DOMRADIO.DE: Sie sind Schwabe und haben Ihre Heimatregion für Ihr jüngstes Buch "Heilig´s Schwabenländle - Käpsele, Heilige und Klösterle" nach Heiligen und heiligen Orten durchkämmt. Was ist die Idee hinter Ihrem Buch und was wollen Sie den Menschen zeigen?
Jesuitenpater Eberhard von Gemmingen (Theologe und Autor): Ich lebe in München und stelle fest, dass die Bayern wahnsinnig stolz auf ihr Land sind und vermuten, dass außerhalb Bayerns eigentlich nichts schön ist. Da wollte ich zeigen, dass es nebenan im Schwabenland mit sehr vielen herausragenden Persönlichkeiten und schönen geistlichen Orten wunderbar ist.
DOMRADIO.DE: Wie sind Sie im Schreibprozess vorgegangen? Wie haben Sie recherchiert?
von Gemmingen: Im Laufe der Zeit bin ich einfach losgewandert, habe im Internet recherchiert und mich immer wieder gewundert, wenn ich neue Leute entdeckt habe. Ich wusste am Anfang gar nicht, was alles rauskommt. Ich habe mich gewundert, wie viele interessante Persönlichkeiten ich entdeckt habe. Und wie viele schöne geistliche Orte, Klöster und Kirchen es gibt.
DOMRADIO.DE: Gab es irgendetwas, was Sie überrascht hat?
von Gemmingen: Zum Beispiel, dass der berühmte Bischof Wolfgang von Regensburg aus dem Schwabenland kommt oder auch die Familie Weizsäcker sowie der berühmte Hitler-Attentäter Stauffenberg. Außer denen gibt es weitere berühmte Leute, bei denen die meisten Menschen nicht wüssten, dass sie aus dem Schwabenland kommen.
DOMRADIO.DE: Sie haben ja ganz viele Orte ausgewählt. Welcher ist für Sie persönlich besonders wichtig?
von Gemmingen: Ich habe eine Weile nachdenken müssen. Ich fand, dass die Schönenberg-Wallfahrtskirche bei Ellwangen vielleicht das Herausragendste ist. Es gab dann auch noch das alte, berühmte Klöster Hirsau und andere, aber mir scheint, dieser Schönenberg ist besonders wichtig.
DOMRADIO.DE: Und welche schwäbische Person ist Ihnen besonders ans Herz gewachsen?
von Gemmingen: Zwei Personen muss ich nennen: Einerseits den berühmten Pater Rupert Mayer, der in München gegen Hitler gepredigt hat und dann ins KZ nach Sachsenhausen kam. Hitler konnte ihn nicht umbringen, weil er in München so beliebt war. Denn hätte Hitler den Pater umbringen lassen, dann wäre halb München gegen Hitler aufgestanden.
Das ist der eine. Und der andere ist der Pater Notker Wolf, der erst vor zwei Jahren gestorben ist. Er war ein großer Seelsorger, aber auch ein Wohltäter. Er hat, glaube ich, in der Volksrepublik China ein christliches Krankenhaus bauen lassen. Er hat rund um den Globus Wohltaten getan, weil er an der Spitze der Benediktiner stand.
DOMRADIO.DE: Was ist Ihr Fazit? Wie heilig ist das Schwabenländle?
von Gemmingen: Es ist so heilig und unheilig wie die anderen Länder auch. Wir sind sparsam, wir sind fleißig, wir arbeiten wie verrückt. Deswegen geht es sehr vielen Schwaben auch wirtschaftlich gut. Aber man muss halt "schaffen".
Und wir arbeiten nicht, sondern wir "schaffen". Wir sind vielleicht ein bisschen geizig, aber wir reisen auch ganz gerne um die ganze Welt. Ich würde aber vorschlagen, dass man mal durch das Schwabenland reisen sollte.
Das Interview führte Hilde Regeniter.