Missio über den Afrikatag und die Unterstützung vor Ort

"Hilfe zur Selbsthilfe"

An diesem Montag feiert die katholische Kirche nicht nur das Hochfest der Erscheinung des Herrn, sondern es ist auch Afrikatag. Das Hilfswerk Missio koordiniert die Kollekte zu diesem Anlass. Es ist die älteste Kollekte der katholischen Weltkirche.

Kollekte / © Cristian Gennari (KNA)
Kollekte / © Cristian Gennari ( KNA )

DOMRADIO.DE: Auf einem Plakat, mit dem das Hilfswerk Missio wirbt, sieht man Schwester Irene, eine Ordensschwester in Ghana. Die steht mitten auf einem Markt. Da sieht man Verkaufsstände. Es ist einiges los. Mittendrin aber ist diese Schwester, deren Arbeit mit den Spenden unterstützt werden soll. Die ist so etwas wie eine Sozialarbeiterin in Ghana, oder?

Johannes Seibel (Leiter Abteilung Kommunikation und Presse bei Missio Aachen): Ja, sie ist eine Sozialarbeiterin, eine Seelsorgerin und eine Managerin. Sie leitet eine Grundschule mit rund 260 Schülern, und sie fährt auch zum Beispiel morgens im Bus mit, wenn die Kinder abgeholt werden und spricht kurz mit den Eltern. Und dann bekommt sie auch mit, was die Eltern bewegt, wo der Schuh drückt und was gemacht werden muss. So kümmert sie sich ganzheitlich um die Kinder. Sie ist ihr Lebensbegleiter und Begleiter der Familie. Sie ist Lehrerin, Sozialarbeiterin und Gottesfrau.

DOMRADIO.DE: Die Kirche in Afrika wächst. Wieso sind denn Seelsorger, Sozialarbeiter und Ordensleute dann ganz besonders wichtig?

Seibel: Die Kirche in Afrika wächst, und deshalb müssen und sollen auch diejenigen wachsen, die die Gläubigen begleiten. Das ist ein Punkt. Der zweite Punkt ist der, dass zusehens mehr und mehr auch die einheimischen Ordensfrauen, Priester und Orden dort das kirchliche Leben gestalten, führen und leiten. Und das ist unser Anliegen als Missio. Wir unterstützen vor allen Dingen diese einheimischen Orden, diese jungen Orden in Afrika und in Asien, damit sie durch Ausbildung lernen, wie sie die Menschen so begleiten können, dass sie auch im Alltag wirksam sind, dass sie Gesellschaft verändern, dass sie die Lebensverhältnisse verändern.

Das ist unser Anliegen, dort den einheimischen Orden, den einheimischen Priestern und den einheimischen Ordensfrauen das richtige "Know how" an die Hand zu geben, damit sie dort gut arbeiten können.

DOMRADIO.DE: Die Nachrichtensprecherin Gundula Gause ist Schirmherrin des Afrikatages. Sie schwärmt in den Medien immer wieder von dieser wichtigen Arbeit, die auch durch die Hilfe von Missio in Afrika geleistet werden kann. Können Sie uns erklären, wie sich die Gesellschaft durch die Arbeit der Ordensleute dort ganz konkret verändert? Merken Sie das schon?

Seibel: Ja, wir merken das. Auch wenn ich unterwegs bin in Afrika, merke ich, dass die Ordensfrauen vor allen Dingen sehr stark am Puls der Menschen selbst sind. Sie haben ein großes Ansehen innerhalb der Gesellschaft. Sie kennen auch die Alltagsprobleme der Menschen, und die Menschen hören den Ordensfrauen zu, vertrauen ihnen, und ändern auch ihr Leben. Wir haben hier sehr viele Beispiele.

Die Ordensfrauen verändern die Gesellschaft von innen heraus mit einer besonders starken Empathie, auch mit einem Bewusstsein für die tatsächlichen Probleme der Menschen. Ich erlebe da auch immer wieder sehr durchsetzungsfähige Ordensfrauen, die die Interessen der Menschen – auch der Menschen am Rande der Gesellschaft – sehr energiegeladen vertreten. Das ist sehr wichtig. Sie verändern die Gesellschaft von innen heraus.

DOMRADIO.DE: Diese Afrikakollekte ist die älteste gesamtkirchliche Solidaritätsinitiative der Welt. Ursprünglich wurde sie zur Bekämpfung der Sklaverei eingeführt. Wie viel kommt denn da zusammen Anfang Januar? Wie zufrieden sind Sie mit der Spendenbereitschaft der Menschen?

Seibel: Die Menschen unterstützen uns sehr gut, das muss man sagen. In Deutschland kamen im vergangenen Jahr 1,1 Millionen Euro zusammen durch die Mithilfe der Unterstützer und Unterstützerinnen. Über dieses Geld wird dann in Rom beraten, denn es gibt neben uns noch andere Länder, die die Afrikatagskollekte sammeln. Da wird dann beraten, wo die einheimischen Orden in Afrika am notwendigsten Hilfe brauchen. Dann unterstützen wir diese Orden dort, wo die Hilfe am nötigsten ist. Das ist das Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe.

Das Interview führte Verena Tröster.

Johannes Seibel, missio-Pressesprecher / © privat
Johannes Seibel, missio-Pressesprecher / © privat
Das Plakatbild zum Afrikatag 2020 ist auf dem Markt in Aiyinasi-Awiaso aufgenommen worden und zeigt Schwester Irene Ama Serwah Nkromah im dichten Marktgeschehen / © Fritz Stark (missio)
Das Plakatbild zum Afrikatag 2020 ist auf dem Markt in Aiyinasi-Awiaso aufgenommen worden und zeigt Schwester Irene Ama Serwah Nkromah im dichten Marktgeschehen / © Fritz Stark ( missio )
Quelle:
DR
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