Journalistin rät zu Moratorium für Rede von gemeinsamen Abendmahl

"Der Cliffhanger verschleißt sonst"

Es wird viel über die Möglichkeit eines gemeinsamen Abendmahls von Katholiken und Protestanten gesprochen. Zu viel, meint die Journalistin Christiane Florin. Sie schlägt vor, darüber zu schweigen bis "die Einladungen verschickt werden".

Altar mit Brot und Wein / © Harald Oppitz (KNA)
Altar mit Brot und Wein / © Harald Oppitz ( KNA )

"Mein journalistischer Impuls ist: So lange kein Termin feststeht, einfach eine öffentliche Abendmahls-Ankündigungs-Fasten-Aktion einlegen", sagte die Journalistin Christiane Florin vor der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Montag in Bonn. Man sollte erst wieder darüber reden, wenn die Einladung verschickt werde. "Ansonsten verschleißt sich der Cliffhanger Abendmahl genauso wie die dramatische Schlussmusik bei der 1648. Folge der Lindenstraße."

Scheinriesentum und Selbstverzwergung

Im Reformationsgedenkjahr 2017 gab es aus Sicht der Journalistin zu oft eine "Ökumene der Belanglosigkeit, eine Mischung aus Scheinriesentum und Selbstverzwergung". "Toleranz, miteinander reden, irgendwas gegen die AfD und für das Grundgesetz - das passt immer", sagte Florin. "Das ist so anschlussfähig wie ein Playmobil-Luther, der mit ein paar Kunstgriffen in einen Astronauten, einen Lokführer oder eine Krankenschwester verwandelt werden kann."

Verzweifelter Gute-Laune-Ton

Derzeit würden Bischöfe kritische Fragen ihrer eigenen Basis "als Kulturpessimismus weglächeln". "Ein verzweifelter Gute-Laune-Ton macht sich breit", sagte Florin, die für den Deutschlandfunk tätig ist. Bisher lasse sich über vieles noch leicht hinwegsehen: Die Kirchen hätten Geld, die Spitzenpolitiker seien da, die öffentlich-rechtlichen Sender berichteten. "Die Reste der Volkskirche tun sich mit den Resten der Volksparteien zusammen", das gebe immer noch einiges her.

Quelle:
KNA
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