Katholisches Hilfswerk fordert Friedenstruppen für Armenien

Warnung vor Doppelmoral wegen Energiekrise

Das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis fordert europäische Friedenstruppen zum Schutz Armeniens. Das Kaukasusland befindet sich in einem militärischen Konflikt mit seinem Nachbarn Aserbaidschan.

Konflikt in Berg-Karabach / © David Ghahramanyan/NKR InfoCenter PAN Photo/AP (dpa)
Konflikt in Berg-Karabach / © David Ghahramanyan/NKR InfoCenter PAN Photo/AP ( dpa )

Die Europäische Union (EU) müsse nun ihre engen wirtschaftlichen Bande nach Aserbaidschan nutzen, um dort zu Deeskalation und Befriedung beizutragen, verlangte Renovabis-Hauptgeschäftsführer Thomas Schwartz am Dienstag in Freising.

Friedenstruppen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) könnten dazu ein gutes Instrument sein. Auch die Vereinten Nationen sollten einbezogen werden.

Thomas Schwartz / © Dieter Mayr (KNA)
Thomas Schwartz / © Dieter Mayr ( KNA )

Armeniens Bevölkerung und das kulturelle Erbe des Landes seien zunehmend gefährdet, so Schwartz weiter. Dies gelte inzwischen nicht mehr nur für die schon länger umkämpfte Region Bergkarabach, sondern auch für das armenische Kernland.

Man müsse aufpassen, dass Armenien mit seinen Christinnen und Christen und deren bis ins dritte Jahrhundert zurückreichender Kirche nicht zwischen Aserbaidschan und dem anderen Nachbarn Türkei "aufgerieben" werde.

Aktive Rolle der EU gefordert

Schwartz warnte die EU angesichts ihrer Gas-Geschäfte mit Aserbaidschan vor Doppelmoral: "Eine zunehmende Energieabhängigkeit der EU von Aserbaidschan darf nicht dazu führen, dass die aktuelle Aggression, die Menschenrechte und drohende Zerstörung von armenischen Kulturgütern ohne Kritik bleiben."

Kriegszustand in der Region Berg-Karabach / © Bumble Dee (shutterstock)
Kriegszustand in der Region Berg-Karabach / © Bumble Dee ( shutterstock )

Das Hilfswerk sehe sich auch selbst gefordert. Renovabis sei bereit, den mehreren Tausend armenischen Binnenflüchtlingen zu helfen, wie zuletzt auch 2020 durch Nothilfe in Kooperation mit Caritas International und kirchlichen armenischen Einrichtungen. Dies sei mit Blick auf den bevorstehenden Winter und die schwierige wirtschaftliche wie soziale Lage im Land dringlich.

Renovabis

Das Hilfswerk Renovabis versteht sich als Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit Osteuropa. Es wurde 1993 auf Anregung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) von den deutschen Bischöfen gegründet. Seither gibt es jedes Jahr eine mehrwöchige bundesweite Aktion. Sie endet jeweils am Pfingstsonntag mit einer Kollekte in den katholischen Gottesdiensten in Deutschland. Der lateinische Name des Hilfswerks geht auf einen Bibelpsalm zurück und bedeutet "Du wirst erneuern".

 © Renovabis
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Quelle:
KNA