Heiner Wilmer ist der erste Ordensmann an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz. Eine Premiere, die ein wenig an die historische Wahl von Papst Franziskus erinnert. Er war der erste Ordensmann auf dem Papstthron nach 167 Jahren und der allererste Jesuit in diesem Amt. Auf ihn folgte vor einem Jahr mit dem Augustiner Leo XIV. erneut ein Ordensmann. Sind sie die Führungskräfte einer moderneren katholischen Kirche?
Während durch die letzten beiden Päpste ein deutlicher Anstieg an Ordensmännern in diesem Amt zu verzeichnen ist, lässt sich ein derart positiver Trend bei den Bischöfen weltweit nicht feststellen. In der letzten Kirchenstatistik, die das Jahr 2023 behandelt, waren es neun Ordensbischöfe weniger auf dem amerikanischen Kontinent, zwei weniger in Europa und einer weniger in Afrika. In Asien wiederum stieg ihre Zahl um fünf Bischöfe.
Insgesamt stellten Ordensmänner 1.172 von 5.430 Bischöfen weltweit. Davon entfallen – ohne Leo XIV. – 22 auf den Augustinerorden. Franziskus' Jesuiten stellen 68 Bischöfe. In Deutschland sank die Zahl der Ordensbischöfe zuletzt mit dem Rücktritt des Benediktiners Gregor Maria Hanke in Eichstätt. Bleiben neben Heiner Wilmer noch Osnabrücks Bischof und Benediktiner Dominicus Meier sowie Passaus Bistumsleiter Stefan Oster von den Salesianern Don Boscos.
Einen spürbaren Anstieg von Ordensmännern hat es jedoch unter den Kardinälen gegeben. Stammte bei der Wahl von Papst Franziskus (2013-2025) noch jeder siebte Konklaveteilnehmer aus einer Ordensgemeinschaft, war es bei der Wahl seines Nachfolgers Leo XIV. jeder vierte. Insgesamt verdoppelte sich ihre Zahl von 17 auf 34 Ordensmänner im Konklave. Allerdings stieg auch die Teilnehmerzahl von 115 Kardinälen in 2013 auf 133 in 2025.
Ordensleute im Vatikan
Traditionell sowie aus finanziellen wie arbeitsrechtlichen Gründen, arbeiten im Vatikan viele Ordensleute - Frauen wie Männer. Erst Mitte Februar ernannte Leo XIV. die Ordensschwester Nina Benedikta Krapic zur Vizedirektorin der vatikanischen Pressestelle. Das Amt hatte zuvor die Laiin Cristiane Murray inne.
Doch an der Spitze der sechzehn Dikasterien sieht es insgesamt eher dünn aus, was die Besetzung mit Ordensleuten betrifft. Der Karmelit Filippo Iannone verantwortet die Bischofsbehörde, und die Ordensbehörde leiten die Ordensfrau Simona Brambilla als Präfektin und der Salesianer Ángel Fernández Artime als Pro-Präfekt. Das Governatorat der Vatikanstadt liegt in den Händen von Raffaella Petrini von der Kongregation der Franziskanerinnen von der Eucharistie.
Enge Papstberater
Artime gehörte schon zu den engsten Beratern von Franziskus und ist dies nun auch für Leo XIV. Ebenso wie ein weiterer Salesianer: der italienische Erzbischof Giordano Piccinotti, Präsident der vatikanischen Güterverwaltung Apsa. Zudem hält Leo XIV. nach wie vor engen Kontakt zum Augustinerorden. Es heißt, er tausche sich vor allem aus mit Bischof Luis Marín de San Martín, dem zweiten Mann im Sekretariat der Weltbischofssynode, und Pater Alejandro Moral, von 2013 bis 2025 Nachfolger Leos XIV. in der Ordensleitung der Augustiner.
Auch im Päpstlichen Haus arbeiten Augustiner eng mit Leo XIV. zusammen. In Papst Franziskus' Beratergremium zur Kurienreform saß ein jesuitischer Mitbruder, der auch bei dem Großprojekt Weltsynode eine tragende Rolle spielte: Luxemburgs Kardinal Jean-Claude Hollerich.
Afrikas Repräsentant im K9-Rat war Kardinal Fridolin Ambongo Besungu, ein Kapuziner. Aus demselben Orden stammt Kardinal Sean Patrick O'Malley, der nicht nur im Rat vertreten war, sondern über viele Jahre auch die Päpstliche Kinderschutzkommission leitete.
Stets hielt Franziskus den Kontakt zu seinem Jesuitenorden: Fester Programmpunkt fast jeder Auslandsreise war ein Austausch mit der Jesuitenkommunität des jeweiligen Landes.
Soziale und interkulturelle Kompetenz
In einer Kirche, die nach einem anderen Miteinander - mehr Beratung und mehr Mitbestimmung - sucht, können Ordensleute auf einen hohen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Anders als die meisten Kleriker leben sie in Gemeinschaft, beraten gemeinsam über Ausrichtungen und Vorgänge ihres Ordens und ihrer Niederlassungen. Entscheidungen sollten bestenfalls von allen gemeinsam getragen werden.
Zudem sind viele der Gemeinschaften international aufgestellt, haben Niederlassungen in vielen Ländern und dadurch ein breites Netzwerk. Ihre Häuser sind besetzt mit Menschen aus unterschiedlichen Erdteilen - oft absolvieren Ordensleute diverse Auslandsstationen.
Interkultureller Dialog ist etlichen darum ebenso wenig fremd wie alltägliche Auseinandersetzungen mit verschiedenen Charakteren in der Gemeinschaft. Das ändere viel daran, wie man andere Menschen sehe und annehme, sagt dazu die aktuelle Nummer Zwei der Herz-Jesu-Priester, Pater Levi Ferreira. Die Gemeinschaft, deren Oberer der neue Bischofskonferenz-Vorsitzende in Deutschland Heiner Wilmer war, bevor er Bischof von Hildesheim wurde, hat 2.100 Mitglieder in 43 Ländern.
Es werde diskutiert und zugehört, so Ferreira. Man lerne, sich in andere hineinzuversetzen: "Lass uns reden, lass uns in einen Prozess hineinkommen, in dem wir gemeinsam eine Lösung finden." Es ist das, was Papst Franziskus mit seinem Projekt "Weltsynode" erreichen wollte.