Jüdische Gemeinde Frankfurt feiert 75-jähriges Bestehen

"Etwas Herausragendes"

Zum 75. Jahrestag der Wiederbegründung der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main hat der Vorstandsvorsitzende Salomon Korn ein florierendes jüdisches Leben in der Stadt gewürdigt. Ein Problem bleibe aber der Antisemitismus im Land.

Schutz für Frankfurter Synagoge / © Frank Rumpenhorst (dpa)
Schutz für Frankfurter Synagoge / © Frank Rumpenhorst ( dpa )

Dies sei "etwas Herausragendes", sagte der 80-jährige Korn laut Redemanuskript bei einem Festakt am Mittwochabend in Frankfurt.

Er erinnerte an die jüdische Tradition in der Stadt, die bis ins 12. Jahrhundert reiche: "Eine Geschichte mit Höhen und schmerzvollen Tiefen, die Wunden hinterließen, welche nur langsam heilen." Eine Narbe werde immer bleiben. Aber: "Wir wollen ein blühendes und selbstbewusstes jüdisches Leben wieder aufbauen und gestalten."

Wenige Ur-Frankfurter und Rückkehrer

Von den etwa 30.000 Jüdinnen und Juden in Frankfurt wurden in der NS-Zeit Korn zufolge 11.908 deportiert und ermordet, Tausende mussten fliehen. "Unter welchen Umständen diese vom nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen gezeichneten Menschen diesen Neustart vor 75 Jahren wagten, ist für uns kaum vorstellbar."

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (l, SPD) sitzt neben Salomon Korn, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt beim Festakt anlässlich des 75. Jahrestages der Wiederbegründung der Jüdischen Gemeinde Frankfurt / © Boris Roessler (dpa)
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (l, SPD) sitzt neben Salomon Korn, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt beim Festakt anlässlich des 75. Jahrestages der Wiederbegründung der Jüdischen Gemeinde Frankfurt / © Boris Roessler ( dpa )

Unter ihnen seien "Displaced Persons" aus Osteuropa und wenige Ur-Frankfurter und Rückkehrer gewesen. Im Vordergrund habe ein Zusammengehörigkeitsbedürfnis angesichts des gemeinsamen Schicksals gestanden, betonte Korn, der 1943 in Lublin zur Welt kam. Als Dreijähriger kam er mit seinen Eltern in ein Lager für "Displaced Persons" nach Frankfurt.

Neues Selbstbewusstsein und Stimme

Zu den "Meilensteinen" der Gemeinde gehöre die Wiederbegründung einer jüdischen Schule 1966. Außerdem nannte Korn die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion seit den 1990er Jahren. Er hob auch das heutige Engagement für Geflüchtete aus der Ukraine hervor.

Ignatz Bubis / © KNA (KNA)
Ignatz Bubis / © KNA ( KNA )

Korn würdigte das Wirken von Ignatz Bubis, dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden sowie späteren Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er habe für die Gemeinde Stabilität geschaffen und dem Judentum in Deutschland zu einem neuen Selbstbewusstsein und einer Stimme verholfen.

Immer Sicherheitsvorkehrungen nötig

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt sei von unterschiedlichen Richtungen des Judentums geprägt und vielfältig. Dass mehrere Strömungen unter einem Dach vertreten seien, sei bundesweit einzigartig, betonte Korn. Im deutschlandweiten Vergleich habe die Gemeinde außerdem den größten Anteil junger Menschen.

Korn betonte zugleich, dass noch immer Sicherheitsvorkehrungen unerlässlich seien. Er prangerte zudem Antisemitismus, Hetze und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit an. Gemeinsam müssten Politik, Religionsgemeinschaften und die Zivilgesellschaft dem entgegentreten.

Juden in Deutschland

Jüdisches Leben auf dem Gebiet der Bundesrepublik gibt es seit mehr als 1.700 Jahren. Der älteste schriftliche Nachweis stammt aus dem Jahr 321 aus Köln. Vor der nationalsozialistischen Machtergreifung lebten 1933 auf dem Gebiet des Deutschen Reiches rund 570.000 Juden. In der Folge des Holocaust wurden etwa 180.000 von ihnen ermordet, sehr viele flohen. 1950 gab es nur noch etwa 15.000 Juden in Deutschland. Eine Zukunft jüdischen Lebens im Land der Täter schien unwahrscheinlich und war innerjüdisch umstritten.

Ein jüdischer Mann mit einer Kippa / © Nelson Antoine (shutterstock)
Ein jüdischer Mann mit einer Kippa / © Nelson Antoine ( shutterstock )
Quelle:
KNA