Bistum Münster präsentiert sich als attraktiver Arbeitgeber

"Gott sei Dank für Dein Talent"

"Unterm Krummstab ist gut leben", hieß es früher. Lange brauchte sich die katholische Kirche kaum Sorgen zu machen, Mitarbeiter für Gemeinden, Kindergärten und Sozialstationen zu finden. Doch die Zeiten ändern sich.

 St.-Paulus-Dom in Münster / ©  Friso Gentsch (dpa)
St.-Paulus-Dom in Münster / © Friso Gentsch ( dpa )

Unter dem Motto "Gott sei Dank für Dein Talent!" will das Bistum Münster sich in den kommenden Monaten als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. "Was wäre ich ohne meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?", erklärte Bischof Felix Genn am Mittwoch vor Journalisten in Münster.

Mit verschiedenen Kommunikations-Maßnahmen - Print-Anzeigen, Anzeigen in sozialen Netzwerken, Postkarten, mit einer neuen Internetseite und mit Veranstaltungen - will das Bistum nach den Worten Genns die Vielfalt der kirchlichen Talente und Berufe in den Mittelpunkt rücken.

Neue Internetseite

"Wer sind wir, und wofür stehen wir? Und vor allem: Wofür wollen wir stehen, und wie sollten die Menschen uns erfahren?: Das sind die Fragen, die uns dabei leiten", erläuterte Genn bei der Vorstellung der Kommunikationsmaßnahmen und der dazu gehörenden Internetseite www.kirchentalente.de. Das Maßnahmenpaket, das in dieser Form für eine deutsche Diözese neu ist, kostet insgesamt 600.000 Euro.

Genn betonte, dass die katholische Kirche im nordrhein-westfälischen Teil des Bistums Münster einer der größten Arbeitgeber sei. Mehr als 22.000 Frauen und Männer seien beim Bistum und den Kirchengemeinden beschäftigt, darunter alleine rund 8.300 Erzieherinnen und Erzieher in den katholischen Kindertageseinrichtungen. Hinzu kämen mehr als 75.000 Mitarbeiter bei der Caritas.

Genn rief Arbeitnehmer dazu auf, sich bei der Kirche zu bewerben.

"Wagen Sie es! Bewerben Sie sich! So schlimm ist Kirche als Arbeitgeber nicht; vielleicht finden Sie hier sogar ihre berufliche Erfüllung", sagte er. Die seelsorglichen Berufe seien bewusst in die Kampagne integriert worden, weil sie ein Alleinstellungsmerkmal von Kirche seien. Auch die anderen Mitarbeiter aber fühlten sich zu ihrer Tätigkeit berufen. 

Der Personalchef des Bistums, Diethelm Schaden, betonte, die Kirche im Bistum Münster sei ein großer Arbeitgeber mit einer Vielfalt an beruflichen Möglichkeiten. Es gebe aber viele Vorurteile und Unkenntnis, insbesondere im Blick auf das kirchliche Arbeitsrecht.

"Viele gehen davon aus, dass die kirchlichen Loyalitätsobliegenheiten besonders streng sind und in die Privatsphäre der Mitarbeiter eingreifen", fügte er hinzu. "Aber das stimmt heute so nicht mehr: Die Mitarbeiter der katholischen Kirche haben selbstverständlich dieselben Freiheiten und Einschränkungen wie die Mitarbeiter bei anderen Arbeitgebern."

Attraktiv als Arbeitgeber

Ausnahmen gebe es vor allem bei seelsorglichen Berufen und bei herausgehobenen Führungspositionen, so Schaden weiter. Grundsätzlich gelte aber, dass die Kirche ihren Mitarbeitern nicht in die Schlafzimmer schaue. Auch evangelische Christen, Muslime oder geschiedene Wiederverheiratete könnten bei der Kirche arbeiten.

Attraktiv sei die Kirche als Arbeitgeber vor allem durch Familienfreundlichkeit, Fortbildung und Frauenförderung. Insgesamt nähmen im bischöflichen Generalvikariat inzwischen 43 Frauen Leitungspositionen ein (im Vergleich zu 73 Männern) und damit doppelt so viele wie noch vor fünf Jahren.

Als eines der "Gesichter" der Kampagne machte Sabrina Friedrich, Bauingenieurin in der Bauabteilung des Bischöflichen Generalvikariats, deutlich, warum sie gerne beim Bistum arbeitet. Die 35-jährige Mutter eines zweijährigen Sohnes lobte, das Bistum sei ein guter, familienfreundlicher Arbeitgeber, und man werde ernst genommen. Ihren Beruf betrachte sie nicht als Job, sondern vielleicht sogar als Berufung. "Für mich gibt es keine schönere Aufgabe als dazu beizutragen, den St.-Paulus-Dom als Ort des Glaubens und als historisches Wahrzeichen von Münster zu erhalten", bekräftigte Friedrich.

Nach den Worten von Simone Simons, Geschäftsleiterin Strategie bei der Agentur Castenow, die das Bistum Münster seit drei Jahren im Prozess der Markenentwicklung und Markenetablierung begleitet, geht es bei den Kommunikations-Maßnahmen darum, Mitarbeiter zu binden und zu finden. "Die Kirche ist ein sinnstiftender Arbeitgeber, und wir wollen die Richtigen für sie finden", erläuterte Simons. "Wir legen viel Wert auf Glaubwürdigkeit und Authentizität."

Bischof Felix Genn im Ornat / © Harald Oppitz (KNA)
Bischof Felix Genn im Ornat / © Harald Oppitz ( KNA )
Autor/in:
Gerd Felder
Quelle:
KNA