Hohe Erwartungen an Papstbesuch in Ägypten

"Gratwanderung"

Politiker, Hilfswerke und Menschenrechtler setzen große Hoffnungen in die bevorstehende Papstreise nach Ägypten. Dabei gehen die Meinungen auseinander, wie sich Franziskus gegenüber Staatspräsident al-Sisi positionieren soll.

Papst Franziskus trifft den ägyptischen Staatschef Abdel Fattah al-Sisi (Archiv 2014) / © Riccardo Musacchio (KNA)
Papst Franziskus trifft den ägyptischen Staatschef Abdel Fattah al-Sisi (Archiv 2014) / © Riccardo Musacchio ( KNA )

Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer schrieb am Mittwoch von einer "Gratwanderung" für das Kirchenoberhaupt. "Er muss den Dialog mit dem Islam festigen, er muss die Not der Kopten thematisieren und Trost spenden. Gleichzeitig muss der Vatikan darauf achten, nicht noch mehr antichristliches Ressentiment zu schüren", schreibt der CSU-Politiker in der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt".

Gerade in Ägypten sei das friedliche interreligiöse Miteinander von existenzieller Bedeutung für das Christentum, fügte Singhammer hinzu.

Kopten unter Druck

Die Kopten, rund zehn Prozent der Bevölkerung, erlebten derzeit die brutalste Gewaltwelle seit Jahrhunderten. Sollte eine Mehrheit der christlichen Kopten keine Perspektive für sichere Religionsausübung sehen und dem Land den Rücken kehren, wäre das eine kaum wiedergutzumachende Katastrophe für das Verhältnis beider Weltreligionen.

Singhammer verteidigte den Papst gegen Vorwürfe einer unzulässigen Unterstützung der Regierung. "Kaum ein anderer Staatspräsident in der Region hat sein eigenes Schicksal mit Fortschritten bei der Religionsfreiheit verknüpft wie Abdel Fattah al-Sissi", schreibt er. Auch für die Kopten gelte: "Eine andere Regierungskonstellation würde von vielen als Höchstrisiko gesehen."

Papst Franziskus reist vom 28. bis 29. April nach Ägypten.

missio München: Zeichen der Verbundenheit

Der Präsident des internationalen katholischen Hilfwerks missio München, Wolfgang Huber, wertete den Papstbesuch als "wichtiges Zeichen der Verbundenheit mit den ägyptischen Christen". Das gelte gerade angesichts der jüngsten Anschläge. Papst Franziskus wird am Freitag und Samstag das nordafrikanische Land besuchen.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) forderte deutlichere Unterstützung für die koptischen Christen. Das Land müsse sich dazu bekennen, dass es ein christliches und muslimisches Land sei. Christen dürften nicht aufgrund ihrer Religion benachteiligt werden.

Einsatz für Freiheit und Gleichberechtigung

Auch die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) forderte den Papst auf, seinen Einfluss zu nutzen und sich für die Freiheit und Gleichberechtigung aller Ägypter einzusetzen. "Franziskus kennt die Schrecken der Militärdiktatur aus seiner Heimat Argentinien", sagte IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

Die ägyptische Wirtschaft sei in erheblichem Maß auf christliche Touristen angewiesen, fügte er hinzu. Franziskus habe dadurch einen erheblichen Spielraum. Der Papst solle die Demokratieaktivisten nicht links liegen lassen. "Er ist frei von den Zwängen, denen die deutsche Kanzlerin ausgesetzt ist", unterstrich Lessenthin. Angela Merkel war bei ihrem Ägyptenbesuch im März dafür kritisiert worden, dass sie der Regierung bescheinigt habe, dass die Christen angeblich "eine sehr gute Situation für die Ausübung ihrer Religion" hätten.

Quelle:
KNA