Irakischer Patriarch Sako tritt mit 77 Jahren zurück

Nun im Ruhestand

Als Patriarch von Bagdad war Kardinal Louis Raphaël Sako eine der wichtigsten christlichen Stimmen im Nahen Osten. Nun tritt er ab. Der Papst nahm den Rücktritt des 77-Jährigen an diesem Dienstag an, wie der Vatikan mitteilte.

Kardinal Louis Raphael I Sako / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Louis Raphael I Sako / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Der Iraker leitete seit 2013 als Patriarch die chaldäisch-katholische Kirche, eine mit Rom verbundene Ostkirche, die weit zurück in die Anfänge des Christentums reicht. Sie hat rund eine halbe Million Mitglieder.

Ihr Zentrum liegt im heutigen Irak, der Sitz des "Patriarchen von Babylon" ist die Hauptstadt Bagdad. Seine Hauptaufgabe ist es, das Überleben der christlichen Minderheit in dem Land zu sichern.

Kardinalsernennung durch Papst Franziskus

Seit 1986 wirkte Sako in Mossul als Gemeindepfarrer, leitete seit 1997 das Priesterseminar in Bagdad, bis er 2002 zum Erzbischof von Kirkuk gewählt wurde. 2018 erhob ihn Papst Franziskus zum Kardinal, gleich in den höchsten Rang eines Kardinalbischofs, wie es für die Patriarchen der mit Rom verbundenen Ostkirchen üblich ist. Seit 2022 ist Sako Mitglied des vatikanischen Wirtschaftsrates.

Kein Rücktritt aus Altersgründen?

Wie Medien berichten, könnte der Rücktritt von Louis Raphael Sako als Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche im Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen um Bischof Emanuel Shaleta, den bisherigen Leiter der Eparchie St. Peter der Apostel, stehen. 

Hier stehen strafrechtliche Ermittlungen gegen Shaleta in den Vereinigten Staaten im Raum. Der Bischof wurde in Kalifornien festgenommen und sieht sich Anklagen wegen Geldwäsche und Veruntreuung gegenüber. Nach seiner Festnahme plädierte er zunächst auf "nicht schuldig". Die Vorwürfe beziehen sich unter anderem auf angeblich fehlende Gelder aus kirchlichen Konten seiner Diözese sowie auf den Versuch, diese durch Zahlungen aus einem Wohltätigkeitskonto der Eparchie auszugleichen. Bereits zuvor hatte eine vom Vatikan angeordnete Untersuchung mögliche finanzielle Unregelmäßigkeiten geprüft.

Die Situation sorgte auch innerhalb der chaldäischen Kirche für Spannungen. Berichten zufolge hatte Sako noch vor der Eskalation der Ereignisse versucht, eine Versetzung Shaletas in eine administrative Position im Patriarchat in Bagdad zu prüfen, obwohl bereits Beschwerden und Untersuchungen zu den Vorwürfen gegen den Bischof liefen. Diese Überlegung wurde innerhalb der Kirche teilweise kritisch gesehen, da einige Kirchenvertreter der Ansicht waren, dass zunächst die Ergebnisse der Untersuchungen abgewartet werden sollten.

Persönliche Stellungnahme

In einer persönlichen Stellungnahme, die auf der Website des Patriarchats veröffentlicht wurde, erklärte Sako, dass er in voller Freiheit seinen Rücktritt eingereicht habe, um sich "in Stille dem Gebet, dem Schreiben und einfachen Diensten widmen zu können". Schon vor zwei Jahren, als er 75 wurde, habe er über einen etwaigen Amtsverzicht nachgedacht und dies auch mit Papst Franziskus besprochen. Dieser habe ihn jedoch zum Bleiben ermutigt.

Christen im Irak

Der Irak zählt zu den ältesten Siedlungsgebieten des Christentums. Dessen Ursprünge im Zweistromland werden bis auf den heiligen Apostel Thomas zurückgeführt. Im irakischen Kernland, dem früheren Mesopotamien, stellten Christen vor der islamischen Eroberung im 7. Jahrhundert die Bevölkerungsmehrheit. Ihr Anteil nahm danach immer weiter ab.

Papst Franziskus zu Besuch im Irak / © Ameer Al Mohammedaw (dpa)
Papst Franziskus zu Besuch im Irak / © Ameer Al Mohammedaw ( dpa )
Quelle:
DR , KNA

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