Kardinal Turkson fordert Umsetzung von Klimaschutz-Maßnahmen

"Wir können nicht mehr warten"

Kurienkardinal Peter Turkson hat die internationale Gemeinschaft zur konsequenten Umsetzung von Klimaschutz-Maßnahmen aufgerufen. Angesichts des Ukrainekriegs warnte Turkson vor weiteren Verzögerungen beim Klimaschutz.

Kardinal Peter Turkson / © Harald Oppitz (KNA)
Kardinal Peter Turkson / © Harald Oppitz ( KNA )

Die Beschlüsse der Pariser Weltklimakonferenz von 2015 hätten zwar in Europa zu einem "Green Deal" geführt, der die Linie der Papst-Enzyklika "Laudato si" verfolge; doch nach sieben Jahren zeige sich: "Die Leute versprechen viel, aber halten wenig, weil immer wieder ökonomische Probleme auftauchen, die das Tempo bremsen", sagte Turkson der Wochenzeitung "Die Furche".

Nun sei dies der Ukraine-Krieg. "Doch wir können nicht mehr warten", warnte der Leiter der päpstlichen Wissenschaftsakademien.

Mensch im Zentrum

Weiter forderte Turkson eine Ökonomie, die den Menschen ins Zentrum stellt. Wirtschaftswachstum sei dabei nicht das erste Kriterium. "Was nutzt Wachstum in einer Welt, die nicht mehr bewohnbar ist?", so der Kardinal. Notwendig sei vor allem eine gute Wasserpolitik. Wenn Gas aus Russland über tausende Kilometer durch eine Pipeline transportiert werden kann, sollte dies auch mit Wasser möglich sein, "etwa ausgehend vom Amazonas in entlegene Regionen". Daran habe es bisher kein ökonomisches Interesse gegeben.

Kardinal Peter Turkson / © Harald Oppitz (KNA)
Kardinal Peter Turkson / © Harald Oppitz ( KNA )

Die Verfügbarkeit von Wasser wäre wichtig, um der Erderwärmung entgegenzuwirken: "Wir können die Einstrahlung der Sonne nicht kontrollieren, aber wir können Bäume pflanzen - was aber wiederum Wasser benötigt", argumentierte der Kardinal. "In Summe brauchen wir einen nachhaltigen Plan statt kurzfristiger Politik."

Umweltengagement der katholischen Kirche

Als Beispiel für das Umweltengagement der katholischen Kirche verwies der Kardinal auf die "Laudato Si Action Platform", auf der unterschiedlichste Akteure - von Familien über Schulen bis zu Wirtschaftsgruppen und Ordensleuten - konkrete Anregungen zu schöpfungsgerechtem Agieren fänden.

Ebenso sei sie die einzige Religionsgemeinschaft, die eine eigene wissenschaftliche Akademie betreibe.

"Für die Kirche ist Ökologie kein vorübergehendes Interesse, sondern sie gehört zu ihrem Wesen", betonte Turkson. "Wir können nicht Gott verehren und zugleich das zerstören, was er geschaffen hat", so Turkson.

Gott habe der Menschheit einen Garten überlassen. "Wir dürfen ihn unseren Nachfahren nicht als Wüste übergeben, hier braucht es intergenerationelle Solidarität", unterstrich der Kurienkardinal.

Enzyklika "Laudato si"

Klimawandel, Artenvielfalt, Trinkwasser: Diese Themen bestimmen die Umweltenzyklika von Papst Franziskus. Er wendet sich damit an "alle Menschen guten Willens" - und erklärt, warum eine ökologische Umkehr auch soziale Gerechtigkeit bedeutet. Papst Franziskus hat die reichen Industrienationen zu einer grundlegenden "ökologischen Umkehr" aufgefordert, um globale Umweltzerstörung und Klimawandel zu stoppen.

Papst Franziskus in nachdenklicher Pose / © Paul Haring (KNA)
Papst Franziskus in nachdenklicher Pose / © Paul Haring ( KNA )
Quelle:
KNA