Hochschulinstitut zum Kampf gegen Missbrauch offiziell eröffnet

Jesuit Zollner übernimmt die Leitung

Das führende Forschungsinstitut der katholischen Kirche zu sexuellem Missbrauch an Minderjährigen wird ausgebaut. Als Nachfolger des bisherigen Kinderschutzzentrums wurde nun in Rom ein neues Institut für "Safeguarding" eröffnet.

Hans Zollner / © Francesco Pistilli (KNA)
Hans Zollner / © Francesco Pistilli ( KNA )

"Safeguarding" bedeutet in diesem Zusammenhang Vorbeugung und Schutz vor Missbrauch. Das "Institute for Anthropology. Interdisciplinary Studies on Human Dignity and Care" (IADC), so der offizielle Titel, befasst sich auch mit anderen Formen von Missbrauch bei Minderjährigen sowie volljährigen abhängigen Personen.

Vorbeugen und intervenieren

"Wir werden Missbrauch zwar nicht ganz aus der Welt schaffen können", so Institutsleiter Hans Zollner. "Sehr wohl aber können wir konkrete Maßnahmen ergreifen, um vorzubeugen und bei Fällen von Missbrauch zu intervenieren." Insgesamt gehe es darum, in Einrichtungen ein Umfeld zu schaffen, in dem menschliche Würde besser geschützt werde. Auf jeden Fall gebe es "keine Entschuldigung mehr, Betroffenen nicht zuzuhören".

Juan Carlos Cruz, einer der weltweiten Sprecher für Missbrauchs-Betroffene, bescheinigte in einer Videobotschaft der Einrichtung sehenswerte "Erfolge seiner Arbeit". Es sei unbedingt notwendig, die Erfahrungen von Betroffenen zu verstehen, betonte Cruz.

Italiens Hochschulministerin Cristina Messa lobte den interdisziplinären Ansatz des IADC. Darüber hinaus gelte es, öffentliches Bewusstsein für das Problem diverser Formen von Missbrauch zu stärken; betroffene Institutionen sollten stärker zusammenarbeiten. Kardinal Giuseppe Versaldi von der vatikanischen Bildungskongregation forderte zudem eine global stärker vernetzte ganzheitliche Forschung und Bildung.

Großes Interesse an Online-Kursen

Jörg Fegert, Kinder- und Jugendpsychiater der Universität Ulm und wie Zollner einer der Gründer des Kinderschutzzentrums, berichtete von großem Interesse an Online-Kursen seiner Hochschule zu Safeguarding während der Pandemie. Dieses "völlig unerwartete" Interesse solle das IADC unbedingt nutzen, so Fegert.

Anlass für den Ausbau des Kinderschutzzentrums zum IADC waren unter anderem die Lehren aus der #MeToo-Bewegung sowie Berichte über Ordensfrauen und Seminaristen, die von Vorgesetzten missbraucht wurden, erklärte Zollner der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vor kurzem. Zudem sei die Einsicht in systemische und strukturelle Probleme der Kirche, die Missbrauch erlauben, gewachsen. Dies wurde besonders deutlich auf dem Anti-Missbrauchsgipfel, den Papst Franziskus Anfang 2019 nach Rom einberufen hatte.

Ordentliches Hochschulinstitut

Als ordentliches Hochschulinstitut der Päpstlichen Universität Gregoriana kann das IADC nun auch den akademischen Doktorgrad anbieten und weitere Dozenten einstellen. Der Lehrkörper soll nach Aussage Zollners so international wie möglich sein, um kulturelle Unterschiede abzubilden.

Die Fortbildungsprogramme zum Erwerb eines Diploms und Lizenziats in Safeguarding sowie eines Doktorats in Anthropologie werden auf Englisch und Spanisch angeboten. Bisher haben 140 Absolventen verschiedenster Länder Studien am bisherigen CCP absolviert. Mit Beginn des Wintersemesters startete der inzwischen siebte Diplomstudiengang mit 22 Teilnehmern aus 15 Ländern.

Die Absolventen sind in Diözesen, Orden, Schulen oder auch staatlichen Behörden oft unmittelbar für Kinder- und Jugendarbeit zuständig. Andere schulen ihrerseits Mitarbeiter zu Prävention und Intervention bei Missbrauch. Insgesamt haben an den mit internationalen Partnern gemeinsam konzipierten Onlineangeboten sowie Schulungen vor Ort bis heute über 4.000 Studenten teilgenommen.

Autor/in:
Roland Juchem
Quelle:
KNA
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