Katholische Frauen veranstalten Flashmob vor dem Kölner Dom

"Forderungen noch lange nicht erfüllt"

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands fordert schon lange, dass Frauen Zugang zu allen Ämtern in der katholischen Kirche bekommen. Am Samstag will sie ihren Forderungen vor dem Kölner Dom musikalisch Nachdruck verleihen.

Symbolbild Sitzkissen der kfd / © Julia Steinbrecht (KNA)
Symbolbild Sitzkissen der kfd / © Julia Steinbrecht ( KNA )

DOMRADIO.DE: Die kfd ist der größte katholische Frauenverband Deutschlands. Als solcher haben Sie schon im Juni 2019 in der kfd-Bundesversammlung ein Positionspapier beschlossen. Da fordern Sie, dass alle Dienste und Ämter für Frauen in der Kirche, gleich und berechtigt zugänglich sind. Das ist bisher nicht so gekommen.

Elisabeth Bungartz (Diözesanvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands / kfd): Nein, leider noch nicht. Wir werden weiter dran bleiben. Deshalb machen wir diese Aktion am Samstag, um darauf aufmerksam zu machen, dass diese Forderungen noch lange nicht erfüllt sind, auch nicht im Rahmen der Synodalversammlung des Synodalen Weges, wo wir uns vielleicht etwas mehr erhofft hätten.

Elisabeth Bungartz / © Kathrin Becker (kfd)
Elisabeth Bungartz / © Kathrin Becker ( kfd )

DOMRADIO.DE: Jetzt gibt es jedes Jahr eine Aktionswoche der kfd. Diesmal vom 25 September bis zum 1. Oktober. Das Motto lautet "Runter vom Sofa, rein in die singende Gemeinschaft." Sie haben ein pinkes Kissen herausgegeben. Da steht "Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands" und auf der anderen Seite "Gleich und berechtigt" drauf. Was macht man damit?

Bungartz: Sie können das überall benutzen, wo Sie sich gerne mal hinsetzen möchten. In meiner Heimatkirche haben wir es so gemacht, dass wir 30 Kissen in die Bänke verteilt haben und dass jede Frau oder auch jeder Mann dort Platz nehmen kann, wo er möchte.

Nach der letzten Synodalversammlung hatten wir einen Gottesdienst in Frankfurt. Da hat jeder von uns dieses Kissen gehabt. Wir haben uns damit in der Kirche verteilt, auch im Altarraum, weil wir der Meinung sind, dass auch da unser Platz ist.

DOMRADIO.DE: Das Kissen ist auch am Samstag dabei, wo Sie zum gemeinsamen Singen vor dem Kölner Dom einladen. Was und wie wird da gesungen?

Bungartz: Wir werden uns vorher in der Geschäftsstelle der kfd an Groß Sankt Martin um 10 Uhr treffen und mit einer Gesangspädagogin unser Lied proben, uns richtig einstimmen. Meine letzte Information ist, dass etwa 40 Frauen angemeldet sind. Aber wir rechnen noch mit mehr, damit wir das dann üben können und nachher auf dem Domvorplatz richtig gut intonieren können.

DOMRADIO.DE: Es gibt schon eine fertig produzierte Version von Profimusikerinnen. Text und Musik kommen von einer kfd-Referentin. Haben Sie schon geübt?

Bungartz: Ich habe mir zu Hause die Karaoke-Version schon mal angehört und auch versucht zu singen, den Text hatte ich vorliegen. Aber es war noch ein bisschen schwierig, muss ich sagen. Ich erhoffe mir, dass ich am Samstag mit den anderen Frauen zusammen besser werde.

Elisabeth Bungartz

"Das soll schon ein Protestgang sein."

DOMRADIO.DE: Sie gehen erst nach Groß Sankt Martin und üben mit der Pädagogin. Dann marschieren Sie geschlossen zum Kölner Dom. Das ist auch schon so eine Art Protest?

Bungartz: Das soll schon ein Protestgang sein. Wir werden auch lautstark farbenfroh unterwegs sein. Wir werden diese Kissen hochhalten, wir werden Fahnen und Musik dabei haben, damit wir schon mal unsere Forderungen in dem Lied etwas verdeutlichen können.

