Anhaltender Rüstungsboom alarmiert Hilfswerke

Geld zur Bekämpfung von Hunger einsetzen

​Hilfsorganisationen sehen in der anhaltenden Militarisierung der Welt eine alarmierende Entwicklung. Das Geld, das für Waffen ausgegeben werde, solle lieber gegen den weltweiten Hunger eingesetzt werden, fordert die Welthungerhilfe.

Symbolbild Hunger / © Riccardo Mayer (shutterstock)

"Es ist ein Skandal, dass die Umsätze der 25 größten Rüstungsfirmen weltweit steigen, während das Geld für eine nachhaltige Bekämpfung des Hungers fehlt", sagte Mathias Mogge, Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe mit Sitz in Bonn, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Montag). Mogge reagierte damit auf den aktuellen Bericht des Sipri-Friedensforschungsinstituts in Stockholm.

Dem Bericht zufolge hatten allein die 25 größten Rüstungskonzerne der Welt 2019 Geschäfte im Wert von 361 Milliarden Dollar (297 Milliarden Euro) abgeschlossen. Das waren 8,5 Prozent mehr als 2018 und 15 Prozent mehr als 2015. Marktführer bleiben die USA. Erstmals ist auch ein Konzern im Mittleren Osten unter den Top 25.

"Aktuelle Studien zeigen, dass jährlich 40 bis 50 Milliarden Euro für die kommenden zehn Jahre ausreichen würden, um den Hunger in der Welt bis 2030 zu besiegen", sagte Mogge und fügte hinzu: "Das heißt, dass der Jahresumsatz der 25 größten Firmen im Rüstungsgeschäft fast ausreichen würde, um keinen Menschen mehr hungern zu lassen." Kriege und Konflikte, die durch den internationalen Waffenhandel befeuert würden, seien "die größten Hungertreiber".

"Brot für die Welt" fordert Rüstungsexportkontrollgesetz

Die Präsidentin des kirchlichen Hilfswerkes "Brot für die Welt" in Berlin, Cornelia Füllkrug-Weitzel, sagte, es sei kein Anlass zur Beruhigung, wenn jetzt auch Unternehmen aus dem Mittleren Osten in den Top 25 der Waffenhersteller auftauchten. "Im Gegenteil: Es wird noch schwieriger werden, internationale Standards wie 'Keine Waffen in Konfliktgebiete' durchzusetzen, die doch eigentlich der internationale Waffenhandelsvertrag klar vorschreibt", sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Mit Blick auf Deutschland und den Rüstungstrend vergangener Jahre erneuerte sie ihre Forderung nach einem Rüstungsexportkontrollgesetz. Rüstungsexporte in kriegsführende Länder oder Länder mit schweren Menschenrechtsverbrechen müssten verboten und verbindliche Endverbleibskontrollen festgeschrieben werden. "Und wir brauchen dringend eine internationale Architektur zur Rüstungskontrolle." Es sei ein Alarmzeichen, dass die internationalen Waffengeschäfte munter weitergingen, während Kriege und Konflikte weltweit Millionen Menschen in die Flucht trieben.

"Obwohl die große Koalition bereits 2013 versprochen hatte, die Rüstungsexporte zu senken, erreichten die Ausfuhren 2019 einen neuen Höchststand", kritisierte Füllkrug-Weitzel. Auch deutsche Firmen exportierten unter anderem an Länder der Kriegskoalition im Jemen, "die nach Angaben der Vereinten Nationen für die Tötung und die Verstümmelung von 3.550 Kindern verantwortlich ist und sich zahlreicher schwerer Völkerrechtsverstöße schuldig gemacht hat".

Quelle:
epd