Pfarrer in Holzwickede bringt Fronleichnam zu den Menschen

“Gott kommt zu Besuch“

Fronleichnamsprozessionen fallen in diesem Jahr fast überall aus. Ein Pastor im Erzbistum Paderborn dreht die Idee aber um: Er bringt die Monstranz zu den Menschen.

Prozession mit einer Monstranz (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Fronleichnam mit Prozession läuft bei Ihnen in Corona-Zeiten etwas anders ab. Wie genau?

Bernhard Middelanis (Pastor der Gemeinde Liebfrauen in Holzwickede): Erst feiern wir normal die Feiertagsmesse in der Kirche, danach gehen wir mit der Sakramentsgruppe zu bestimmten Punkten in der Gemeinde. Das haben wir öffentlich angekündigt, und die Menschen konnten sich anmelden. Wir gehen überall hin, wo wir eingeladen werden. Das sind zwei Seniorenheime am Ort, aber auch ein paar andere Stationen. Eine Senioren-Begegnungsstätte, aber auch eine Privatfamilie, eine Nachbarschaft, und schließlich noch die Kirche unserer Nachbargemeinde.

DOMRADIO.DE: Sie gehen mit Monstranz in den Garten einer Privatfamilie?

Middelanis: Wir bleiben draußen auf der Straße, also vor den Häusern. In den Garten gehen wir nicht hinein. Wir sind auch mit dem Auto unterwegs, wir gehen den Weg nicht, damit wir die Wege schneller zurücklegen können.

DOMRADIO.DE: Mit Monstranz im Auto? Geht das?

Middelanis: Ich denke schon, die nehme ich auf den Schoß. Wir machen das schon mit Respekt und Würde, ich denke das ist schon in Ordnung so.

DOMRADIO.DE: Wie findet Ihre Gemeinde denn diese Alternativ-Prozession?

Middelanis: Ich habe nur positive Resonanz darauf gehört. Es war ja klar, dass wir unter diesen Bedingungen keine Prozession halten können. Vielleicht ist es aber  auch ein Zeichen in dieser Zeit, dass sozusagen Gott zu den Menschen kommt. Auch dorthin, wo es in letzter Zeit großen Kummer gab - in die Altenheime, die Seniorenzentren. Kummer, der jetzt zum Teil noch da ist. Besuch kann man ja immer noch nicht überall empfangen. Wir alle kennen Bewohner von Altenheimen, die ihre Angehörigen vermissen. Gerade vor diesem Hintergrund, dass wir an die Menschen denken, die die Pandemie besonders belastet, fanden das alle gut.

DOMRADIO.DE: Wie läuft denn der Besuch in den Altenheimen?

Middelanis: Wir bleiben draußen. Bei einem der Heime hatte man das schon vor Ostern gemacht. Da wird draußen die Andacht gehalten. Mit Kabel wird dann der Ton nach innen verlegt. Die Gäste saßen noch beim Essen, das wird jetzt wieder so sein. Die Bewohner sind alle zusammen. Man sieht sich also nicht, sondern hört sich nur, weil dazwischen die Fensterscheiben sind. Bei dem anderen Altenheim gehen wir auf den Vorplatz, die Bewohner werden dann an den Fenstern und Lichthöfen stehen.

DOMRADIO.DE: Eine Lokalzeitung schreibt “Pastor macht Hausbesuche“, trifft es das?

Middelanis: Wenn es so verstanden wird, dass ich nicht ins Haus komme, dann ja. Heute gab es zwei Anrufe von Leuten, die sagten, das sei ja unverantwortlich, aber die haben wohl gedacht, wir gehen in die Häuser rein. Das ist natürlich nicht der Fall. Aber sonst ist das ein schönes Bild: Jesus, Gott kommt zu Besuch.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

Quelle:
DR
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