Neuer Bischof von Mostar will Pfarrei Medjugorje gern besuchen

Insgesamt eine "offene Frage"

Auf den neuen Bischof von Mostar warten einige ungeklärte Fragen: Nicht nur die Marienerscheinungen in Medjugorje polarisieren, sondern auch das Wirken der Franziskaner in Herzegowina. Bischof Palic ist dennoch zuversichtlich.

Luftbild der Jakobskirche während der Messe in Medjugorje / © NikolaR (shutterstock)
Luftbild der Jakobskirche während der Messe in Medjugorje / © NikolaR ( shutterstock )

Mostars neuer Ortsbischof Petar Palic (48) sieht sich im guten Einvernehmen mit dem vom Papst ernannten Visitator für den bosnischen Wallfahrtsort Medjugorje, dem polnischen Erzbischof Henryk Hoser. Das versicherte Palic in einem ersten Interview mit dem kroatischen katholischen Radio HKR nach seiner am vergangenen Montag erfolgten offiziellen Amtseinführung.

Über seine Rechte als Ordinarius im Zusammenhang mit dem in seinem Bistum liegenden Medjugorje müsse er sich erst einen Überblick verschaffen, gab Palic an. Grundsätzlich betrachte er Medjugorje als Pfarrei auf dem kanonischen Gebiet seiner neuen Diözese, und als solche werde er sie gern besuchen.

Altbischof hat Zweifel

Palics Vorgänger als Bischof von Mostar-Duvno, Ratko Peric (76), ist ein erklärter Zweifler der Marienerscheinungen von Medjugorje, die 1981 begonnen haben sollen. Sechs Kinder berichteten damals, die Gottesmutter habe sich ihnen gezeigt, während sie Schafe hüteten. Die Erscheinungen dauern nach Angaben der inzwischen erwachsenen Seherinnen und Seher mit großer Häufigkeit weiter an.

Die endgültige Entscheidung über die Echtheit der Ereignisse von Medjugorje liegt beim Papst. Dieser hat bislang kein abschließendes Urteil gefällt. 2019 hob der Vatikan aber ein zuvor geltendes Verbot offizieller Pilgerfahrten von Pfarreien und Diözesen nach Medjugorje auf.

Konflikt zwischen Diözese und Franziskanern

Insgesamt sei Medjugorje eine "offene Frage", so Palic. Gleiches gilt aus Sicht des Bischofs von Mostar auch für den mehr als 100 Jahre alten Konflikt zwischen seiner neuen Diözese und der herzegowinischen Franziskanerprovinz um die Zuständigkeit für mehrere Pfarreien. Der Fall sei nach wie vor eine große Herausforderung, meinte Palic im HKR-Interview.

Bei der Feier seiner Amtseinführung habe der Provinzial der herzegowinischen Franziskaner aber eine Vergebungsbitte an seinen nun emeritierten Vorgänger auf dem Bischofsstuhl von Mostar gerichtet. Er verstehe dies als ehrlichen Versuch, zu einer Lösung zu kommen.

"Absurde Botschaften, Unaufrichtigkeiten, Lügen und Ungehorsam"

Zusätzliche Querelen hatte es über das Wirken der Franziskaner in Medjugorje gegeben. 2006 berichtete Peric Papst Benedikt XVI. (2005-2013) über "zahlreiche absurde Botschaften, Unaufrichtigkeiten, Lügen und Ungehorsam" seitens der Franziskaner von Medjugorje. Der Vatikan setzte eine Untersuchungskommission ein. 2008 verbot die Glaubenskongregation einem geistlichen Begleiter der Seher, dem Franziskaner Tomislav Vlasic, wegen "Vergehen gegen die kirchliche Disziplin", Gottesdienste zu feiern. 2009 verließ Vlasic den Orden.

Nach den Worten von Bischof Palic steht das kirchliche Leben durch die ungewöhnlichen Bedingungen in Bosnien-Herzegowina ständig vor großen Herausforderungen. Erster Auftrag der Kirche müsse die Verkündigung des Evangeliums sein, betonte Palic. Im Fall seiner neuen Diözese sei es unumgänglich die Katholiken der Herzegowina auch in ihrer kulturellen und damit kroatischen Nationalität zu stärken und zu unterstützen. Das bedeute für ihn auch konkretes Engagement für Frieden und Versöhnung in der Region.

Nur wer eine klare Identität habe, könne auch die Identität anderer achten und schätzen, hob der Bischof hervor. Er sei überzeugt, dass Verschiedenheit ein Wert sei, allerdings immer unter der Bedingung, dass jeder die Besonderheit des anderen achte und so alle Nationalitäten zusammen dem Gemeinwohl dienen.

Grenzübergreifende Doppelfunktion

Palic war bisher Bischof der kroatischen Diözese Hvar, die er auch nach der Amtsübernahme in Mostar vorerst übergangsweise als Apostolischer Administrator leiten wird. Auf die Doppelfunktion angesprochen, erläuterte Palic im Gespräch mit HKR, seine Wahrnehmung der Herzegowina. Es handle sich um ein überwiegend von Kroaten bewohntes Gebiet, das geschichtlich und kulturell allen politischen Tatsachen zum Trotz zu Kroatien gehöre. Seine grenzübergreifende vorübergehende Doppelfunktion betrachte er daher als wenig spektakulär.

Insgesamt sind rund die Hälfte der 3,8 Millionen Einwohner von Bosnien-Herzegowina muslimische Bosniaken, der Anteil der Serben wird auf 30 Prozent, derjenige der - zumeist katholischen - Kroaten auf 14,6 Prozent beziffert.

Quelle:
KNA