Wenig verweist in Frankfurt auf Ökumenischen Kirchentag

Kein Blick für die ÖKT-Symbole

Wie ein Ding aus einer anderen Welt stehen sie da in der Frankfurter Innenstadt: neun metergroße blaue Buchstaben. Erst über Umwege erschließt sich, was sie mit dem 3. Ökumenischen Kirchentag zu tun haben.

Der Buchstabe "U" aus dem Slogan "schaut hin" für den 3. Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt / © Arne Dedert (dpa)
Der Buchstabe "U" aus dem Slogan "schaut hin" für den 3. Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt / © Arne Dedert ( dpa )

Wer in den Tagen vor dem 3. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) aus dem Frankfurter Hauptbahnhof tritt, sieht es gleich: Der blaue, menschengroße Buchstabe S, der allein auf dem Bahnhofsvorplatz steht, ist eigentlich ein Hingucker. Das Problem ist nur: Kaum jemand guckt ihn sich näher an; die allermeisten Passanten laufen achtlos an dem Hartgummi-S vorbei, das da steht wie ein Ding aus einer anderen Welt.

"Ich weiß nicht, was das ist. Keine Ahnung", sagt eine ältere Dame, die 40 Jahre in Frankfurt gearbeitet hat und nun in der Umgebung wohnt. "Was die da alles aufstellen ....", murmelt sie. Ein 56-jähriger Kroate, der seit einem Jahr in Frankfurt lebt, spekuliert, hinter dem S könnte sich wohl "irgendeine Information über Frankfurt" verbergen. So ganz unrecht hat er damit nicht.

Vom Hubschrauber aus erkennbar

Wer mit offenen Augen durch die Innenstadt geht, entdeckt insgesamt neun etwa zwei Meter hohe blaue Buchstaben, und zwar Kleinbuchstaben. Etwa ein "h" an der Alten Oper, ein "a" an der Paulskirche, ein "n" an der Europäischen Zentralbank (EZB) oder ein "h" am Museumsufer.

Nur von einem Hubschrauber aus würde man aber erkennen, dass die neun Buchstaben zusammen das Leitwort des ÖKT ergeben: "schaut hin". Sonst erschließt sich ihr Sinn kaum.

Es sei denn, man scannt mit dem Smartphone einen auf jedem dieser Buchstaben angebrachten QR-Code - dann öffnet sich die digitale Kirchentagswelt mit der Homepage www.oekt.de - und informiert über die jeweiligen Besonderheiten des Buchstaben-Ortes.

Nicht viele Hinweise auf das Christentreffen

Wer durch die Innenstadt streift, entdeckt ansonsten nicht viele Hinweise auf das Christentreffen, das zu Nicht-Pandemie-Zeiten wohl mehr als 100.000 Teilnehmer nach Frankfurt gelockt hätte. Die dritte Viruswelle hat sich wie ein unsichtbarer Schleier über die sonst so quirlige Mainmetropole gelegt. Die 7-Tage-Inzidenz in der Stadt lag am Mittwoch bei 129,4. Die meisten Geschäfte sind dicht, nur wenige Menschen sind unterwegs auf der Einkaufsmeile Zeil, wo sonst Tausende wuseln. Die Stadt wirkt seltsam entvölkert und entleert.

In den unterirdischen S-Bahn-Haltestellen kann man auf Großbildschirmen einen kurzen Blick auf den ÖKT erhaschen. Für wenige Sekunden taucht das unscharf geschriebene ÖKT-Leitwort "schaut hin" auf - doch dann kommt schon die nächste Reklame. Und die wenigen blau-violett-rosafarbenen Kirchentagsfahnen rund um den Römer und den Dom fallen kaum auf.

Riesentisch als Blickfang

Ein Blickfang ist da schon eher der blaue Riesentisch über der U-Bahn-Station Hauptwache. Dort haben Mitarbeiter der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) und des Bistums Limburg einen überdimensionalen Tisch aufgebaut: 28 Meter lang und 8 Meter breit.

Eigentlich sind es vier unterschiedlich hohe Tische hintereinander, der letzte zwei Meter hoch. Insgesamt 13 verschieden hohe Stühle lassen sich "teilweise leicht, teilweise nur sehr schwer erklimmen", so die Initiatoren.

Der Riesentisch im Schatten der Katharinenkirche irritiert - was auch der Sinn der Kunstinstallation ist. Dort wollen während des ÖKT jeweils einen halben Tag lang Initiativen, Verbände und konfessionelle Einrichtungen Perspektiven aufzeigen. Mit seiner blauen Farbe soll der Tisch nach Angaben der Initiatoren auf die "Dimensionen des Himmels" anspielen. Dort spielten nach christlichem Verständnis Größenverhältnisse und Hierarchien keine Rolle mehr.

"Gedeckt" wird der Tisch etwa am Donnerstag von Oikocredit, am Freitag vom Frankfurter Bürgermeister und Kirchendezernenten Uwe Becker und am Samstag von der Fraueninitiative Maria 2.0.

Vielleicht wird letztlich dieser Tisch auch für manche Frankfurter Bürger den "Draht" zum - eher verborgenen - digitalen ÖKT herstellen.

Eine Verkäuferin eines veganen Take-Away-Imbisses direkt auf der Zeil - einer der wenigen geöffneten Essenquellen in Pandemiezeiten - hat den Riesentisch zwar schon gesehen. Dass es gleichzeitig einen Ökumenischen Kirchentag gibt, wusste sie hingegen nicht. Als sie hört, dass man sich da digital reinklicken kann, meint sie spontan:

"Okay, das schau ich mir mal an!" Sie weiß nicht, dass sie in diesem Moment das Kirchentags-Leitwort auf ihre ganz eigene Weise gedeutet hat.

Ein Riesen-Tisch und ein Riesen-Stuhl zum Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt / © Arne Dedert (dpa)
Ein Riesen-Tisch und ein Riesen-Stuhl zum Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt / © Arne Dedert ( dpa )
Der Buchstabe"i" aus dem Slogan "schaut hin" für den 3. Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt / © Arne Dedert (dpa)
Der Buchstabe"i" aus dem Slogan "schaut hin" für den 3. Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt / © Arne Dedert ( dpa )
ÖKT-Mottobuchstaben in Frankfurt / © Harald Oppitz (KNA)
ÖKT-Mottobuchstaben in Frankfurt / © Harald Oppitz ( KNA )
Autor/in:
Norbert Demuth
Quelle:
KNA