Kardinal Ouellet verteidigt Reform von Papst Franziskus

"Kühne Entscheidung"

Die Beförderung von Laien in Spitzenämter im Vatikan war eine Reform unter Papst Franziskus, die einige Kardinäle kritisiert hatten. Ausgerechnet ein Wortführer der Konservativen, Kurienkardinal Marc Ouellet, verteidigt diesen Schritt.

Kardinal Marc Armand Ouellet / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Marc Armand Ouellet / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Ungewöhnlicher Vorgang in einem internen Meinungsstreit im Vatikan: In einem Kommentar, den das Portal Vatican News und die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" am Montag veröffentlichten, sprach sich Ouellet (81) für eine dauerhafte Zulassung von Laien in Leitungsstellen der vatikanischen Kurie aus. 

Papst Franziskus und Kardinal Marc Armand Ouellet am 17. Februar 2022 im Vatikan / © Paul Haring/CNS photo (KNA)
Papst Franziskus und Kardinal Marc Armand Ouellet am 17. Februar 2022 im Vatikan / © Paul Haring/CNS photo ( KNA )

Unter der Frage "Ein Zugeständnis, das zurückgenommen werden muss, oder ein Fortschritt für die Kirche?" verteidigt Ouellet diesen Aspekt der Kurienreform von Papst Franziskus. Er nennt die Zulassung von Laien in Positionen, die über Jahrhunderte Bischöfen und Kardinälen vorbehalten waren, eine "kühne Entscheidung" des 2025 gestorbenen Papstes.

Bischofsamt nicht die einzige Quelle

Manche hätten in der Frühzeit des neuen Pontifikats den Wunsch geäußert, wieder stärker zu betonen, dass ein Amt in der Römischen Kurie mit dem Weiheamt verbunden sein sollte, erklärt Ouellet. Diesem Wunsch hält er das Argument entgegen, die vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) gewollte Stärkung des Bischofsamtes bedeute keineswegs, dass das Weiheamt nun die "einzige Quelle jeder Form von Regierung in der Kirche wäre". 

Vielmehr müssten auch die geweihten Kleriker auf Menschen zählen können, die wegen ihrer Geistesgaben "ohne Einschränkungen im Verwaltungsapparat der Römischen Kurie anerkannt werden". Zwar könnten ihnen mangels Weihe keine sakramentalen Aufgaben im eigentlichen Sinn anvertraut werden. Wenn aber Laien im Auftrag des Papstes verschiedene Vatikanbehörden sowie die Verwaltung des Vatikanstaates leiteten, mindere das Fehlen einer Weihe in keiner Weise ihren Dienst.  

Auch Geweihte können sich unterordnen

In diesen Fällen sei auch eine Unterordnung von Priestern und Bischöfen unter Laien angemessen und nicht anfechtbar, so der kanadische Kardinal. Theologisch leitet Ouellet dies von den "Charismen" ab, durch die der Heilige Geist auch in Laien wirke. Das Kirchenrecht von 1983 ignoriere jedoch das Wort Charisma, erklärte er. Daher sei nötig, in dieser Frage in einen neuen Dialog von Theologen und Kirchenrechtlern einzutreten.

Ouellet leitete von 2010 bis 2023 die vatikanische Bischofsbehörde im Vatikan. Sein Nachfolger war Robert Francis Prevost, heute Papst Leo XIV.

Laien-Seelsorgende halten erstmals Treffen in Rom

Rund um den Beginn der Weltbischofssynode wollen sich in Rom Pastoralreferenten und -referentinnen aus allen Kontinenten austauschen. Das erste Welttreffen dieser Art zielt auf eine Stärkung nicht geweihter, aber theologisch ausgebildeter, hauptberuflicher Seelsorgender.

Petersdom im Vatikan / © ArtMediaFactory (shutterstock)
Petersdom im Vatikan / © ArtMediaFactory ( shutterstock )
Quelle:
KNA