Lücking-Michel wagt Vergleich zwischen Kirche und DDR

Katholische Kirche braucht bei Frauenweihe Mauerfall

Parallele zur DDR-Zeit? Claudia Lücking-Michel, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, hat die Debatte um die Weihe von Frauen in der katholischen Kirche mit der Lage der DDR vor dem Mauerfall verglichen.

Claudia Lücking-Michel / © Julia Steinbrecht (KNA)
Claudia Lücking-Michel / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Die Mauer des Nein zur Zulassung von Frauen zu allen Ämtern stehe noch, sagte sie am Freitag bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung anlässlich des Ökumenischen Kirchentags in Frankfurt. Aber sie werde zunehmend brüchig. Die Kirche könne es sich mit Blick auf die Gleichheit aller Menschen vor Gott nicht mehr leisten, die Hälfte der Menschheit von den wichtigsten Diensten und Ämtern auszuschließen.

Lücking-Michel verwies auf hohe Austrittszahlen und das Unverständnis der jüngeren Generation über die Rolle der Frauen. "So kann es nicht weitergehen", sagte sie auch mit Blick auf Bewegungen wie Maria 2.0, die mit unterschiedlichen Aktionen und Kirchenstreik auf den Ausschluss von Frauen reagierten.

Auf die Frage, ob es wichtiger sei, von innen für Reformen zu kämpfen oder durch Austritt Druck auszuüben, sagte sie, es brauche beides für Veränderungen. Für die Kirche bedeute es aber einen großen Aderlass, wenn so viele Frauen gingen. Die ZdK-Vizepräsidentin betonte, es gebe aus ihrer Sicht keine schlagenden theologischen Argumente gegen den Ausschluss von Frauen vom Weiheamt. Es handele sich um eine reine Machtfrage.

Hoher Frauenanteil garantiert keine Gleichberechtigung

Die evangelisch-lutherische Erzbischöfin von Uppsala, Antje Jackelen (65), sagte, ein hoher Anteil von Frauen im Pfarramt garantiere noch keine Gleichberechtigung. Obwohl es in der schwedischen Kirche mittlerweile mehr Klerikerinnen als Kleriker gebe, seien die Männer weiterhin in den Positionen in der Mehrheit, in denen es um Finanzentscheidungen und Macht gehe. Die im westfälischen Herdecke geborene Theologin ist seit 2014 Erzbischöfin von Uppsala und damit als erste Frau Oberhaupt der Schwedischen Kirche.

Jackelen unterstrich die Rolle von theologischer Wissenschaft und Bildung für Veränderungen in der Frauenfrage. Um ihren Ausschluss von den Weiheämtern zu rechtfertigen, würden vielfach Bibelstellen aus dem Zusammenhang gerissen, etwa Aussagen des Apostels Paulus. Auch Paulus habe aber betont, dass in Jesus Christus alle eins seien und es vor Gott keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen mehr gebe.

Veränderungen in Afrikas Kirchen

Die senegalesische Journalistin und Katholikin Eugenie Rokhaya Aw sagte, auch in Afrikas Kirchen kündigten sich Veränderungen mit Blick auf die Rolle der Frauen an. Insbesondere die protestantischen Kirchen und charismatischen Bewegungen sorgten für Fortschritte. In der katholischen Hierarchie gebe es weiter massive Widerstände.

"Bischöfe und Priester sollten uns nicht weiter wie Kinder behandeln", forderte sie und sprach von großen kulturellen Widerständen. Um Frauen mehr Rechte in der Kirche zu geben, seien schmerzhafte Auseinandersetzungen nötig. Zentral sei dabei auch, ihnen Zugang zu theologischer Bildung und Wissen zu verschaffen.

Mauerfall in Berlin / © DB (dpa)
Mauerfall in Berlin / © DB ( dpa )
Quelle:
KNA
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