Zum 400. Geburtstag von Kölns Erzbischof Max Heinrich von Bayern

Fromm und leicht beleidigt

Politisch desinteressiert und schlecht beraten. Fast hätte Bayernprinz Maximilian Heinrich das Erzbistum Köln für seine Familie verspielt. Doch besaß er ein frommes Wesen sowie ein für einen Bischof skurriles Hobby.

Pileolus und Mitra / © Harald Oppitz (KNA)
Pileolus und Mitra / © Harald Oppitz ( KNA )

"Von einer solchen Unschuld des Lebens, Hingebung im Dienst für die Kirche, Ernst des Benehmens, Klugheit weit über sein Alter hinaus." Blumige Worte, mit denen der damalige päpstliche Gesandte in Köln und spätere Papst Alexander VII., Fabio Chigi, den jungen Bayernprinzen Maximilian Heinrich belegte, nachdem er ihm 1651 in der Bonner Remigiuskirche die Bischofsweihe gespendet hatte.

Bei Betrachtung der späteren Entwicklung des jungen Geistlichen lässt sich feststellen, dass in Chigis Worten viel Wahres steckte - und viel Wichtiges unerwähnt blieb.

Am 8. Oktober 1621, als dritter Sohn von Herzog Albrecht VI. von Bayern-Leuchtenberg geboren, war Max Heinrich für die geistliche Laufbahn vorgesehen, um so den Einfluss der Wittelsbacher im Reich auszubauen. Noch vor seinem ersten Geburtstag wurde er Domkanoniker in Köln; wenig später auch in Straßburg, Konstanz und Münster.

Die bayerischen Erzbischöfe in Köln

Freilich waren dies jedoch nur Steigbügel. Sie sollten den jungen Adeligen in die richtige Position bringen, um eines der wichtigsten Kirchenämter im Heiligen Römischen Reich zu erlangen: das des Erzbischofs von Köln. Nach dem Tod seines Onkels, Erzbischof Ferdinand von Bayern, beerbte er ihn auch, als der dritte von fünf Kölner Erzbischöfen aus der "bayerischen Dynastie", die für knapp 180 Jahre Amt und Würde in der Domstadt und weiteren Bistümern inne hatten.

Die Wittelsbacher konnten sich dadurch als zweitwichtigstes katholisches Herrschergeschlecht im Reich, nach den kaiserlichen Habsburgern, profilieren. Zudem bedeutete insbesondere Köln einen enormen Machtzuwachs, nicht zuletzt wegen der damit verbundenen Kurfürstenwürde, die den Bayern eine zweite Stimme im Wahlgremium des Kaisers einbrachte. Es ist daher wenig verwunderlich, dass die bayerischen Erzbischöfe in Köln weniger an geistlichen, als vielmehr an weltlich-politischen Belangen interessiert waren.

Der beleidigte Erzbischof? 

Für Max Heinrich galt das jedoch nicht: Von Beginn an zeigte er ein auffallendes Desinteresse gegenüber den diplomatischen und dynastischen Spitzfindigkeiten. Indessen soll er sich, im Gegensatz zu seinen Vorgängern, auch wirklich zum Geistlichen berufen gefühlt haben. Ihm wird eine tiefe Frömmigkeit sowie eine starke Treue zur Römischen Kurie attestiert; auch soll er keine Mätresse besessen haben.

Daneben galt er jedoch auch als besonders leicht beleidigt. Als ihm etwa der Mainzer Erzbischof Johann Philipp von Schönborn 1654 das Recht auf die Königskrönung Ferdinands IV. streitig machen wollte, diskutierte Max Heinrich nicht lange, sondern verließ pikiert die Reichsversammlung. Grund für diese überzogene Empfindlichkeit dürfte der Spott sein, dem er wegen seiner äußeren Erscheinung von Kindheitsbeinen an ausgesetzt war. Am Münchner Hof hänselten ihn seine Geschwister wegen seiner körperlichen Missbildungen und eines kaum zu kaschierenden Sprachfehlers.

Tiefsitzende Depressionen

Das führte bei Max Heinrich im späteren Verlauf zu tiefsitzenden Depressionen, die sich immer häufiger durch eine gewisse Form der politischen Lethargie Bahn brachen. Statt selbst zu regieren, verließ er sich auf seine Ratgeber, die dies zu ihrem Vorteil ausnutzten.

Besonders verhängnisvoll wirkte sich das bei den Brüdern Franz Egon und Wilhelm Egon von Fürstenberg aus, die beide im Dienste des französischen Königs Ludwig XIV. standen. Der pro-französische Kurs führte letztlich dazu, dass die Erzdiözese politisch zwischen den Mächten aufgerieben wurde.

Auch ein bayerischer Nachfolger

Der Erzbischof selbst sah sich davon nur bedingt betroffen. Nach der Besetzung seiner Residenzstadt Bonn durch kaiserliche Truppen suchte Max Heinrich Zuflucht im neutralen Köln und lebte fortan über zehn Jahre lang im Kloster Sankt Pantaleon. Fortan widmete er seine Zeit seiner eigentlichen Leidenschaft, der Alchemie, die er mehr oder weniger erfolgreich betrieb.

Allerdings mündete diese Untätigkeit beinahe in einer Katastrophe für seine Familie: Statt seines Verwandten Joseph Clemens von Bayern favorisierte Max Heinrich seinen Berater Wilhelm Egon von Fürstenberg als Nachfolger und berief ihn 1687 zu seinem Koadjutor. Der daraus nach seinem Tod 1688 resultierende Kölner Bistumsstreit endete letztlich zu Gunsten seines jüngeren Vetters, Joseph Clemens von Bayern. Köln blieb damit bis auf weiteres in bayrischer Hand.

Autor/in:
Johannes Senk
Quelle:
KNA