Kapitelsamt im Kölner Dom

Zweiter Adventssonntag

Im Kapitelsamt am zweiten Adventssonntag nimmt Dompropst Assmann die Botschaft Johannes des Täufers in den Blick. Die Person und die Botschaft seien stimmig, betont Assmann – und seine Botschaft war für viele Menschen überzeugend.

Blick auf den Kölner Dom / © SmallWorldProduction (shutterstock)
Blick auf den Kölner Dom / © SmallWorldProduction ( shutterstock )

In seiner Predigt nutzt Assmann einen einfachen Vergleich zur Botschaft und Person des Johannes und setzt es in Verhältnis zu einem Navigationsgerät, wie man es aus dem täglichen Leben kennt.

Wenn man mit dem Auto unterwegs sei und von der vorgesehenen Strecke abweiche, sage das Navigationsgerät mit freundlicher Stimme: "Wenn möglich, bitte wenden." Diese Stimme bleibe immer freundlich, auch wenn man sich zehnmal nicht daran halte.

Im heutigen Evangelium aber rufe Johannes der Täufer in der Wüste "Kehrt um!". Das klinge erst einmal nicht so freundlich, erklärt der Kölner Dompropst. Johannes aber glaube man, weil seine Person und seine Botschaft stimmig seien, betont Assmann.

Ein klares Ziel

"Was mein Navigationsgerät in meinem Auto hat und Johannes der Täufer", so Dompropst Assmann, "beide, natürlich auf unterschiedliche Art und Weise, haben immer das Ziel vor Augen. Selbst wenn es große Umwege gibt, das Ziel bleibt immer das gleiche." Bei Johannes dem Täufer sei das Ziel "das Reich Gottes, und Gott einen Platz in unserem Leben zu bereiten. Und wenn wir von diesem Ziel abweichen, dann ruft er uns zu: Kehrt um."

Übertragung

DOMRADIO.DE übertrug am zweiten Adventssonntag das Kapitelsamt in lateinischer Sprache aus dem Kölner Dom mit Dompropst Guido Assmann. Unter der Leitung von Eberhard Metternich sang der Kölner Domchor. An der Orgel: Winfried Bönig.

Evangelium

Impuls zum Evangelium Mt 3,1–12, von Johanna Domek OSB

Johannes der Täufer ist einer der großen adventlichen Gestalten. Jedes Jahr in der Liturgie des Advents steht er da und ruft die Menschen zu Umkehr, Buße und zum Andersmachen auf. Er will Gott einen Weg bereiten, auf dem er in Jesus ankommen kann.

Den Weg für die Ankunft Gottes zu bereiten, bedeutet für jeden, Vieles anders zu machen. So sagt Johannes: Schaut eure Sünden an, was ihr falsch macht und falsch anpackt. Kehrt um und bringt Früchte eurer Umkehr. Verhaltet euch so, dass die sich zeigen. Verhaltet euch so, dass Gott eine Chance hat. Er rüttelt die Menschen seiner Zeit wach, redet ihnen ins Gewissen. Er fragt sie und stellt ihren Lebensstil in Frage.

Isenheimer Altar von Grünewald / © Harald Oppitz (KNA)
Isenheimer Altar von Grünewald / © Harald Oppitz ( KNA )

Aber seltsamerweise kommen dennoch Leute und lassen sich von ihm taufen. Es fragt sich, wie das kommen kann. Johannes ist alles andere als populistisch, völlig unangepasst und unbestechlich, und darin sehr authentisch. Er lebt, denkt, handelt anders als sie und ist doch den Menschen wirklich zugewandt, nimmt Anteil an ihnen. Er ist selbst aufrichtig und schlicht, ohne sich selbst wichtig zu nehmen oder wichtig zu machen. Ein wirklicher Gottesmann, der – wie Grünewald es im Isenheimer Altar großartig darstellt – nicht auf sich, sondern auf einen andern verweist.

Aus: TeDeum – Das Stundengebet im Alltag, Dezember 2022, www.tedeum-beten.de