Jesuitengeneral Nicolas geht aus Altersgründen - Neuwahl in Rom

Nicht mehr bis zum Tod

"Schwarzer Papst" wird der Jesuiten-General genannt - in Anspielung auf den "weißen Papst". Derzeit sind gar alle beide Jesuiten. Doch die Zeit, dass "Schwarzer" wie "Weißer" lebenslang amtierten, scheint dem Ende zuzugehen.

Papst Franziskus umarmt Jesuitengeneral Adolfo Nicolas / © Osservatore Romano (KNA)
Papst Franziskus umarmt Jesuitengeneral Adolfo Nicolas / © Osservatore Romano ( KNA )

Es war ein Paukenschlag, als im Mai 2014 der Ordensgeneral der Jesuiten, Adolfo Nicolas, für 2016 seinen Amtsverzicht ankündigte. Mit Blick auf seine Kräfte wolle er die Leitung des größten Männerordens der katholischen Kirche in jüngere Hände geben, hieß es damals in einem Brief aus Rom an die rund 16.400 Jesuiten weltweit.

Beim Generalkapitel seines Ordens, das ab 2. Oktober in Rom tagt, gibt der 80-jährige Spanier Nicolas, 29. Nachfolger des Gründers Ignatius von Loyola (1491-1556), den Stab weiter. Eigentlich aber amtierten die Generaloberen der Jesuiten, wegen ihrer einstigen Machtfülle und mit Blick auf die Ordenstracht auch "schwarzer Papst" genannt, seit fast 500 Jahren auf Lebenszeit. Nicolas' Amtsverzicht ist nun schon der dritte Bruch mit dieser Regel in Folge.

Mit dem Niederländer Peter Hans Kolvenbach (1983-2008) trat erstmals ein Jesuitengeneral freiwillig vorzeitig von der Ordensleitung zurück. Den Traditionsbruch leitete freilich ein anderer ein: Nach einem Schlaganfall von General Pedro Arrupe (1965-1981) setzte - auf dem Höhepunkt einer Krise des Ordens - Papst Johannes Paul II. zwei Stellvertreter seines Vertrauens für den gewählten Amtsinhaber ein. Ein spektakulärer Eingriff des Papstes in die Eigenständigkeit des Ordens, der damals durchaus Kritik stieß hervorrief. Später soll der Papst im Gespräch, also inoffiziell, eingeräumt haben, falsch über den Zustand des Ordens informiert gewesen zu sein.

Entwicklungen im Vatikan

Mithin sind es zwei Päpste der jüngsten Vergangenheit, die die Leitung der "Gesellschaft Jesu" zu einem historischen Wandel inspirierten: der Steuermann der Weltgeschichte Johannes Paul II. (1978-2005) und der deutsche Benedikt XVI. (2005-2013) - der den Mut hatte, erstmals seit dem Mittelalter die Karte eines päpstlichen Amtsverzichts qua Alter zu ziehen.

Damit wurden 2013 offenbar gleich zwei neue Entwicklungen losgetreten. Erstens: Auf Benedikt XVI. folgte Franziskus, eine Sensation als erster Jesuit auf dem Papstthron; Vertreter einer Gemeinschaft, der qua Ordensregel eingeschärft ist, niemals nach kirchlichen Ämtern zu streben. Und zweitens: Wer qua Tradition lebenslänglich hat, muss nicht mehr zwangsläufig auch lebenslänglich bleiben.

Der "schwarze Papst" Nicolas folgt darin dem "weißen Papst" Benedikt XVI.: Wer glaubhaft angeben kann, seine Kräfte reichten nicht mehr aus, der darf ehrenhaft das Zepter weitergeben. Die polnische Lesart der Schule Johannes Pauls II. lautete vor wenigen Leidensjahren noch: Vom Kreuz steigt man nicht herab. Der Kreis zwischen Päpsten und Jesuiten schließt sich, liest man den Brief des nun bald scheidenden Generals Nicolas von 2014 weiter.

Großes Vertrauensverhältnis zwischen Franziskus und Nicolas

Papst Franziskus - selbst Jesuit - trage seine Entscheidung zum Amtsverzicht mit, heißt es darin; zumindest habe er die Idee mit ihm und mit vielen Jesuiten-Provinzialen weltweit diskutiert. Zuletzt gab Nicolas zu Protokoll, Franziskus habe ihm abgeraten, einen Amtsverzicht offiziell als Möglichkeit zu verankern. Die Ordensregel gebe schon jetzt genügend Spielraum dafür.

Und was bedeutet das für den amtierenden Papst selbst? Mit fast 80 Jahren ist Franziskus gerade mal knapp acht Monate jünger als der scheidende Ordensobere. Könnte also auch der gesundheitlich anfällige Franziskus, sich berufend auf seinen päpstlichen Vorgänger Benedikt XVI. (89) wie auch auf seinen eigenen Ordensgeneral, in absehbarer Zeit sagen: Es ist genug gewesen?

Die historische Bürde für ein solches mögliches Votum gebührt freilich nicht Benedikt XVI. allein, sondern fiele seinerseits wieder auf den Jesuitenorden zurück. General Peter Hans Kolvenbach (87), der sich 2008 im Alter von 79 Jahren zurückzog, sagte damals: "Die Gesellschaft Jesu hat das Recht, von einem Jesuiten regiert und inspiriert zu werden, der in vollem Besitz seiner körperlichen und geistlichen Talente ist - und nicht von einem Ordensbruder, dessen Energie vom Alter zerrieben wird." Ähnlich schrieb es 2014 Nicolas.

Spitz formuliert, legt die Perspektive des Kirchenhistorikers nahe: Der Papst und der Jesuitengeneral näherten sich im frühen 21. Jahrhundert ähnlich den Kardinälen einer 80-Jahre-Grenze für ihre Leitungsfunktionen an.

Autor/in:
Alexander Brüggemann
Quelle:
KNA
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