Es ist ein in der Region vielbeachtetes Bauprojekt: Das neue katholische Schulzentrum in Leinefelde im thüringischen Eichsfeld soll zum Schuljahr 2027/28 an den Start gehen. Insgesamt sollen künftig gut 1.000 Schülerinnen und Schüler von rund 100 Lehrkräften unterrichtet werden. Sie können hier ihr Abitur oder einen Haupt- beziehungsweise Realschulabschluss machen.
Es ist das größte Bauprojekt und die größte Investition in der Geschichte des Bistums Erfurt. Verantwortliche der bauausführenden Firma und Projektverantwortliche des Bistums informierten am Dienstagabend vor Ort über den aktuellen Baufortschritt und gaben Einblicke in die künftige Gestaltung.
Nach der Grundsteinlegung durch den Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr im Juni 2025 zeigt sich das Objekt in der Leinefelder Südstadt momentan noch im Rohbau. Wie Thomas Happ, der Gesamtprojektleiter der Firma Goldbeck berichtete, sei man baulich absolut im Zeitplan. Die Schule soll aus insgesamt vier Blöcken mit Verbindungsgängen bestehen.
Die Sporthalle ist bereits seit vergangenem Spätherbst im Rohbau fertig. "Wir haben Betonfertigteile mit bereits eingesetzten Fenstern verbaut, die sehr viel Licht in das Gebäude bringen", erläuterte Happ.
Ballett- und Kraftraum
In der 25 Meter langen, mit Fußbodenheizung versehenen Sporthalle, in der eine 50 Tonnen schwere Holzkonstruktion verbaut ist, entstehen außer dem Spielfeld eine Zuschauertribüne mit Wertungsrichterkabine und Sanitärräume. Integriert sind zudem ein Ballett- und Kraftraum.
Die Sporthalle ist zweigeschossig, wohingegen die Lernhäuser mit einer Höhe von knapp 14 Metern aus einem Erdgeschoss und zwei Obergeschossen bestehen. Happ wies darauf hin, dass die Häuser durch einen 176 Meter langen Flur komplett verbunden sind. Von Haus zu Haus gibt es lichtdurchflutete Durchgänge.
Im Januar und Februar habe man wegen des einsetzenden Frostes in erster Linie Innenarbeiten vornehmen können. "Das hat uns zurückgeworfen, aber wir sind wieder voll im Zeitplan", stellte Happ klar. Vier Baukräne und ein mobiler Autokran sind ständig im Einsatz. Gleichzeitig bis zu 70 Arbeiter betonieren, montieren Betonfertigteile und isolieren Wände. "In 14 Tagen werden wir das letzte Obergeschoss auf das östliche und damit letzte Haus bringen", so Happ.
Lichtdurchflutet und nachhaltig
Wie der Gesamtprojektleiter erläuterte, zeichnet sich der Schulkomplex unter anderem dadurch aus, dass er durch ausreichend Oberlicht und großzügige Fensterelemente äußerst lichtdurchflutet sei. In allen Bereichen sei man auf Nachhaltigkeit fokussiert. So sollen laut dem Plan in drei Wochen die Wärmepumpen und Geothermie eingebaut werden. Auf den Dächern werde zudem eine Photovoltaikanlage installiert. Auch den sehr hohen Schallschutzanforderungen werde Rechnung getragen.
Große Teile des Daches werden begrünt. Das diene, so Happ, nicht zuletzt der Wasserrückhaltung, um nicht unnötig Abwässer in die Kanalisation gelangen zu lassen. Auch die Außenfassaden der Lernhäuser werden grün. "Dafür sollen Drahtseile sorgen, an denen Ranken wachsen können", so Happ. Allein der Schulbereich hat eine Gesamtfläche von 15.500 Quadratmetern. Für den mit Rasen und Bäumen versehenen Außenbereich ist eine Zisterne zur Bewässerung geplant.
Alleinstellungsmerkmal
Weiterhin entstehen eine Cafeteria, eine große Mensa und eine Fahrradwerkstatt. Geplant ist weiter eine "Kiss and Ride Zone", wo Eltern ihre Kinder absetzen können. Der Schulleiter des noch in Heiligenstadt ansässigen Gymnasiums, Heinz-Peter Kaes, wies auf ein Alleinstellungsmerkmal in der Region hin: "Wir werden außer Lehr- und Verwaltungskräften, Schulpsychologen, Schulsozialarbeiter, Berater und Präventivkräfte vor Ort haben".
Das Bistum investiert nach eigenen Angaben rund 50 Millionen Euro in den Bau. In dem Schulzentrum sollen künftig alle schulischen Bildungsabschlüsse unter einem Dach möglich sein: Geplant sind ein Regelschulzweig mit zwei Klassen pro Jahrgang und ein gymnasialer Bereich mit drei Klassen pro Jahrgang. Die Sporthalle soll auch für örtliche Vereine geöffnet werden. Ferner soll es Veranstaltungsräume geben, die auch von den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt für verschiedene Anlässe genutzt werden können.
Bereits 2021 plante das Bistum als Träger des Gymnasiums Bergschule Sankt Elisabeth in Heiligenstadt eine Erweiterung um eine Regelschule. Nachdem sich dies am bisherigen Standort nicht realisieren ließ, entschloss sich das Bistum 2022, in Leinefelde ein Schulzentrum zu bauen.