Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sieht die christliche Osterbotschaft trotz sinkender Kirchenbindung weiterhin als hochaktuell an. "Am Ende steht die Liebe, die stärker ist als Gewalt, Krieg und Tod", sagte er in einem Interview mit der "Kölnischen Rundschau" (Sonntag) mit Blick auf aktuelle Krisen und Kriege. Ostern sei "die Botschaft des Glücks schlechthin" und gebe Menschen Hoffnung über Leid und Tod hinaus.
Zum Krieg in der Ukraine betonte Woelki das Recht auf Selbstverteidigung, stellte aber zugleich klar: "Kriege lösen keine Konflikte." Die eigentliche Botschaft sei, Gewalt zu vermeiden und Konflikte "im Dialog" auf Grundlage von Menschenwürde und Völkerrecht zu lösen.
Herausforderungen im Erzbistum Köln
Mit Blick auf die Situation im Erzbistum Köln räumte Woelki Herausforderungen durch sinkende Mitgliederzahlen und begrenzte Ressourcen ein. "Das darf uns aber nicht mutlos machen", betonte er. Vielmehr setze das Erzbistum auf Reformen, etwa durch einen synodalen Prozess und neue pastorale Schwerpunkte. Ziel sei eine stärker diakonische Kirche mit Fokus auf Jugend, Bildung und internationale Gemeinden.
Zugleich verwies Woelki auf Spar- und Modernisierungsmaßnahmen, etwa in der Verwaltung und bei den Kindertagesstätten. Durch strukturelle Veränderungen könnten erhebliche Mittel eingespart werden, ohne die Stabilität zu gefährden. Gemeinden sollen zudem mehr Eigenverantwortung erhalten, etwa bei der Nutzung von Immobilien.
Die in der Vergangenheit kritisierte Kommunikation sieht der Kardinal inzwischen verbessert. "Ich glaube, dass wir aus der Situation schon lange herausgekommen sind", sagte er. Viele Gläubige erlebten derzeit einen neuen Aufbruch. Kritik an seiner Person wies Woelki zurück und entgegnete: "Wir schauen nach vorne und nicht zurück."
Auch zu juristischen Auseinandersetzungen mit Medien äußerte sich der Kardinal. Er habe "praktisch ausnahmslos jedes Verfahren gewonnen" und sein Vorgehen als notwendig erachtet, um sich gegen falsche Darstellungen zu wehren.
Schutzsuchenden weiterhin helfen
In gesellschaftspolitischen Fragen positionierte sich Woelki klar. Mit Blick auf Migration sagte er: "Ich finde es einfach schrecklich", dass das Leid von Geflüchteten angesichts politischer Debatten in den Hintergrund trete. Deutschland und Europa müssten Schutzsuchenden weiterhin helfen, auch wenn es gleichzeitig klare Regeln brauche.
Mit Blick auf politische und gesellschaftliche Polarisierung betonte Woelki die Aufgabe der Kirche, die Würde jedes Menschen zu verteidigen. "Es gibt keine Menschen zweiter Klasse", sagte er. Zugleich warb er für mehr Zusammenhalt innerhalb der Kirche und zeigte sich dankbar für Bemühungen auf internationaler Ebene, Gräben zu überwinden.
Hoffnung auf gute Zusammenarbeit mit Bischof Wilmer
Die Zukunft der Kirche sieht Woelki in einem stärkeren missionarischen Engagement und neuen Formen der Ansprache. Ziel sei es, den Glauben "kraftvoll und einladend" zu verkünden und zugleich offen für Dialog und gesellschaftliche Verantwortung zu bleiben.
Kardinal Woelki äußerte sich auch zur Zusammenarbeit mit Bischof Heiner Wilmer, dem neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Er lobte Wilmer als "sehr integren Mitbruder, einen geistlichen Menschen, der zuhört und Gemeinsamkeiten schafft“.
Ziel sei es, innerhalb der Kirche Versöhnung und Zusammenhalt zu fördern – sowohl nach Rom hin als auch innerhalb Deutschlands. Woelki betonte, dass Synodalität ein geistlicher Prozess sei, der es ermögliche, Entscheidungen am Auftrag Jesu auszurichten und auch unbequeme Gespräche im Heiligen Geist zu führen.