Kardinal Anthony Poola (64) ist zum ersten Vorsitzenden der Indischen Bischofskonferenz (CBCI) aus der einst "unberührbaren" Kaste der Dalit gewählt worden. Die Allindische Katholische Union (AICU) gratulierte ihm am Samstag zu diesem historischen Akt von großer Symbolkraft. Seine Wahl sei ein Meilenstein und "ein starkes Zeichen dafür, dass Dalits ihren rechtmäßigen Platz in der Hierarchie der katholischen Kirche finden", erklärte AICU-Präsident Elias Vaz.
Poolas Wahl stehe auch "für den breiteren Kampf für soziale Gerechtigkeit und Gleichheit in unserer Gesellschaft", so Vaz weiter. "Dieser Durchbruch wird voraussichtlich den Weg für eine stärkere Repräsentation von Dalits als Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laienführer in der gesamten Kirche Indiens ebnen." - AICU ist die älteste katholische Laienorganisation Indiens.
"Mit Füßen getreten"
Der 1961 als Sohn einer katholischen Dalit-Familie geborene Poola, seit 2020 Erzbischof von Hyderabad, war in Bengaluru (früher Bangalore) bei der Vollversammlung der Bischofskonferenz zum Nachfolger von Erzbischof Andrews Thazhath (74) gewählt worden. Poola übernimmt die Leitung in einer Zeit großer sozialer, pastoraler und verfassungsrechtlicher Herausforderungen. 2022 hatte Papst Franziskus ihn - als ersten Dalit - in den Kardinalsstand erhoben.
Das Wort Dalit bedeutet im Sanskrit "mit Füßen getreten" und bezieht sich auf alle Gruppen, die einst als "Unberührbare" galten. Laut offiziellen Daten gehören rund ein Sechstel der 1,3 Milliarden Inder dieser sozial benachteiligten und diskriminierten Gruppe an. Etwa drei Viertel der indischen Katholiken sind Dalits. Die US-Kommission für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) forderte die US-Regierung am Freitag auf, "dringend" auf Indiens Führung einzuwirken, um die Verantwortlichen für gezielte Gewalt gegen religiöse Minderheiten zur Rechenschaft zu ziehen. In den vergangenen Monaten hätten gewalttätige Angriffe hindu-nationalistischer Gruppen auf Christen zugenommen.