Kardinal Karl Lehmann zeigt sich offen für Frauendiakonat

"Noch viel zu tun"

In der neuen Debatte über ein mögliches Diakonat der Frau hat sich der scheidende Mainzer Kardinal Karl Lehmann offen gezeigt. "Ich wäre schon mal zufrieden, wenn es die erste Diakonin gibt", sagte er dem Deutschlandfunk. 

Kardinal Karl Lehmann / © Boris Roessler (dpa)
Kardinal Karl Lehmann / © Boris Roessler ( dpa )

Im Interview der Woche des Deutschlandfunks, das am Sonntag ausgestrahlt wird, sagte er auf die Frage, wann es die erste Bischöfin von Mainz geben werde: "Ich wäre schon mal zufrieden, wenn es die erste Diakonin gibt". Er habe selber erlebt, "wie in Rom dann auch etwas zustande gekommen ist, mit dem Ausschluss der Frau vom Priesteramt, da weiß ich nicht, ob man da einen Wandel erwarten kann". Lehmann sagte, er schaue auf die "Dinge, die man ohne allzu große Schwierigkeiten, ohne Spaltungen in der Kirche erreichen kann, und da gibt es noch viel zu tun".

Papst Franziskus hatte am Donnerstag im Vatikan die Einrichtung einer Studienkommission angekündigt, die eine Zulassung von Frauen zum Diakonat prüfen soll. Mit dem Schreiben "Amoris laetitia" (Freude der Liebe) und der in Aussicht gestellten Einzelfallprüfung für wiederverheiratete Geschiedene kommt Papst Franziskus aus Sicht des Mainzer Bischofs Kardinal Karl Lehmann zwar nicht zu spät - "aber er kommt spät". Das sagte der scheidende Bischof im Interview der Woche des Deutschlandfunks, das am Sonntag gesendet wird.

Dialog mit AfD abgelehnt 

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lehnt er einen Dialog mit der Alternative für Deutschland (AfD) ab. Das "nationalistische 'Gerüchlein'" sei ihm zu stark, sagte Lehmann im Interview der Woche des Deutschlandfunkes. "Da würde ich also im jetzigen Stadium nicht mitmachen, obwohl es mich beunruhigt, dass zwölf Prozent der Wähler da sind natürlich." Der Kardinal schränkte aber zugleich ein: "Vielleicht ist die Zurückweisung allein auf die Dauer kein Heilmittel."

Lehmann sieht auch Versäumnisse, von denen die AfD profitiere: "Wir haben sicher auch vor lauter Blick auf Europa, Globalisierung und so fort manchmal die Verwurzelung der Leute in ihrer heimatlichen Kultur und so weiter etwas versäumt."

Hoffen euf europäischen Islam 

Vor dem Islam habe er keine Angst, betonte Lehmann. Ein Grund sei, dass er sich schon im Studium und auch darüber hinaus mit dieser Religion beschäftigt habe. "Angst hat man vor etwas, was man nicht kennt." Aber auch die «unglaublichen Grausamkeiten» der Terrormiliz IS flößten Angst ein. Noch sehe er keinen neuen europäischen Islam, der die Herausforderungen der Demokratie aufnehme. "Aber ich hoffe, dass es so etwas gibt."

Lehmanns 80. Geburtstag wird am Pfingstmontag in Mainz mit einem Festgottesdienst im Dom und einem Festakt begangen. Der Kardinal geht davon aus, dass Papst Franziskus sein altersbedingtes Rücktrittsgesuch annimmt und der 80. Geburtstag sein "letzter Arbeitstag" als Bischof von Mainz ist.

Brücken für Europa 

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat unterdessen Kardinal Lehmans Einsatz für Europa gewürdigt. Lehmann habe Brücken der Solidarität und der Menschlichkeit in und für Europa gebaut, betont Juncker in einer am Samstag erschienenen Sonderbeilage der Mainzer "Allgemeinen Zeitung" zum 80. Geburtstag des Kardinals am Pfingstmontag.

Mit Blick auf die Flüchtlingsfrage schreibt Juncker, Lehmann mahne dazu, die Herzen und Grenzen nicht für Menschen in Not zu verschließen, sondern für die Werte einzustehen, die Europa zu etwas Besonderem gemacht hätten. Auch er, Juncker, sei davon überzeugt, "dass wir diese Herausforderung nur mit vereinten Kräften meistern können".

Für Lehmann seien Glaube, Solidarität und Nächstenliebe mehr als nur theoretische Konzepte, so Juncker. Der Kardinal lebe diese Prinzipien und verleihe damit seine Kraft der Menschlichkeit. Ausdrücklich hebt Juncker hervor, Lehmann sei der gewitzteste und charmanteste Kardinal, den er die Freude habe zu kennen.

 

 

Quelle:
KNA