Frühere anglikanische Bischöfe zu katholischen Priestern geweiht

Besonderheit in Westminster

Drei ehemalige anglikanische Bischöfe sind am Samstag in der Kathedrale von Westminster zu katholischen Priestern geweiht worden. Kurz zuvor hatte die Glaubenskongregation des Vatikan die Errichtung eines Personal-Ordinariats für England und Wales bekannt gegeben, einer besonderen Kirchenstruktur für die Ex-Anglikaner.

 © DOMRADIO (DR)
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Keith Newton (59), ehemaliger Bischof von Richborough, übernahm deren Leitung. Die anderen beiden Neuordinierten sind John Broadhurst (68), der frühere Bischof von Fulham, und Andrew Burnham (62), ehemals Bischof von Ebbsfleet. Die Zeremonie nahm der katholische Primas von England und Wales, Vincent Nichols, vor. In seiner Predigt bezeichnete er die Ordination als "historischen Moment". Er dankte Rowan Williams, dem Primas der anglikanischen Kirche von England und Erzbischof von Canterbury, für seine "charakteristische Einsicht und Großzügigkeit", mit der er die Ernsthaftigkeit und Integrität seiner früheren Amtsbrüder anerkannt habe. In einer Presseerklärung dankte Keith Newton der anglikanischen Kirche. "Ich sehe meinen Übertritt zur katholischen Kirche nicht als radikalen Bruch, sondern als weiteren Schritt auf meiner andauernden Pilgerschaft des Glaubens, die mit meiner Taufe begann", so der Leiter der neuen katholischen Kirchenstruktur für Ex-Anglikaner. Einem Bericht des BBC-Rundfunks war Hauptgrund für den Übertritt der ehemaligen Anglikaner die Ablehnung weiblicher Priester und Bischöfe. Englands katholischer Primas Nichols erwartet, dass weitere 50 anglikanische Geistliche zusammen mit ihren Gemeinden in den kommenden Monaten zur katholischen Kirche übertreten. Die Konversion der drei Bischöfe könnte die anglikanische Kirche nach BBC-Meinung fundamental verändern. Viele traditionelle Anglikaner sähen die Balance zwischen der katholischen und der protestantischen Tradition sowie dem liberalen und dem traditionalistischen Lager in ihrer Kirche gefährdet. Vor allem konservative Geistliche befürchteten, dass die Kirche von England liberaler und protestantischer werden könnte und damit nicht mehr das gesamte theologische und soziale Spektrum Englands abdeckte. Das neue katholische Ordinariat für Ex-Anglikaner Der Vatikan hat am Samstag in England das erste katholische Personal-Ordinariat für übertrittswillige Anglikaner errichtet. Es wird vom früheren anglikanischen Bischof Keith Newton geleitet, wie der Vatikan erklärte. Die Glaubenskongregation gründete auf dem Territorium der Bischofskonferenz von England und Wales die neue Struktur "Our Lady of Walshingham", benannt nach einem englischen Wallfahrtsort. Gleichzeitig bestimmte Papst Benedikt XVI. den 59-jährigen Newton zum Ordinarius - im Rang eines Priesters. Newton war am Neujahrstag zusammen mit seiner Frau in der Londoner Westminster-Kathedrale in die katholische Kirche aufgenommen worden. Am Samstag empfing er zusammen mit zwei weiteren früheren anglikanischen Bischöfen die katholische Priesterweihe. Zum geistlichen Patron der neuen Kirchenstruktur benannte der Vatikan den vor wenigen Monaten vom Papst seliggesprochenen Kardinal John Henry Newman (1801-1890). Es handelt sich um das erste Personal-Ordinariat für frühere Anglikaner, das auf Grundlage des Päpstlichen Erlasses "Anglicanorum coetibus" vom November 2009 gegründet wurde. Das Schreiben sieht für ehemalige Anglikaner besondere Strukturen mit einigen Sonderrechten in der katholischen Kirche vor. So können die Gläubigen auch nach dem Übertritt etliche anglikanische Traditionen - etwa in der Liturgie - beibehalten. Frühere anglikanische Kleriker können in der katholischen Kirche zu Priestern geweiht werden, auch wenn sie verheiratetet sind. Der Bischofsrang ist für Verheiratete - wie in den katholischen Ostkirchen - jedoch prinzipiell ausgeschlossen. Die ersten Gruppen anglikanischer Konvertiten sollen an Ostern in die katholische Kirche aufgenommen werden, heißt es in einem Kommunique des Vatikan. Newton werde zusammen mit den beiden ebenfalls am Samstag zu katholischen Priestern geweihten früheren Anglikaner-Bischöfen Andrew Burnham und John Broadhurst die ersten Gruppen von Konvertiten auf den Übertritt vorbereiten. Die ersten Priesterweihen früherer anglikanischer Geistlicher seien in der Pfingstzeit geplant. Die neue Kirchenstruktur soll es ehemaligen Anglikanern ermöglichen, Elemente ihres religiösen Erbes zu bewahren, stellte das Kommunique klar. Zugleich halte die katholische Kirche aber am ökumenischen Dialog fest, der für sie Priorität habe. Die Initiative zur Einrichtung der Personal-Ordinariate sei von verschiedenen Gruppen von Anglikanern gekommen. Sie hätten erklärt, den gemeinsamen katholischen Glauben auf Grundlage des Katechismus der katholischen Kirche zu teilen und das Papstamt anzuerkennen. Solchen Bestrebungen wolle der Vatikan mit der Bildung von Ordinariaten dieser Art eine sichtbare Form der vollen Gemeinschaft geben.
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