Benedikt XVI. begeht 93. Geburtstag in der Corona-Krise

"Hoffentlich geht Franziskus nicht gratulieren"

Mitten in Zeiten der Corona-Pandemie feiert der emeritierte Papst Benedikt XVI. seinen 93. Geburtstag. Vatikanexperte Ulrich Nersinger geht von einem Ehrentag ohne Besucher aus und hofft darauf, dass sich Papst Franziskus beim Gratulieren zurückhält.

Archivbild: Papst em. Benedikt XVI. und Papst Franziskus (r.) / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Archivbild: Papst em. Benedikt XVI. und Papst Franziskus (r.) / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

DOMRADIO.DE: Was weiß man denn aktuell darüber, wie der eremitierte Papst an diesem Donnerstag seinen Geburtstag begeht?

Ulrich Nersinger (Vatikanexperte): Man weiß, dass er seinen Geburtstag in absoluter Abgeschiedenheit feiert, was ja sehr gut ist, denn mit 93 Jahren gehört man ja automatisch zur Risikogruppe. Die päpstliche Gendarmerie, der ja übertragen ist, über den früheren Papst zu wachen, übt ihre Aufgabe mit äußerster Strenge aus. So viel ich weiß von den Sicherheitskräften. Daher erleben wir einen emeritierten Papst in absoluter Abgeschiedenheit – zu seinem eigenen Schutz. Da wird er natürlich seinen Geburtstag ganz anders feiern.

Aber da er ja auch ein Mann des geschriebenen und gesprochenen Wortes ist, kann er sich über ein besonderes Geburtstagsgeschenk freuen. Er wird die Biografie erhalten, die Peter Seewald über ihn geschrieben hat. Das sind weit über tausend Seiten. Ich denke, da wird er sich durchaus drin vertiefen können, und das wird ihm, glaube ich, auch ein schönes Geschenk sein.

DOMRADIO.DE: Da kann er selbst ein wenig in seinem Leben herumblättern – in den letzten 93 Jahren...

Nersinger: Ich denke, da er ein Intellektueller ist, wird ihm das vermutlich eine große Freude sein. Ich denke, auch das Telefongespräch mit seinem Bruder und auch die Feier in der kleinen Gemeinschaft mit Erzbischof Gänswein und den Damen, die ihn betreuen, wird wahrscheinlich eine schöne Feier werden, wenn man das Wort "schön" in dem Zusammenhang gebrauchen darf.

DOMRADIO.DE: Wie geht es ihm denn? Weiß man irgendwas darüber? Er ist ja sehr isoliert, und das ist ja wiederum auch kein Wunder in dem Alter.

Nersinger: Der Vatikan hält sich mit Informationen sehr stark zurück. Auch Erzbischof Gänswein sagt nicht allzu viel, was ich für gut empfinde. Denn das, was wir jetzt alle nicht gebrauchen können, sind Spekulationen. Ich denke, dass es ihm vermutlich den Umständen entsprechend gut geht. Wie er nun selber mit dieser Isolation und auch mit der Tragik, die gerade in Italien herrscht, zurechtkommt, müssen wir abwarten, ob er sich später mal dazu äußert.

DOMRADIO.DE: Auch Papst Franziskus ist recht isoliert. Er wohnt ja nicht weit entfernt von seinem Vorgänger. Aber wahrscheinlich wird Franziskus auch nicht persönlich gratulieren, oder?

Nersinger: Nein, das hoffen alle im Vatikan. Alle haben mir gesagt: Um Himmels willen! Hoffentlich kann man das verhindern, weil das ja nun beide betreffen könnte. Beide befinden sich von der Gesundheit und vom Alter her ja in einer sehr schwierigen Situation. Ich denke aber, der Papst wird so klug sein, das nicht zu tun.

DOMRADIO.DE: Wie ist denn generell gerade die Lage im Vatikan. Wie spürt man aktuell die Auswirkungen der Corona-Krise?

Nersinger: Es bedrückt schon die Leute, und man muss auch den größten Respekt vor den Leuten haben, die dort noch arbeiten müssen und auch unter erschwerten Bedingungen arbeiten müssen. Ich bewundere die Leute, die noch immer in ihre Kongregation oder in ihr Büro müssen, weil sie Sachen bearbeiten, die unter Geheimhaltung fallen und nicht einfach aus dem Büro entfernt werden dürfen.

Vatikanexperte Ulrich Nersinger (EWTN)
Vatikanexperte Ulrich Nersinger / ( EWTN )
Ulrich Nersinger bei einer Audienz mit Papst Benedikt XVI. / © privat
Ulrich Nersinger bei einer Audienz mit Papst Benedikt XVI. / © privat
Quelle:
DR