Grün hat viele Bedeutungen

Die Farbe des Frühlings?

Endlich Frühling. Im Alltagsgrau ist die Sehnsucht nach frischem Grün gewachsen. Die Farbe Grün steht traditionell für Hoffnung, Ruhe, Inspiration, Frische, Natur und Leben. Doch es gibt auch negative Bedeutungen.

Wald im Frühling / © Simon Bratt (shutterstock)

Grün ist die Hoffnung. Es ist die Farbe des Frühlings, des wiederkehrenden Lebens. Besonders in Zeiten des Ukraine-Kriegs und der Corona-Pandemie lässt das Frühlingsgrün in diesen Tagen ein wenig aufatmen. Der Ursprung des Wortes "grün" liegt in dem germanischen Wort "groa" (Englisch: to grow), was soviel wie wachsen und keimen bedeutet.

Symbolfarbe für Göttlichkeit?

Grün ist die Farbe des Lebens: Ohne Chlorophyll, das den Pflanzen die Farbe verleiht, wäre Leben nicht möglich. Für die Mystikerin Hildegard von Bingen war Grün deshalb eine göttliche, heilende Farbe, eine "Herzkraft himmlischer Geheimnisse, die die Herrlichkeit des Irdischen nicht fasst". Grün steht auch für das Neue, Frische: In der Minnedichtung war es die Farbe der beginnenden Liebe. Wer heiratet, feiert seine Grüne Hochzeit.

Im Alltag symbolisiert Grün die Abwesenheit von Hindernissen. Eine grüne Ampel erlaubt freie Fahrt. Im übertragenen Sinne: Wer "grünes Licht" gibt, erteilt seine Zustimmung. Wer eine "Greencard" hat, darf einwandern. Und wer im "grünen Bereich" ist, kann sich beruhigt zurücklehnen. Wer neu anfängt, stellt "alles auf Grün".

Ampel mit dem Heiligen Bonifatius / © Julia Steinbrecht (KNA)
Ampel mit dem Heiligen Bonifatius / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Grün bezeichnet damit auch das Normale, Unproblematische. Es ist die Farbe der Mitte, wie Goethe in seiner Farbenlehre definierte. Es entsteht, wenn Licht (Gelb) und Finsternis (Blau) sich völlig das Gleichgewicht halten. "Grün in vollendeter Neutralität zwischen allen Extremen wirkt beruhigend und sicher", schreibt Eva Heller in ihrem Buch "Wie Farben wirken". Den Maler Wassily Kandinsky (1866-1944) langweilte das: Das Grün sei "wie eine dicke, sehr gesunde, unbeweglich liegende Kuh, die nur zum Wiederkäuen fähig mit blöden, stumpfen Augen die Welt betrachtet".

Grün, die Lieblingsfarbe Mohammeds, ist zugleich die heilige Farbe des Islam. Sie verweist auf das Paradies mit üppigen Wiesen und Wäldern - für Wüstenbewohner eine wunderbare Vorstellung. Wie es ist, wenn Grün fehlt, merken Wald-Spaziergänger in Deutschland häufig: Trockenheit und Borkenkäfer haben in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass Baumkronen ausdünnen und der Wald als "grüne Lunge" stark geschädigt ist.

Eine nicht eindeutige Farbe

In der christlichen Liturgie des Mittelalters spielte das Grün nach Angaben des Münsteraner Historikers Rudolf Suntrup eine eher untergeordnete Rolle. Vereinzelt sprechen liturgische Texte vom "Grün des Glaubens" oder vom "grünen Holz des Kreuzes", erläutert er. Der Gründonnerstag verweist - anders als viele glauben - nicht auf die Farbe: Der Tag hat seinen Namen dem althochdeutschen "Grunen" oder "Greinen" zu verdanken, das "Weinen" bedeutet.

In der Malerei wurde der Farbton, oft durch das Mineral Malachit hergestellt, mit der Barmherzigkeit und Hoffnung gleichgesetzt. Daher tragen Heilige auf mittelalterlichen Gemälden gelegentlich grüne Mäntel.

Messgewand / © Simon Koy (KNA)
Messgewand / © Simon Koy ( KNA )

Doch Grün ist nicht eindeutig. Missgünstige Menschen werden "grün vor Neid". Menschen, denen es übel wird, werden "ganz grün im Gesicht". Der Teufel - als Jäger der Seelen - trägt bisweilen einen grünen Rock. Auch Drachen, Lindwürmern und ähnlich widerlichem Getier, das in Märchen und Sagen erwähnt wird, wird eine grüne Farbe zugeschrieben. 

Grün ist auch bitter oder sauer; intensive Grüntöne werden als Giftgrün bezeichnet. Das hat auch damit zu tun, dass lange Zeit alle Pigmente zur Herstellung der Farbe giftig waren. Im Sprachgebrauch wird Grün auch häufig mit Unreife gleichgesetzt: Ein "Grünschnabel" ist noch "grün hinter den Ohren".

Blau löst Grün ab 

Die Beliebtheit der Farbe schwankt stark - etwa bei den Neuzulassungen für Autos. Laut Kraftfahrt-Bundesamt waren 2021 weniger als zwei Prozent der Neuwagen grün. 1996 noch hatte das Grün bei Neuzulassungen die 20-Prozent-Marke gekratzt.

Nicht mehr selbstverständlich ist Grün auch als Signalfarbe für Umweltschutz. Für manche Werbedesigner ist die Symbolik schon zu abgegriffen, es schwinge uncoole Öko-Ästhetik mit.  Mittlerweile hat Blau seine Funktion immer häufiger übernommen. Es steht dabei für die schützenswerten Ressourcen Wasser und Luft, das Meer und den Himmel.

Autor/in:
Christoph Arens
Quelle:
KNA