Bistum Essen bietet Seelsorge am Strand

"Hier kann man Kirche ganz neu erleben"

Im Urlaub sind viele Menschen offen für Fragen des Glaubens und des Lebens, davon ist Maximilian Strozyk überzeugt. Der Kaplan aus Essen verbringt jeden Sommer auf der Insel Texel - als Seelsorger für Touristen. Was erlebt er da?

Wohnwagen der Touristenseelsorge auf Texel / © Nadine Vogelsberg (KNA)
Wohnwagen der Touristenseelsorge auf Texel / © Nadine Vogelsberg ( KNA )

DOMRADIO.DE: Urlaubsseelsorge auf der Insel. Warum ist das in Ihren Augen ein so wichtiges Thema?

Kaplan Maximilian Strozyk (Seelsorger auf der Insel Texel): Weil es ein Thema ist, das sehr viel Freude macht. Wir teilen Leben, wir teilen Glauben und sind im Alltag verbunden. Das ist das, was die Touristinnen und Touristen und auch uns als Team die ganzen Wochen über umtreibt.

Für ganz viele Menschen ist das hier ein großes Wiedersehen, weil sie seit Jahren nach Texel kommen. Die freuen sich darauf und sagen: In den zwei, drei Wochen in denen ich hier auf der Insel bin, kann ich nicht nur Sonne tanken, sondern auch ganz viel an Lebens- und auch Glaubensqualität tanken. Ich kann neu ins Gespräch kommen, neue Menschen kennenlernen und mich selbst nochmal neu in meinem Alltag verorten.

Es ist nicht nur für die Touristinnen und Touristen, sondern auch für uns als Team immer wieder ein spannendes Angebot, gemeinsam auf dem Weg zu sein.

DOMRADIO.DE: Was konkret bieten sie den Urlaubern an?

Strozyk: Wir sind am Donnerstag gestartet und schon da hatten wir ein wirklich schönes Erlebnis: Die ersten Touristinnen warteten schon auf uns, als wir auf den Campingplatz fuhren und sagten: Jetzt geht es endlich los! Wir haben dann erst mal einen Kaffee getrunken, uns ausgetauscht, was im letzten Jahr so los war und uns gegenseitig auf den neuesten Stand gebracht.

Gestern haben wir gemeinsam Gottesdienst gefeiert und dann gemeinsam den Gottesdienst für Sonntag vorbereitet. Es wird thematisch um Sehnsuchtsorte gehen und die Frage: Welche Orte geben mir in meinem Leben und für meinen Glauben Kraft?

Aber wir haben nicht nur religiöse Angebote, sondern auch ganz praktische, zum Beispiel ein Spontan-Theater für Jung und Alt. Es gibt Schnitzeljagden. Es gibt eine Band, sodass man auch musikalisch voll auf die Kosten kommt. Und das Dünen und Strand-Singen ist fester Bestandteil in der Woche. Es gibt ein ganz buntes Potpourri an Möglichkeiten, um das Leben zu genießen.

DOMRADIO.DE: Die Touristenseelsorge auf Texel des Bistums Essen gibt es ja schon länger. Wie kam denn das Bistum dazu, gerade auf Texel eine Urlaubsseelsorge anzubieten?

Strozyk: Wir sind jetzt ins 51. Jahr gestartet, letztes Jahr hatten wir das große Jubiläum, 50 Jahre. Es gab vor fast einem halben Jahrhundert die Überlegung: Wir wollen als Kirche auch dort sein, wo die Menschen im Urlaub sind. Denn der Urlaub ist eine Zeit, wo viele Menschen offen sind für Fragen des Glaubens und des Lebens und sich gerade im Urlaub über eine Möglichkeit freuen, tiefer gehende Gedanken miteinander auszutauschen.

Das war, glaube ich, damals für das Bistum Essen ausschlaggebend zu sagen: Da dürfen wir als Kirche nicht fehlen. Vor Ort zu sein, am Strand, da, wo die unterschiedlichsten Menschen sind.  Ganz bewusst an den Ort zu gehen, wo nicht nur die typischen Kirchgängerinnen und Kirchgänger sind, sondern wo ganz viele Menschen vorbeikommen, die erst mal überrascht darüber sind, dass Kirche an diesem Ort ist. Und die dann ganz neugierig mit uns in Kontakt kommen und sagen: Mensch, so was macht Kirche auch. Und so ein neues Bild von Kirche mitnehmen können.

DOMRADIO.DE: Kommen die Menschen auch mit ihren Sorgen zu Ihnen?

Strozyk: Ja, es gibt tatsächlich immer wieder viele Einzelgespräche, weil Menschen sagen: Ich brauche jetzt mal eine halbe Stunde ein Ohr, das mir zuhört - mit Spaziergängen über den Strand. Das kommt immer wieder vor.

Es gibt auch das Angebot zum Sakrament der Versöhnung oder das Angebot, Anliegen nochmal ins Gebet zu nehmen - und so mit einem Neustart im Urlaub zu beginnen. Natürlich gibt es aber auch die vielen unbeschwerten Momente.

DOMRADIO.DE: Kommen Sie denn selbst auch zur Entspannung? Ist das Urlaub für Sie?

Strozyk (lacht): Sagen wir mal so, es ist ein anderes arbeiten als zuhause, was große Freude macht. Das kann natürlich auch ganz schön anstrengend werden, wenn man den ganzen Tag da ist und ansprechbar ist. Ich habe vor allem einen großen Respekt vor denjenigen, die hier als Ehrenamtliche dabei sind. Die teilweise ihren Jahresurlaub dafür nehmen und sagen: Das ist es mir wert, in meinem Urlaub für Menschen da zu sein.

Da bin ich natürlich in einer sehr entspannten Situation, weil es für mich Dienstzeit ist - eine sehr, sehr schöne Dienstzeit. Wir haben zwischendurch immer wieder Momente, wo wir auch mal eine halbe Stunde am Strand sein können und uns eine Pause gönnen. Das muss auch sein.

DOMRADIO.DE: Für die Menschen, die in diesen Ferien nach Texel kommen und zu Ihnen kommen wollen. Wo genau sind Sie zu finden?

Strozyk: Wir sind an Kogerstrand, auf dem großen Zeltplatz in De Koog, und sind eigentlich gar nicht zu übersehen. Wir sind da, wo die rote Fahne weht. Hier sind wir jeden Tag außer montags am Wohnwagen - mit dem Buch- und Spieleverleih, mit Kaffee und Tee und allem, was man für eine kurze Pause mal so braucht. Ganz herzliche Einladung einfach mal vorbeizuschauen, uns kennenzulernen und Kirche mal ganz neu zu erleben.

Das Gespräch führte Julia Reck.

Quelle:
DR
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