Interesse an NS-Gedenkstätten bleibt gleichbleibend hoch

Besonders hohes Interesse in NRW

Gedenkstätten, die an die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland gedenken, haben im vergangenen Jahr überwiegend steigende oder konstante Besuchszahlen verzeichnet. Zeitgleich nahmen antisemitische Vorfälle zu.

KZ-Gedenkstätte Dachau / © Julia Steinbrecht (KNA)
KZ-Gedenkstätte Dachau / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Die Gedenkstätten berichten von einer Zunahme antisemitischer, geschichtsrevisionistischer und politisch motivierter Vorfälle, etwa in Form von Schmierereien oder entsprechenden Kommentaren in Gästebüchern. Das hat eine Umfrage des Evangelischen Pressediensts (epd) ergeben.

Großes Interesse in NRW

In Nordrhein-Westfalen blieb das Interesse an den Einrichtungen hoch. Das NS-Dokumentationszentrum in Köln mit Museum und Forschungsabteilung am Ort der ehemaligen Gestapo-Dienststelle mit erhaltenen Gefängniszellen zählte 95.539 Besucherinnen und Besucher, ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Forum Vogelsang IP, eine frühere NS-Ordensburg im Nationalpark Eifel, verzeichnete 229.000 Besucherinnen und Besucher, 1,7 Prozent mehr als 2024. Auch die Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte meldete steigenden Zuspruch.

NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln / © NS-DOK (NS-Dok)
NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln / © NS-DOK ( NS-Dok )

Die KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte in Porta Westfalica bei Minden, ein Altbergbau- und Stollensystem aus den letzten Kriegsjahren, legte bei der Besucherzahl um elf Prozent auf über 8.000 Gäste zu. Einen leichten Rückgang gab es hingegen im Geschichtsort Villa ten Hompel in Münster. Nach Angaben von Leiter Stefan Querl ist dies auf ein Doppeljubiläum im Vorjahr zurückzuführen.

KZ-Gedenkstätte Neuengamme / © Christian Charisius (dpa)
KZ-Gedenkstätte Neuengamme / © Christian Charisius ( dpa )

Die KZ-Gedenkstätte Dachau verzeichnete im vergangenen Jahr gut eine Million Besuche, nachdem es 2024 noch mehr als 900.000 gewesen waren. In Brandenburg blieben die Besucherzahlen der Gedenkstätte Sachsenhausen mit rund 500.000 stabil, während Ravensbrück mit 74.000 Besuchen ein Plus von 1,4 Prozent meldete. Die Hamburger KZ-Gedenkstätte Neuengamme verzeichnete einen Zuwachs von knapp 3,5 Prozent auf 113.800 Besuche. Konstant blieben die Zahlen in den Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora mit rund 350.000 beziehungsweise 50.000 Besucherinnen und Besuchern. Auch die ehemalige Tötungsanstalt Hadamar in Hessen meldete mit 23.000 eine gleichbleibende Besucherzahl.

Topographie des Terrors hatte weniger Besucher

Rückläufige Zahlen gab es hingegen in Berlin. Das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors zählte rund 1,575 Millionen Besuche und damit etwa drei Prozent weniger als im Vorjahr. Auch die Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand meldete 2025 sinkende Besucherzahlen. In die vier Einrichtungen kamen 191.052 Menschen, nachdem es im Jahr zuvor noch 211.912 gewesen waren.

Kranzniederlegung auf dem Gelände "Topographie des Terrors" in Berlin / © Christoph Soeder (dpa)
Kranzniederlegung auf dem Gelände "Topographie des Terrors" in Berlin / © Christoph Soeder ( dpa )

Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas registrierte im "Ort der Information" unter dem Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals 309.800 Besucherinnen und Besucher, leicht weniger als im Vorjahr.

Zunahme von antisemitischen Vorfällen

Parallel zu dem anhaltend hohen Interesse berichten viele Gedenkstätten von einer Zunahme antisemitischer und israelfeindlicher Vorfälle. Vor allem die großen Gedenkstätten waren nach eigenen Aussagen damit konfrontiert. Das NS-Dokumentationszentrum in Köln zählte im Jahr 2025 insgesamt 32 Vorfälle, überwiegend antisemitische oder geschichtsrevisionistische Einträge in Gästebüchern. Auch im Geschichtsort Villa ten Hompel seien Schmierereien im Gästebuch an der Tagesordnung, berichtete Leiter Stefan Querl.

Blick auf die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Blick auf die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

In den Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora nahm die Zahl politisch motivierter Vorfälle ebenfalls deutlich zu. Während bis etwa 2020 im Durchschnitt alle vier Wochen ein Vorfall angezeigt werden musste, sei inzwischen nahezu wöchentlich eine Anzeige erforderlich, teilte ein Sprecher der Stiftung mit. Auch die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg beobachtet nach eigenen Angaben eine Zunahme von Gästebucheinträgen, die sich im Grenzbereich zwischen antisemitischen und israelfeindlichen Inhalten bewegen.

Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück berichtete zudem von "deutlichen atmosphärischen Veränderungen" bei Gruppenbesuchen. Jugendliche mit rechten Orientierungen zeigten zunehmend offen, dass sie den Besuch einer Gedenkstätte als Zumutung empfänden. Trotz dieser Entwicklungen leisten die Einrichtungen weiterhin eine zentrale Bildungsarbeit und bleiben wichtige Orte der historischen Aufklärung und der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.
 

Quelle:
DR , epd

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