Katholische Kirche warnt vor Routine-Screening auf Trisomie 21

Selektion ungeborenen Lebens

Anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tags am 21. März warnt Bischof Franz-Josef Overbeck vor der zunehmenden Routine bei Pränataltests auf Trisomien. Rund 100 Bundestagsabgeordnete fordern klarere Regeln und ein strenges Monitoring.

Schwangere mit Ultraschallbild / © Julia Steinbrecht (KNA)
Schwangere mit Ultraschallbild / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Mit Blick auf den Welt-Down-Syndrom-Tag (21. März) rückt die katholische Kirche die ethischen Herausforderungen nichtinvasiver Pränataltests (NIPT) in den Fokus. "Die vorliegenden Daten legen nahe, dass sich NIPT in der Praxis zunehmend als Screening auf Trisomie 13, 18 und 21 etabliert", erklärt Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Vorsitzender der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz. 

"Damit stellen sich erhebliche ethische, rechtliche und gesundheitspolitische Fragen." Die Bischöfe begrüßen daher den fraktionsübergreifenden Antrag im Bundestag, ein Monitoring zur Kassenzulassung der Tests einzuführen.

Kinder mit Down-Syndrom können durch Förderung sehr selbstständig werden. / © Denis Kuvaev (shutterstock)
Kinder mit Down-Syndrom können durch Förderung sehr selbstständig werden. / © Denis Kuvaev ( shutterstock )
Mädchen mit Down-Syndrom (Archiv)

Die katholische Kirche betont in diesem Zusammenhang die Würde jedes menschlichen Lebens – unabhängig von möglichen Einschränkungen – und fordert eine verantwortungsvolle Begleitung werdender Eltern.

Die Debatte um nichtinvasive Pränataltests (NIPT) hat in den letzten Jahren an Brisanz gewonnen. Seit der Kassenzulassung im Juli 2022 steigt die Zahl der Anwendungen rasant: 50 Prozent der Schwangeren nutzten 2024 den Test (2023: 32 Prozent). 

NIPT als neuer Routine-Test

NIPT ermöglichen es, bereits früh in der Schwangerschaft das Risiko für Chromosomenstörungen wie Trisomie 13, 18 oder 21 zu bestimmen. Während der Test als medizinischer Fortschritt gilt, wirft er ethische Fragen auf. Die Kirche sieht darin eine Gefährdung des christlichen Menschenbildes, das jedes Leben als Gottesgabe versteht.

Franz-Josef Overbeck

"Eine Gesellschaft muss Menschen in ihrer Verletzlichkeit annehmen - oder sie riskiert, bestimmte Lebensformen als 'weniger wert' einzustufen."

In einer aktuellen Stellungnahme begrüßt Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Vorsitzender der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz, den fraktionsübergreifenden Antrag im Bundestag, ein Monitoring zur Kassenzulassung der Tests einzuführen.

Bischof Franz-Josef Overbeck / © Julia Steinbrecht (KNA)
Bischof Franz-Josef Overbeck / © Julia Steinbrecht ( KNA )

"Die Gefahr ist, dass NIPT zu einer Routineuntersuchung wird – ohne ausreichende medizinische Indikation", erklärt Overbeck. Er befürchtet, dass Eltern vermehrt unter Druck geraten, nur ein 'gesundes' Kind auszutragen. "Damit stellen sich erhebliche ethische, rechtliche und gesundheitspolitische Fragen, die einer sorgfältigen Beobachtung und Bewertung bedürfen." 

Der Bischof unterstreicht einen besonderen Handlungsbedarf bei der Beratung werdender Eltern: "Erforderlich ist eine Begleitung, die medizinische, ethische und psychosoziale Aspekte verlässlich einbezieht." Der Maßstab bliebe eine Gesellschaft, in der Menschen mit Down-Syndrom selbstverständlich ihren Platz haben, so der Bischof. "Eine Gesellschaft muss Menschen in ihrer Verletzlichkeit annehmen – oder sie riskiert, bestimmte Lebensformen als 'weniger wert' einzustufen." 

Es sei zu befürchten, dass Schwangeren der Test unabhängig vom medizinischen Nutzen empfohlen werde, auch als Absicherung für Ärzte. Damit könnte der Test faktisch einer Reihenuntersuchung vorrangig auf Trisomie 21, kurz Down-Syndrom, gleichkommen. 

Monitoring und Expertengremium als notwendige Schritte

Der Bundestagsantrag fordert ein Monitoring bis Juni 2027 und ein interdisziplinäres Expertengremium, um die Folgen der NIPT-Kassenzulassung zu prüfen. "Die Daten bestätigen unsere Sorge: NIPT wird oft ohne klare medizinische Notwendigkeit empfohlen", sagt CDU-Abgeordneter Michael Brand. "Wir brauchen eine belastbare Analyse, um falsche Anreize zu vermeiden." Der Antrag wird von Abgeordneten der Union, SPD, Grünen und Linken unterstützt.

Dr. Irme Stetter-Karp ist die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.  / © Fabian Weiss (Zentralkomitee der deutschen Katholiken)

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßt das angedachte Monitoring. "Die Anwendung nicht-invasiver Pränataltests birgt für jede schwangere Frau zahlreiche Implikationen. Deshalb sind ein Monitoring und die Einrichtung eines Experten-Gremiums wesentliche Instrumente für einen angemessenen Umgang mit der Testmöglichkeit", sagte ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp.

Viele werdende Eltern wünschten sich mehr Informations- und auch Reflexionsmöglichkeiten vor dem Test und zugleich mehr Begleitung im Umgang mit dem Ergebnis. "Gerade wenn eine Trisomie diagnostiziert wird, beschreiben werdende Eltern, dass sie unter erheblichen Druck geraten, wenn sie das Kind bekommen wollen", sagte Stetter-Karp.

Pränataldiagnostik

Bei der Pränataldiagnostik (PND) wird über die reguläre Schwangerenvorsorge hinaus gezielt nach Auffälligkeiten beim ungeborenen Kind gesucht. Die Grenzen zwischen der Standardvorsorge und der Pränataldiagnostik sind oft fließend. Grundsätzlich wird bei der PND zwischen "nicht-invasiven" und "invasiven" Methoden unterschieden.

Ultraschallbild eines Ungeborenen auf einem Monitor während einer Ultraschalluntersuchung in einer Praxis für Pränataldiagnostik / ©  Julia Steinbrecht (KNA)
Ultraschallbild eines Ungeborenen auf einem Monitor während einer Ultraschalluntersuchung in einer Praxis für Pränataldiagnostik / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
DBK , DR , KNA

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