Wir wollen laut sein, bis wir dann vor dem Dom erscheinen und hoffen, dass dann auch Passanten dazukommen, die sich dadurch angezogen fühlen, um auch da nochmal auf unsere Forderung aufmerksam zu machen.

In Köln wird gerne gesungen. Deshalb sind wir auch sehr froh, dass die Initiative "Loss mer singe" aus Köln uns erlaubt hat, dass wir auch dieses Logo verwenden.

DOMRADIO.DE: Was erhoffen Sie sich von dieser Flashmob-Sing-Aktion am Samstag?

Bungartz: Wir hoffen, nochmal Aufmerksamkeit für dieses doch so wichtige Thema zu finden und dass uns gerade am Samstag, wo bestimmt viele Menschen in die Stadt gehen, viele Leute hören und sehen.

Wir werden mit unseren Kissen und Fahnen zu sehen sein. Daher hoffen wir, dass dieses Thema nochmal aufgegriffen wird.

DOMRADIO.DE: Der Trend ist, dass viele Menschen aus der Kirche austreten. Wie spüren Sie das in der kfd?

Elisabeth Bungartz

"Wer aus der Kirche ausgetreten ist und im Verband der kfd bleiben möchte, kann das selbstverständlich."

Bungartz: Natürlich spielt das bei uns auch mit rein, dass wir Probleme haben Mitglieder aufzuhalten, weil die Meinung vorherrscht, dass man auch aus dem Verband austreten muss, wenn man aus der Kirche austritt, was aber falsch ist.

Wer aus der Kirche ausgetreten ist und im Verband der kfd bleiben möchte, kann das selbstverständlich tun. Da gibt es also kein Problem. Wir werben auch dafür, dass die Frauen in diesem Verband bleiben.

DOMRADIO.DE: Wie gehen Sie damit um, dass Sie als Frauen schon seit vielen Jahren mit den Forderungen nach Gleichberechtigung in der Kirche vor die eine oder andere dicke Wand rennen?

Bungartz: Das macht manchmal mürbe, dass man immer wieder mit diesen Forderungen kommen muss und sich im Grunde genommen nichts tut. Das gebe ich ehrlich zu. Wir hatten ja auch einige Synodale bei den Synodalversammlungen von der kfd dabei, die auch lautstark diese Forderungen vertreten haben.

Ich hoffe immer noch, dass sich gerade dadurch auch etwas bewegen wird und dass wir etwas erreichen können, wenn es auch, das sage ich ganz offen, in unserem Bistum meiner Meinung nach am schwierigsten ist.

DOMRADIO.DE: 43.000 Mitglieder haben Sie im kfd-Diözesanverband im Erzbistum Köln. Wenn Sie mit dieser Aktion wie am Samstag, die im Rahmen der Aktionswoche "Runter vom Sofa" läuft, da stehen und lautstark singen, ist die Idee auch, dass man mit gemeinsamem Singen auch Frauen begeistern kann, in so einen Verband zu kommen?

Bungartz: Das ist auch ein Gedanke, den wir dabei haben. Viele Frauen singen sehr gerne, es sind auch kleine Chöre aus der kfd heraus entstanden, wo Frauen gemeinsam Gottesdienste mitgestalten, auch Gottesdienste mit einer ganz anderen Form, also Frauengottesdienste, die auch wirklich Frauen entsprechen.

Da erhoffe ich mir natürlich, dass das noch mehr Aufmerksamkeit findet und die eine oder andere, die gerne singt, auch denkt, die kfd sei etwas für sie.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd)

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) ist mit rund 265.000 Mitgliedern der größte katholische Frauenverband und einer der größten Frauenverbände Deutschlands. Wir machen uns stark für die Interessen von Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft und setzen uns für ihre Rechte ein.

Die kfd ist eine Gemeinschaft, die trägt und in der sich Frauen in vielfältigen Lebenssituationen gegenseitig unterstützen. Sie ist der Frauenort in der Kirche, offen für Suchende und Fragende.  

Ein Plakat der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) / © Julia Steinbrecht (KNA)
Ein Plakat der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
DR