Gegen Überlegungen, Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft künftig vom Mindestlohn auszunehmen, wendet sich das katholische Osteuropahilfswerk Renovabis.
"Wer in Deutschland arbeitet, hat ein Recht auf einen Lohn, der die Würde des Menschen achtet", sagte Hauptgeschäftsführer Thomas Schwartz laut Mitteilung vom Mittwoch. Saisonarbeiter seien ein unverzichtbarer Teil der deutschen Landwirtschaft und trügen entscheidend zur Versorgungssicherheit bei.
Viele Saisonarbeiter stammten aus osteuropäischen Ländern, heißt es weiter. Sie unterstützten mit ihrer Arbeit häufig ihre Familien dort und seien auf ein zuverlässiges Einkommen ohne Abstriche angewiesen. Daher dürften sie gegenüber einheimischen Beschäftigten nicht benachteiligt werden. Ausnahmen könnten nach Ansicht des Hilfswerks bestehende Abhängigkeiten verstärken und die Gefahr ausbeuterischer Strukturen erhöhen.
Kostenproblem anders lösen
Das Hilfswerk räumte ein, dass viele landwirtschaftliche Betriebe mit steigenden Kosten zu kämpfen haben. Den Mindestlohn zu reduzieren, könne dafür aber keine nachhaltige Lösung sein. "Wirtschaftliche Belastungen dürfen nicht auf dem Rücken derjenigen ausgetragen werden, die ohnehin zu den Verletzlichsten gehören", so Schwartz. Nötig seien strukturelle Reformen, europäische Kooperationen sowie Maßnahmen, die Landwirtschaft und Arbeitsschutz gleichermaßen stärken.
Medienberichten zufolge will die CDU einen erneuten Versuch unternehmen, Ausnahmen vom Mindestlohn bei Saisonarbeitskräften in der Landwirtschaft zu ermöglichen. Dafür gebe es einen entsprechenden Antrag an den Bundesparteitag im Februar in Stuttgart. Diese würden nur in Spitzenzeiten während der Ernte benötigt und übten keine Vollzeitstelle aus.