufzeigen, meint Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen.

 © DOMRADIO (DR)
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In dieser Woche war ich bei der Beerdigung unserer langjährigen Nachbarin. Sie ist im hohen Alter von 91 Jahren am Corona-Virus gestorben. Die letzten Jahre war ihr jüngster Sohn im Altenheim ihr ein treuer und guter Begleiter. Er hielt ihr die Hand bis zum Schluss. Am Ende des schlichten Gottesdienstes, der auch wegen Corona leider nur in sehr kleiner Runde gefeiert werden konnte, ertönte dann noch die Lieblingsmelodie meiner Nachbarin: „Kein schöner Land in dieser Zeit...!“ Aktuell durfte im schönen Land 2020 verständlicherweise wegen Corona nicht einmal mitgesungen werden. Aber umso eindringlicher erreichten die vom Pastor gesprochen Worte des Volksliedes die kleine Abschiedsgemeinde.

In dem Moment hätte ich so gerne all die Querdenker und Demonstranten gegen die notwendigen Corona-Schutzmaßnahmen neben mir in der Kirchenbank gehabt. Ich bin mir sicher: Es wäre gar kein Argument nötig gewesen. Denn dort, wo unsere innere Stimme das Herz erreicht, stellt sich nicht automatisch die Klugheit ein. Aber wo sich das Herz öffnet, spürt jeder Mensch seine eigene Begrenztheit. All seine Unzulänglichkeiten – aber eben auch die Wärme und Geborgenheit der unendlichen Liebe Gottes. Eine Liebe, die für jeden von uns da ist – die uns trägt und hält. Die stärker ist als der Tod:

„Nun Brüder eine gute Nacht, der Herr im hohen Himmel wacht, in seiner Güten uns zu behüten ist er bedacht! Ihr Brüder wisst was uns vereint, eine andre Sonne hell uns scheint; in ihr wir leben, zu ihr wir streben als die Gemeind!“

Ihr Ingo Brüggenjürgen Chefredakteur DOMRADIO.DE

PS: Mal wieder reichlich stürmische Tage für das Kirchenschiff. In unserem Radioprogramm und im Internet versuchen wir Ihnen gerade im Sturm der Zeit den nötigen Halt zu geben. Ach ja, umgezogen sind wir in all dem Trubel auch noch. Ab sofort senden wir wieder mit Frau, Mann und Maus aus der 4. Etage des Domforums direkt vor dem Domhauptportal. Auf Ihren „guten Draht nach oben“ ist also Verlass.

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