Katholische Bischöfe würdigen Wirken des Zentralrats der Juden

"Intellektuelle und spirituelle Vitalität"

Die katholischen Bischöfe haben das Engagement des Zentralrats der Juden in Deutschland in politischen und kulturellen Debatten gewürdigt. Anlass ist das 70-jährige Bestehen des Zentralrats an diesem Sonntag.

Josef Schuster (l.), Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Franz Jung, Bischof von Würzburg / © Harald Oppitz (KNA)
Josef Schuster (l.), Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Franz Jung, Bischof von Würzburg / © Harald Oppitz ( KNA )

"Die jüdischen Stimmen, die die öffentliche Aufmerksamkeit auf rechtsextremistische und antisemitische Gruppen und Strömungen lenkten, haben einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung einer demokratischen Kultur in diesem Land", schreibt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, in einem Brief an Zentralratspräsident Josef Schuster. Anlass ist das 70-jährige Bestehen des Zentralrats an diesem Sonntag. Er hatte sich am 19. Juli 1950 in Frankfurt am Main gegründet.

Zu diesem Anteil gehöre nicht zuletzt auch eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Ermordung der europäischen Juden, die der Zentralrat immer wieder durch eigene Stellungnahmen begleitet habe, betont Bätzing. Der 70. Geburtstag des Zentralrats werde von einer Zunahme antisemitischer Übergriffe überschattet: "Angriffe auf Juden sind Angriffe auf unsere Demokratie und unser Zusammenleben." Bätzing versicherte, dass die katholische Kirche im Kampf gegen Antisemitismus weiterhin an der Seite des Zentralrats stehen werde.

Wandlung des christlich-jüdischen Verhältnisses

Von Anfang an habe der Zentralrat vor der Herausforderung gestanden, wegen unterschiedlicher Herkünfte und Erfahrungen, der kulturellen und religiösen Prägungen die Einheit der jüdischen Gemeinschaft zu stärken. "Dazu zählte auch die Integration verschiedener religiöser Strömungen in der jüdischen Gemeinschaft." Die Neugründung von Gemeinden, Synagogenneubauten, die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, zwei Rabbinerseminare und vieles andere belegten die "intellektuelle und spirituelle Vitalität des Judentums in Deutschland", betonte der Bischof.

Bätzing erinnerte zudem an eine grundlegende Wandlung des christlich-jüdischen Verhältnisses in den zurückliegenden 70 Jahren. "Auch in Deutschland ist aus kleinen und mühsamen Anfängen eine Kultur des Dialogs zwischen Christen und Juden entstanden, an dessen Entwicklung der Zentralrat einen bedeutenden Anteil hat." Heute gebe es vielfältige und intensive Kontakte zwischen Bischöfen und Rabbinern, katholischen und jüdischen

Bischof Georg Bätzing in einem Gespräch / © Harald Oppitz (KNA)
Bischof Georg Bätzing in einem Gespräch / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA