Kölner Dreigestirn will Optimismus und Zuversicht verbreiten

"Karneval fällt nicht aus"

Weniger Sitzungskarneval, kaum Kontakte: Trotz oder gerade wegen der Pandemie will das Kölner Dreigestirn zeigen, dass Karneval auch Zusammenhalt bedeutet. Unter anderem hat es sich vorgenommen, karitative Einrichtungen zu besuchen.

Karnevalsgottesdienst 2022 im Kölner Dom / © Schröer (DR)
Karnevalsgottesdienst 2022 im Kölner Dom / © Schröer ( DR )

DOMRADIO.DE: Warum ist es denn für Sie so wichtig, dass Sie auf diesen Gottesdienst nicht verzichten wollten?

Gereon Glasmacher (Bauer Gereon): In Köln sind Kirche und Karneval ein Bindeglied und die Karnevalszeit ist die Zeit zum Feiern vor der österlichen Fastenzeit. Und von daher sind das Feste, die zusammengehören. Somit war für uns der Gottesdienst zum einen die Verbindung zwischen Karneval und Kirche, aber zum anderen auch noch mal der Moment zum Runterkommen, sich zu besinnen. Und das geht, glaube ich, in einem Gottesdienst im Dom am besten.

DOMRADIO.DE: Wir haben Sie, Prinz Sven, den Gottesdienst erlebt?

Sven Oleff (Prinz Sven I.): Sehr emotional. Normalerweise ist der Dom ja wirklich proppenvoll an diesem Tag. Und es waren nur relativ wenige Menschen vor Ort, aufgrund der Bestimmungen. Aber alle, die da waren, haben glaube ich diese ganze Szenerie aufgesogen und waren froh, dass sie dabei sein konnten. Und das sah man den Menschen auch an.

DOMRADIO.DE: Wie ist es Ihnen ergangen als Jungfrau?

Dr. Björn Braun (Jungfrau Gerdemie): Also zunächst einmal sind wir unheimlich glücklich, dass wir überhaupt den Gottesdienst erleben durften. Ohne die selbstgewählte Selbstquarantäne vor der Prinzenproklamation wäre das ja sonst nicht möglich gewesen. Und diesmal sogar im Ornat teilnehmen ist natürlich eine ganz besondere Ehre. Wie Sven schon sagte, die Emotion eines solchen Gottesdienstes sind einfach ganz fantastisch und geben uns noch mal Schub für die nächsten Wochen, weil ja auch noch mal die Aufgabenstellung klar formuliert wurde: die Menschen in den sozialen und karitativen Einrichtungen zu besuchen, die ein wenig Freude und Aufmerksamkeit besonders benötigen in den nächsten Monaten.

DOMRADIO.DE: Sie haben es ja bereits gesagt: Karneval und Kirche gehören zusammen. Was bedeutet Ihnen denn der Segen und der Glaube?

Bauer Gereon: Der Segen ist für uns ganz wichtig, denn wir gehen jetzt durch eine Zeit, die nicht einfach ist und da noch mal den Segen und den Beistand der Kirche zu haben, ausgesprochen durch unseren Stadtdechanten Robert Kleine, auch ein Kamerad von uns, das bedeutet uns dann noch mal sehr viel. Weil wir dann wissen, dass wir noch mal von einer anderen Instanz geschützt durch diese Zeit gehen.

DOMRADIO.DE: Was bedeutet Ihnen der Glaube an Gott?

Prinz Sven I.: Der Glaube ist natürlich auch ein Halt. Und gerade in so einer Zeit, wie wir sie momentan alle erleben, kann der Glaube, denkeich, den Menschen auch ein wenig Hoffnung und Zuversicht schenken. Und da ist auch wieder die Verbindung zum Karneval. Das ist auch unsere Aufgabe. Deshalb: Kirche und Karneval passt sehr gut zusammen.

DOMRADIO.DE: Gerade in dieser Session ist die Prinzenproklamation ja besonders wichtig. Das hätte man alles im letzten Jahr nicht erwarten können. Wie geht es Ihnen jetzt damit?

Jungfrau Gerdemie: Also wir haben gestern ein fantastisches Fest erlebt. Wir haben sehr, sehr viele schöne Momente erleben dürfen, deutlich mehr als im vergangenen Jahr. Das darf man auch nicht vergessen. Und es war für uns ein sehr, sehr schöner Abend. Und natürlich ist man das eine oder andere Mal in den vergangenen Wochen auch selbst ein wenig betrübt gewesen über die jetzt bestehenden Rahmenbedingungen. Aber es geht weiter. Wir haben neuen Mut geschöpft, wir freuen uns auf die kommenden Monate. Und da hilft natürlich auch der Glaube dabei.

DOMRADIO.DE: Sie haben den Segen, die Proklamation ist gestern Abend sehr gut verlaufen. Wie sehen Sie auf die Session?

Prinz Sven I.: Ich glaube, das ist schon auch ein Signal, das wir aussenden. Und das Signal ist auch wichtig in der momentanen Zeit. Wir gucken positiv nach vorne, auch wenn wir den Karneval nicht so feiern können, wie wir ihn gewohnt sind. Dass wir Hunderte von Sitzungen in dieser Stadt erleben können, das fällt dieses Jahr weg. Aber der Karneval fällt nicht aus. Der Karneval ist da und das ist unsere Aufgabe, dieses Signal auch für die Menschen in dieser Stadt zu senden.

DOMRADIO.DE: Es wurde ja auch im Gottesdienst gesagt: das Dreigestirn gibt den Menschen Hoffnung. Welche Hoffnung kann das sein?

Bauer Gereon: Das ist auch die Hoffnung wieder auf bessere Zeiten. Wir alle gehen gerade durch ein kleines Tal, wo nicht immer so viel Zeit oder so viel Anlass zum Lachen ist. Und der Karneval ist Lachen. Das ist Freude. Aber das ist genauso gut Zusammenzustehen in schlechten Zeiten und somit ist das die Hoffnung. Wir stehen zusammen, wir stehen das gemeinsam durch und dann kommt auch wieder die Zeit zum Lachen.

DOMRADIO.DE: In der Zeitung war von einem Hattrick die Rede, dass Ihre nun zweite Session als Dreigestirn noch durch eine dritte verlängert wird. Wird das überhaupt diskutiert?

Prinz Sven I.: Nein. Wir sind in unserer zweiten Session und die wollen wir in vollen Zügen natürlich erst mal genießen. Und deshalb kommt uns diese Frage gar nicht in den Kram. Wir denken da nicht drüber nach. Wir sind in unserer zweiten Session und das ist auch gut so.

Das Interview führte Johannes Schroeer.

Das Dreigestirn im DOMRADIO.DE-Studio / © Schröer (DR)
Das Dreigestirn im DOMRADIO.DE-Studio / © Schröer ( DR )
Quelle:
DR
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