Misereor fordert Politik gegen Klimakrise und Hunger

Kampf gegen Ernährungskrisen verstärken

Jeder zehnte Mensch auf der Welt hat nicht genug zu essen, so der Misereor-Hauptgeschäftsführer anlässlich des Erntedankfests am 3. Oktober. Bei der Verteilung wie bei der Produktion von Nahrungsmitteln müsse die Politik umsteuern.

Ernährung und Klimakrise hängen eng zusammen / © MIA Studio (shutterstock)
Ernährung und Klimakrise hängen eng zusammen / © MIA Studio ( shutterstock )

Anlässlich des Erntedankfestes am 3. Oktober mahnt das Entwicklungshilfswerk Misereor, die sich ausweitenden Ernährungskrisen stärker auf die politische Agenda zu setzen. "Wir beobachten mit tiefer Besorgnis, dass immer mehr Menschen weltweit Hunger leiden", so Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel (Mittwoch). "Jeder zehnte Mensch auf der Erde hat nicht genug zu essen, obwohl ausreichend Nahrungsmittel hergestellt werden und vorhanden sind. Das ist nicht hinnehmbar."

Landwirtschaft als Treiber der Klimakrise

Positiv zu bewerten sei, dass die Klimakrise und der richtige Umgang damit im Wahlkampf eine zentrale Rolle gespielt hätten, erklärte Markus Wolter, Experte für Landwirtschaft und Ernährung bei Misereor. Bei der Diskussion über Maßnahmen gegen solch gefährliche Entwicklungen hätten die Schlüsselbereiche Landwirtschaft und Ernährung aber viel zu wenig Beachtung gefunden. "Es kann nicht sein, dass wir unsere Verantwortung ignorieren - für die Klima-Erhitzung, den Verlust von Artenvielfalt und die Degradation von Böden, die Hunger verursachen", so der Experte.

Umstellung der Ernährungssysteme

Um die Ernährung von bald zehn Milliarden Menschen zu sichern und zugleich die negativen Folgen der Klimakrise für die Landwirtschaft einzudämmen, brauche es eine schrittweise Umstellung der Ernährungssysteme. 24 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen gehen auf das Konto der Landwirtschaft, davon seien fast 70 Prozent der Tierhaltung zuzurechnen. "Für die kommende Regierung bedeutet das unter anderem, dass die Tierhaltung an die Fläche gebunden werden muss, um Futtermittelimporte aus Übersee zu vermeiden", fordert Wolter. Zudem müssten die Gesamtnutztierbestände reduziert und der Konsum tierischer Produkte gesenkt werden.

Armut erreicht Mittelschicht

Die Pandemie verstärke die Hungergefahr weiter, wie das Misereor-"Jahresheft Welternährung 2021" zum Erntedankfest zeige. In den Metropolen Asiens etwa habe die Armut vielerorts eine breite Mittelschicht erreicht. In Subsahara-Afrika hat sich als Folge der Corona-Krise die Ernährungs- und Lebenssituation der ländlichen Bevölkerung erheblich verschlechtert, so das bischöfliche Hilfswerk. In vielen Ländern Lateinamerikas weite sich der Landraub dramatisch aus.

Umgang mit Ressourcen

Die Fähigkeit der Erde, in Fülle zu geben, werde bis aufs Äußerste ausgereizt, die planetaren Grenzen seien weit überschritten, betonte Misereor-Hauptgeschäftsführer Spiegel. "Das Erntedankfest mahnt uns zu einem anderen Umgang mit den natürlichen Ressourcen."

Pirmin Spiegel / © Julia Steinbrecht (KNA)
Pirmin Spiegel / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
KNA