Desinformation ist nach Einschätzung des Entwicklungshilfswerks "Brot für die Welt" eine Gefahr für Demokratien weltweit. Gezielte Falschinformation diskreditiere Nichtregierungsorganisationen, kriminalisiere zivilgesellschaftlichen Protest und fördere repressive Maßnahmen und Autokratien, sagte Hilfswerkspräsidentin Dagmar Pruin zur Vorstellung des "Atlas der Zivilgesellschaft" am Montag in Berlin. "Desinformation untergräbt Vertrauen und spaltet Gesellschaften", so ihr Fazit. Die Folgen seien mehr Angst, Hass und Gewalt.
Die Auswertung des Hilfswerks bewertet jährlich den Stand der weltweiten Freiheitsrechte. Demnach lebt nur ein kleiner Bruchteil der Weltbevölkerung, 277 Millionen Menschen, in Ländern mit voller Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit. Mehr als 70 Prozent aller Menschen hingegen lebten in Staaten, in denen der zivilgesellschaftliche Raum unterdrückt oder vollständig geschlossen sei. Die Zahlen stammen vom globalen zivilgesellschaftlichen Netzwerk Civicus.
Lage in Deutschland verschlechtert
Dem Bericht zufolge verschlechtert sich die Lage auch in demokratischen Staaten: Deutschland, Italien, Frankreich sowie die USA und die Schweiz wurden im aktuellen Bericht heruntergestuft. Deutschland wurde aus der Kategorie "beeinträchtigt" in die Kategorie "beschränkt" herabgestuft. Ein zentraler Grund sei das Vorgehen deutscher Behörden im Zusammenhang mit Protesten gegen den Gaza-Krieg.