Frühlingsanfang und Welttag des Glücks fallen zusammen

Finnland erneut das glücklichste Land der Welt

Endlich Frühlingsanfang und längere Tage. Kein Wunder, dass die UNO den "Welttag des Glücks" auf den 20. März gelegt hat. Was Glück ist, wird allerdings sehr unterschiedlich interpretiert.

Ein Kleeblatt liegt neben einem Hufeisen aus Zinn / © Julia Steinbrecht (KNA)
Ein Kleeblatt liegt neben einem Hufeisen aus Zinn / © Julia Steinbrecht ( KNA )

"Was sind das für Zeiten, wo / Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist / Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt", schrieb Bertolt Brecht Mitte der 30er Jahre in seinem Gedicht "An die Nachgeborenen".

Eine andere Perspektive

Darf man angesichts der Corona-Pandemie und des Angriffskriegs Russlands in der Ukraine über Glück reden? Denjenigen, die sich trotz der düsteren Weltlage nach ein wenig Leichtigkeit und Hoffnung sehnen, sei dieser Sonntag (20. März) empfohlen: Denn es ist nicht nur Frühlingsanfang, sondern auch der von der UNO 2013 eingeführte Welttag des Glücks.

Was geht die Politik das Glück an? Die Gründerväter der USA nahmen das individuelle "Streben nach Glück" als eines der "unveräußerlichen Rechte" in ihre Unabhängigkeitserklärung auf. Der vormalige UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begründete die Ausrufung des "World-Happiness-Day" damit, dass zum Glück mehr gehöre als Wirtschaftswachstum und Umsatz. Es gehe um Mitgefühl, Gemeinwohl und nachhaltige Entwicklung.

Über "Bruttonationalglück" und die Welt-Rangliste des Glücks

Dass wirtschaftliches Wachstum nicht alles ist, hat das Königreich Bhutan im Himalaya schon lange erkannt. Seit 2008 ist das "Bruttonationalglück" in der Verfassung verankert. Regelmäßig wird das Volk nach seiner Zufriedenheit befragt: nach Lebensstandard, Gesundheit, psychischem Wohlergehen, Bildung, Zeiteinteilung, guter Regierungsführung und Gemeinschaftsgefühl.

Es gibt sogar eine Welt-Rangliste des Glücks, die seit jetzt zehn Jahren pünktlich zum Welttag des Glücks veröffentlicht wird. Nach der am Freitag in New York veröffentlichten Tabelle für das Jahr 2021 ist Finnland zum fünften Mal in Folge das glücklichste Land der Welt. Dänemark belegt weiterhin den zweiten Platz, Island ist von Platz 4 auf Platz 3 gestiegen. Es folgen die Schweiz, die Niederlande, Luxemburg, Schweden und Norwegen sowie Israel, Neuseeland und Österreich. Deutschland hingegen ist von Platz 7 auf den 14. Platz abgerutscht.

Was gehört zum Glück? Der Bericht hat nicht nur wirtschaftliche und soziale Statistiken wie Lebenserwartung oder Bruttoinlandsprodukt bewertet. Gerade wegen der Corona-Pandemie seien die Hilfe für Fremde, Freiwilligenarbeit und Spenden in allen Teilen der Welt stark gestiegen und erreichten ein Level von fast 25 Prozent mehr als vor der Pandemie, so die Autoren. "Diese Welle des Wohlwollens, die besonders groß war, wenn es darum ging, Fremden zu helfen, ist ein überzeugender Beweis dafür, dass Menschen darauf reagieren, anderen in Not zu helfen." Dass die Finnen so glücklich sind, hat dem Bericht zufolge vor allem mit dem gegenseitigen Vertrauen zu tun, das sie sich untereinander und auch den Behörden, der Polizei und der Justiz gegenüber entgegenbringen.

Das Geheimnis des Glücks

Wem diese Kriterien und Definitionen nicht reichen, der kann tiefer bohren, um das Geheimnis des Glücks zu enträtseln. So lässt sich etwa unterscheiden zwischen dem kurzfristigen Hochgefühl und einer eher auf lange Sicht angelegten Lebenszufriedenheit. Der Philosoph Wilhelm Schmid warnt zugleich, permanentes Glück sei langweilig. Gerade zum gelungenen Leben gehöre, dass nicht immer alles glatt läuft. Intensität und Lebensfreude entstünden auch durch Knappheit von Gütern, betont er.

Umstritten ist, wie weit man selber zum Glück beitragen kann: Manche Forscher argumentieren, es sei genetisch festgelegt, ob man ein Glas als halb voll oder als halb leer ansieht. "Dein Glück hängt von den guten Gedanken ab, die du hast", meinte demgegenüber der römische Kaiser Marc Aurel. So ähnlich argumentieren auch aktuelle "Glücks"-Ratgeber. Ihre Botschaft: Glück kann man wie ein Handwerk lernen.

Manfred Lütz, Psychiater und katholischer Theologe, hält davon nichts. "Wer auf die Glücksratgeber hereinfällt und die Produktion von Glücksgefühlen anstrebt, indem er seine Füße in Orangensaft badet oder unentwegt an Duftstäbchen riecht, hat vom wirklichen Glück nichts verstanden", so der Autor des Buches "Wie Sie unvermeidlich glücklich werden". Nur wenn man die Gewissheit habe, auch in den Krisen nicht ins Nichts zu fallen, wenn man einen Sinn im Leben sehe, könne man glücklich werden, betont der Psychiater.

Autor/in:
Christoph Arens
Quelle:
KNA