Kardinal Müller kritisiert Sterbehilfe-Debatte in Belgien

"Schlimm"

Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller hat die Sterbehilfe-Debatte in Belgien kritisiert. Aktive Sterbehilfe als Menschenrecht zu verstehen, nannte Müller in einem Interview der belgischen Wochenzeitung "Tertio" "schlimm" und "traurig".

Kardinal Gerhard Ludwig Müller (m.) im Gespräch / © Paul Haring (KNA)
Kardinal Gerhard Ludwig Müller (m.) im Gespräch / © Paul Haring ( KNA )

Immer mehr Gruppen von Menschen könnten aktive Sterbehilfe in Belgien beantragen, etwa Minderjährige, Menschen mit einer psychischen Krankheit oder Demenz-Patienten. Die Betroffenen fürchteten, ihren Mitmenschen zur Last zu fallen, sagte Müller. Doch dabei handle es sich um eine "falsche Vorstellung". Das Leben sei ein Geschenk. "Es ist nicht unsere Aufgabe zu entscheiden, ob ein Leben noch Wert hat", betonte der Kurienkardinal.

In Belgien ist aktive Sterbehilfe unter bestimmten Umständen kein Straftatbestand. Die Nachfrage steigt stetig. Seit Februar 2014 gibt das Land als erstes weltweit keine Mindestaltersgrenze für aktive Sterbehilfe mehr vor.

Barmherzigkeit ist kein "Freibrief"

In dem Interview äußerte sich Kardinal Müller auch über das christliche Verständnis von Barmherzigkeit. Dies sei nach den Worten des Kurienkardinals "kein 'Freibrief', um zu sündigen oder weiterhin in Sünde zu leben".

Vielmehr müsse der Sünder seine Tat bereuen und sich ernsthaft darum bemühen, sein Fehlverhalten nicht zu wiederholen, so Müller. Im November 2016 endete das von Papst Franziskus ausgerufene "Heilige Jahr der Barmherzigkeit".

Zum Eheverständnis der katholischen Kirche sagte Müller, dass die "Unauflöslichkeit" der Ehe bestehen bleibe. "Es gibt keine Umstände, in denen Ehebruch keine Todsünde wäre", sagte Müller. Auch das Papstschreiben "Amoris laetitia" zu Ehe und Familie stehe dazu nicht im Widerspruch.

Quelle:
KNA