Missbrauchsprozess gegen Lyoner Kardinal Barbarin eröffnet

"Ich habe nie versucht, etwas zu vertuschen"

Gespannte Blicke Richtung Lyon: Dort hat an diesem Montag ein Prozess wegen Nichtanzeige sexueller Übergriffe eines Priesters begonnen. Unter den sieben Beschuldigten, die aussagen müssen, ist auch der Lyoner Kardinal Philippe Barbarin.

Justitia-Figur / © Britta Pedersen (dpa)
Justitia-Figur / © Britta Pedersen ( dpa )

Der 68-Jährige beteuerte vor Gericht, keine Informationen über sexuellen Missbrauch zurückgehalten zu haben. "Ich habe nie versucht, etwas zu vertuschen", sagte er laut dem Sender Franceinfo bei dem Verfahren in Lyon. Er habe keine Tatsachen in Verbindung mit einem Priester verschleiert, dem sexuelle Übergriffe auf Minderjährige vorgeworfen werden.

Barbarin sagte, er habe den Geistlichen nicht von seinen priesterlichen Ämtern suspendiert, weil der ihm geschworen habe, seit 1990 kein Kind missbraucht zu haben. Auf die Frage, warum Barbarin den Fall nicht an die Justiz meldete, antwortete er: "In diesem Moment habe ich nicht gedacht, dass ich das tun muss, da die Fälle verjährt waren und das Opfer selbst bestätigt hat, dass es nichts mehr ändern könne." Er habe sich aber Zeit für ein Gespräch mit dem Opfer genommen.

"Aufrichtige Worte aus dem Herzen"

Der 68-jährige räumte ein, es sei ihm in der Vergangenheit nicht immer gelungen, die "passenden Worte" zu finden. "Aber heute sind meine Worte aufrichtig; sie kommen von tief in mir, meinem Herzen und meinem Glauben", so der Kardinal.

Zu Beginn des Prozesses Barbarins Anwalt versucht, den Prozess aufgrund von Verfahrensfehlern für nichtig zu erklären. Barbarins früherer Kabinettschef Pierre Durieux lehnte es ab, die Fragen der Richter zu beantworten.

Erste Ermittlungen 2016

Bereits 2016 war gegen den Kardinal wegen Nichtanzeige sexueller Übergriffe des gleichen Priesters ermittelt worden. Damals stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren nach einigen Monaten ein; es habe keine Hinweise auf eine Straftat des Kardinals gegeben.

Nun haben zehn ehemalige Pfadfinder, die in den 1970er Jahren Opfer sexueller Übergriffe des Priesters in der Erzdiözese Lyon wurden, Klage wegen der Nichtanzeige eingereicht. Dass die Opfer ein von der Staatsanwaltschaft abgeschlossenes Verfahren anders als in Deutschland nochmals aufrollen können, geht auf eine Besonderheit im französischen Justizsystem aus dem Jahr 1808 zurück.

Den Opfern kann in dem Prozess eine Entschädigung zugesprochen werden. Den Tätern drohen Haft- und oder Geldstrafen. Unter den Beschuldigten ist auch der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Luis Ladaria. Er wird bei dem Prozess jedoch nicht anwesend sein, da der Vatikan seine diplomatische Immunität geltend gemacht hat.

Kardinal Philippe Barbarin / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Kardinal Philippe Barbarin / © Jean-Matthieu Gautier ( KNA )
Quelle:
KNA
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