Kirchliche Einrichtungen im Libanon kommen wegen der israelischen Angriffe im Land an ihre Grenzen – davor warnt das katholische Hilfswerk "Kirche in Not". Die Militäreinsätze hätten Hunderttausende Menschen in die Flucht getrieben, teilte "Kirche in Not" am Mittwoch in München mit.
In dieser Lage übernehme die Kirche eine zentrale Rolle in der Versorgung der Bevölkerung. "Die Kirche ist im Libanon wirklich ein Fels in der Brandung", sagte die Projektkoordinatorin des päpstlichen Hilfswerks im Libanon, Marielle Boutros. Gleichzeitig klagte sie: "Dieser Krieg bringt uns an unsere Grenzen." Wie Boutros ausführte, haben kirchliche Einrichtungen ihre Türen für Vertriebene geöffnet - unabhängig von deren Religionszugehörigkeit.
Pfarreien, Klöster und soziale Einrichtungen leisteten Nothilfe und böten Unterkunft. "Die Mehrheit der Vertriebenen sind schiitische Muslime, aber wir helfen allen, die kommen", betonte Boutros. Doch die Kirche betreibe bereits Schulen, Altenheime, Kranken- und Waisenhäuser. Viele kirchliche Partner seien erschöpft, Ressourcen knapp, Perspektiven unsicher.
Nach Jahren wirtschaftlicher Krise trifft die neue Gewalt das Land besonders hart, wie es weiter hieß. "Jedes Mal, wenn wir glauben, dass sich das Leben normalisiert, geschieht etwas, das uns wieder an den Anfang zurückwirft", sagte Boutros. "Dieser Krieg wirft uns sogar auf null zurück."
Die Kirche sei im Nahen Osten ein entscheidender Stabilitätsfaktor – auch über den Libanon hinaus, ergänzte Boutros. Ein Zusammenbruch kirchlicher Strukturen hätte weitreichende Folgen für die gesamte Region. "Die Kirche ist für Christen eine Festung. Sie hilft ihnen, in ihrer Heimat zu bleiben", so Boutros. "Wenn die Kirche den Menschen nicht nahe bleibt, verlieren wir sie durch Auswanderung."
"Kirche in Not" unterstützt nach eigenen Angaben in Kooperation mit anderen Hilfswerken die Menschen im Libanon mit Lebensmitteln, Medikamenten, Wasser und Hygieneartikeln.