Gemeinde bietet Seelsorge nach Massenpanik in Südkorea an

"Gemeinsam diese schwierige Zeit durchstehen"

In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul sind bei Halloween-Feiern über 150 Menschen in einem Massengedränge getötet worden. Die evangelische und die katholische Deutsche Gemeinde organisierten zusammen ein ökumenisches Gedenken.

Nach Massenpanik bei Halloween-Feiern in Seoul / © YNA (dpa)
Nach Massenpanik bei Halloween-Feiern in Seoul / © YNA ( dpa )

DOMRADIO.DE: Was haben Sie von den Geschehnissen vor Ort mitbekommen?

Mi-Hwa Kong (Deutsche Pfarrerin in Seoul, Südkorea): Wir haben das letztendlich auch über die Nachrichten erfahren, was da passiert ist und haben jetzt aber keine weiteren Informationen als das, was über die Nachrichten bisher veröffentlicht worden ist.

DOMRADIO.DE: Seelsorge ist gefragt. Sie sind als evangelische Kirchengemeinde vor Ort auch angefragt und eingebunden. Inwiefern?

Kong: Genau. Wir hatten heute Morgen einen Gottesdienst mit der katholischen Gemeinde zusammen. Der Kollege Diakon Edgar Krumpen hat auch gleich den Gottesdienst entsprechend an die heutige Situation angepasst. Wir haben das ökumenisch gemacht und schon abends für die Verstorbenen, für die Verletzten und auch für die körperlich unverletzten Betroffenen gebetet und natürlich auch für die ganzen Einsatzkräfte von Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr und auch das medizinische Personal in den Kliniken. Die waren und sind natürlich auch mit im Blick.

DOMRADIO.DE: Der südkoreanische Präsident hat eine Staatstrauer angeordnet und versprochen, den Vorfall gründlich zu untersuchen, um sicherzustellen, dass so etwas nie wieder passiert. Wie sind denn generell die Sicherheitsvorkehrungen bei solchen Großveranstaltungen in Südkorea?

Kong: In der Regel ist das hier sehr sicher und auch immer gut durchdacht. Das war jetzt eine Größenordnung, mit der wahrscheinlich keiner gerechnet hat. Ich habe gehört, Hunderttausende von Menschen seien nach Itaewon in dieses Viertel geströmt. Und das sind natürlich Menschenmassen, die unübersehbar sind.

DOMRADIO.DE: In Deutschland ist es üblich, Gedenkgottesdienste nach derartigen Katastrophen zu feiern. Ist das bei Ihnen auch üblich?

Kong: Ja, wir werden auch Entsprechendes anbieten. Wir werden an Allerseelen, also am 2. November, einen Gottesdienst für die Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres feiern. Das werden wir jetzt natürlich etwas ummünzen und für die Menschen noch einmal so ansprechbar machen, dass wir an die Katastrophe erinnern und die Menschen und vor allem auch die Angehörigen, mit ins Gebet nehmen und gemeinsam diese schwierige Zeit durchstehen. Wir als deutschsprachige Gemeinden stehen hier in Südkorea zusammen und bieten bei Bedarf auch noch weitergehende Gespräche an.

DOMRADIO.DE: Welchen Stellenwert hat die evangelische Kirche und auch die katholische bei Ihnen vor Ort, wenn es solche oder ähnliche Vorkommnisse gibt?

Kong: Wir sind jetzt die ersten Ansprechpartner, die das anbieten. Wir gehen da sehr aktiv auf die verschiedenen Möglichkeiten zu, wo wir Menschen erreichen können und sagen: wir als Kirchengemeinden, wir sind vor allem für Menschen, die in großer Not sind da. Wir sind die Ansprechpartner und bei Bedarf stehen wir für Gespräche zur Verfügung.

Das Interview führte Dagmar Peters.

Papst betet für Todesopfer der Massenpanik in Seoul

Papst Franziskus hat den Opfern der tödlichen Massenpanik während der Halloween-Feiern in Südkorea seine Anteilnahme ausgedrückt.

"Lasst uns zum wiederauferstandenen Herrn für diejenigen, besonders jungen Menschen, beten, die in der vergangenen Nacht in Seoul wegen des tragischen und plötzlichen Menschengedränges gestorben sind", sagte das 85 Jahre alte Kirchenoberhaupt der Katholiken am Sonntag vor zahlreichen Pilgern auf dem Petersplatz in Rom.

Papst Franziskus hält seine Ansprache während des Mittagsgebets / © Gregorio Borgia/AP (dpa)
Papst Franziskus hält seine Ansprache während des Mittagsgebets / © Gregorio Borgia/AP ( dpa )
Quelle:
DR