Indische Bischöfe fordern Aufhebung von religionsfeindlichen Gesetzen

Sorge über "wachsende Ungleichheit"

Indiens Bischöfe fordern die Aufhebung von Anti-Konversionsgesetzen. Diese stünden im Widerspruch zur Verfassung und führten zu unrechtmäßigen Haftstrafen. Die Kirche mahnt den Schutz der Religionsfreiheit dringend an.

Christen in Indien / © Zvonimir Atletic (shutterstock)

Die Bischöfe Indiens haben die Aufhebung von Gesetzen gefordert, die ihrer Ansicht nach der Religionsfreiheit widersprechen. Zum Abschluss ihrer Vollversammlung erklärte die Katholische Bischofskonferenz Indiens (CBCI), man verlange die Rücknahme von Bestimmungen, "die mit der Religionsfreiheit und dem Recht auf Privatsphäre unvereinbar sind". 

Anlass seien Fälle, in denen "unschuldige Personen aufgrund unbegründeter Vorwürfe erzwungener Bekehrungen inhaftiert" worden seien, hieß es in einem Bericht des vatikanischen Pressediensts AsiaNews (Dienstag).

Konkret bezieht sich die Kritik auf Anti-Konversionsgesetze in einigen indischen Bundesstaaten, sowie auf Regelungen, die Konvertiten administrative Hürden auferlegen oder soziale Nachteile auf sich ziehen. Unter Verweis auf Artikel 25 der indischen Verfassung betonten die Bischöfe: "Alle Menschen haben gleichermaßen Anspruch auf Gewissensfreiheit sowie das Recht, ihre Religion frei zu bekennen, auszuüben und zu verbreiten." Zugleich äußerten sie Sorge über "wachsende Ungleichheit, ökologische Zerstörung, Desinformation, Polarisierung und eine Verunsicherung hinsichtlich Identität und Zugehörigkeit".

Rechte für Christen

Die fortgesetzte Verweigerung staatlicher Rechte für Dalit-Christen bezeichneten sie als "indirekte Form der Diskriminierung".

Einschränkungen von Minderheitenrechten schwächten "das demokratische Gefüge unserer Gesellschaft". Die Regierung müsse gewährleisten, "dass keinem Bürger grundlegende Rechte auf Gleichheit und Freiheit vorenthalten werden".

Christen in Indien / © Zvonimir Atletic (shutterstock)

Gleichzeitig bekräftigten die Bischöfe ihr Vertrauen in die Verfassung und riefen Christen dazu auf, "ein reifes, hoffnungsvolles und glaubwürdiges öffentliches Zeugnis" abzulegen. Statt sich zurückzuziehen, sollten Gläubige "Hoffnung wecken und die Einheit fördern". Ein christliches Leben bedeute, gesetzestreue Bürger, Friedensstifter und Verteidiger der Menschenrechte zu sein.

Mit Blick auf junge Menschen, die mit Arbeitslosigkeit, Migration und sozialen Spannungen konfrontiert seien, ermutigten die Bischöfe zu stärkerem gesellschaftlichem Engagement sowie auch in der Politik, die "Berufung zum Dienst" sei. In einem Klima der Polarisierung wolle die Kirche weiter auf Dialog, Versöhnung und Solidarität mit Benachteiligten setzen.

Religionen in Indien

Indien ist der größte Staat Südasiens und flächenmäßig mehr als neunmal so groß wie Deutschland. In den 29 Bundesstaaten und sieben Territorien leben inzwischen mehr als 1,3 Milliarden Menschen, und die Bevölkerung wächst weiter stark. Fast 30 Prozent sind jünger als 15.

Weihnachten in Indien: Nationalfeiertag, auch wenn Christen in der Unterzahl sind / © Channi Anand (dpa)
Weihnachten in Indien: Nationalfeiertag, auch wenn Christen in der Unterzahl sind / © Channi Anand ( dpa )
Quelle:
KNA