Jerusalemer Kirchenführer bestätigen Einigung mit Polizei

Nach Eklat an Palmsonntag

Nach dem Eklat am Palmsonntag an der Grabeskirche geht die Debatte um die Sperrung von heiligen Stätten in Israel weiter. Indes haben sich Israels Polizei und die katholischen Kirchenführer über die Kar- und Osterfeiern geeinigt.

Blick auf die Grabeskirche mit Baugerüsten, am 10. April 2024 in Jerusalem / © Johannes Schidelko (KNA)
Blick auf die Grabeskirche mit Baugerüsten, am 10. April 2024 in Jerusalem / © Johannes Schidelko ( KNA )

Kirchenvertreter dürfen zu den Kar- und Osterfeiern die Jerusalemer Grabeskirche betreten. Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem und die Franziskaner im Heiligen Land bestätigten am Montag eine Einigung mit der israelischen Polizei. Man habe nun eine klare Regelung für die Feiern der Karwoche und Ostern in dem Gotteshaus getroffen.

Die kriegsbedingt bestehenden Beschränkungen für öffentliche Versammlungen blieben vorerst bestehen, teilten Patriarch Pierbattista Pizzaballa und Franziskaner-Kustos Francesco Ielpo mit. Entsprechend sorgten die Kirchen dafür, dass die Liturgien und Gebete live in alle Welt übertragen werden.

Dank an Israels Präsident

Die beiden ranghöchsten katholischen Kirchenvertreter im Heiligen Land dankten dem israelischen Präsidenten Isaac Herzog für sein rasches Eingreifen, nachdem am Sonntag israelische Polizisten Pizzaballa und Ielpo am Betreten der Grabeskirche zur Feier von Palmsonntag gehindert hatten. Der Vorfall hatte weltweit für Kritik gesorgt. Auch Präsident Herzog selbst begrüßte am Montag die Einigung.

Isaac Herzog gibt Pressestatement / © Andrea Krogmann (KNA)
Isaac Herzog gibt Pressestatement / © Andrea Krogmann ( KNA )

"Gerade in Zeiten von Not und Konflikt, wie wir sie derzeit erleben, bleibt die Wahrung der Religionsfreiheit eine grundlegende und gemeinsame Pflicht", so die beiden italienischen Ordensleute. Sie äußerten die Hoffnung, dass es gelingen werde, weitere Einigungen zu treffen, die eine Feier an den Heiligen Stätten in einer Weise ermögliche, "die sowohl legitime Sicherheitsbedürfnisse als auch die religiösen Bräuche und Gebete respektiert, die für Hunderte Millionen von Gläubigen von tiefer Bedeutung sind".

Israels Botschafter rechtfertigt Sperrung der Grabeskirche

Zuvor hatte Jonathan Peled, Botschafter Israels in Italien, die Sperrung der Grabeskirche in Jerusalem durch die israelische Polizei verteidigt. Der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" sagte Peled, der am Betreten der Grabeskirche gehinderte Kardinal Pierbattista Pizzaballa sei aus Sicht Israels keine gefährliche, sondern eine gefährdete Person. "Wenn er von einer Rakete getroffen worden wäre, hätte man uns zur Verantwortung gezogen und gefragt, warum wir ihn nicht ausreichend geschützt hätten", so der Diplomat.

"Der Patriarch war informiert, dass er nicht zum Heiligen Grab gehen konnte, weil die Sicherheit nicht gewährleistet war, aber er hat sich entschieden, das zu ignorieren." Peled kündigte an, dass auch Israels Botschaft beim Heiligen Stuhl in Gesprächen mit vatikanischen Stellen die Umstände erklären werde. Er erinnerte daran, dass wegen des Raketenbeschusses auch wichtige heilige Stätten für Juden und Muslime gesperrt seien.

Kardinal Pierbattista Pizzaballa / © Debbie Hill/OSV news (KNA)
Kardinal Pierbattista Pizzaballa / © Debbie Hill/OSV news ( KNA )

Mildere Töne auch von Pizzaballa

Unterdessen gab auch Kardinal Pizzaballa neue Erklärungen ab. Er sprach im italienischen katholischen Fernsehsender TV2000 von Missverständnissen und bedauerte das Geschehen von Palmsonntag. Er betonte, dass es keine gewaltsamen Auseinandersetzungen gegeben habe. "Alles lief sehr zivilisiert ab", so der aus Italien stammende Kardinal.

Nachdem Pizzaballa am Palmsonntag von Israels Polizei am Betreten der Grabeskirche gehindert worden war, protestierte unter anderem die italienische Regierung scharf. Außenminister Antonio Tajani hatte Peled wegen der Vorgänge an der Grabeskirche ins italienische Außenministerium einbestellt.

Grabeskirche in Jerusalem

Grabeskirche in Jerusalem (epd)
Grabeskirche in Jerusalem / ( epd )

Die Grabeskirche  im christlichen Viertel in der Jerusalemer Altstadt wurde ursprünglich 325 nach Christus unter Helena, der Mutter des römischen Kaisers Konstantin, erbaut. Sie soll sich der Überlieferung nach an der Stelle befinden, wo Christus nach seinem Tod am Kreuz beerdigt wurde und wieder auferstand. 

Quelle:
KNA