Gesine Schwan setzt sich nach der Nominierung von Bundespräsident Köhler ab

Erster Auftritt

Ob sie Kurt Beck für einen "klasse Vorsitzenden" hält? "Wie er da so steht", antwortet Gesine Schwan und lacht. Bei ihrer offiziellen Vorstellung als Gegenkandidatin der SPD zu Bundespräsident Horst Köhler bringt die Hochschulprofessorin am Montag Glanz in die Hütte des ramponierten Willy-Brandt-Hauses in Berlin. Ein Schimmer fällt auch auf den zuletzt arg gerupften SPD-Chef. Nach kundigen Ausführungen der 65-jährigen Politologin über den Unterschied zwischen dem Amt des Bundeskanzlers und dem des Staatsoberhauptes, kontert Beck charmant: "Wie sie das so sagt, Ja!"

Autor/in:
Nikolaus Sedelmeier
 (DR)

Ein Regierungschef müsse sich mit Koalitionen befassen, ein Bundespräsident keineswegs, versucht die überzeugte Antikommunistin den Vorwurf zu entkräften, ihre Kandidatur bereite einem rot-roten Bündnis im Bund den Boden. Schwan stellt zwar klar, sie werde «um Stimmen aus allen Parteien werben«. Schließlich wäre sie «nicht angetreten, wenn ich nicht eine realistische Chance sähe, gewählt zu werden». Wer aber von den Linken für sie stimme, der müsse sich damit für eine konstruktive Politik entscheiden und gegen «demagogische Polemik».

Kein Vergleich
Geschickt weicht Schwan beim ersten öffentlichen Auftritt in Berlin nach ihrer Nominierung allen direkten Vergleichen mit Amtsinhaber Köhler aus. Die Wahlmänner und -frauen in der Bundesversammlung seien «intelligent genug», um sich selbst ihr Urteil zu bilden. Sollten diese keine Unterschiede zwischen ihr und Köhler entdecken können, «werden sie vielleicht würfeln», scherzt die im roten Kostüm angetretene Professorin - und lässt doch durchblicken, dass sie die Rolle des Staatsoberhauptes etwas anders definiert als der «Bürgerpräsident» Köhler.

Köhler leitet seine Autorität weniger von der Zustimmung der politischen Klasse ab, sondern von seiner Beliebtheit im Volk. Schwan betont dagegen, der Bundespräsident müsse den Politikern «helfen», Entscheidungen, die aufs «Gemeinwohl» zielen, «nachvollziehbar» und «transparent» zu machen. Nur die «Rückbesinnung auf die Prinzipien» der repräsentativen Demokratie könne die Politikverdrossenheit abbauen und die Bürger wieder «ermutigen, sich selbst zu engagieren». Folgerichtig lehnt Schwan eine Direktwahl des Bundespräsidenten, wie sie Köhler in Gespräch gebracht hatte, strikt ab.

Und nun? Sie wolle weiter Reden halten, gibt sich Schwan demonstrativ zurückhaltend. Möglicherweise werde das öffentliche Interesse «für ihr lebenslanges Engagement für die Demokratie» durch die Nominierung ja steigen. Vielleicht erhalte sie von den Parteien und Fraktionen auch die eine oder andere Einladung, die sie selbstverständlich annehmen werde. Und die SPD? Die stelle Schwan die «technisch-organisatorische Basis» für ihre Kandidatur zur Verfügung, sagt Beck und versichert 362 Tage vor der Wahl des Bundespräsidenten und 16 Monate vor der Bundestagswahl: «Mit Wahlkampf hat das nichts zu tun.»