Neuer Missbrauchsvorwurf gegen einen Bruder von Taize

Frere Alois zeigt sich "schockiert"

In der christlichen Gemeinschaft von Taize gibt es einen neuen Vorwurf sexuellen Missbrauchs. Ein Bruder von Taize soll eine Frau vor Jahren "in ein Abhängigkeitsverhältnis gebracht" haben. Prior Frere Alois zeigte sich "schockiert".

Brüder der Communauté von Taizé beim Auszug nach einem gemeinsamen Gebet / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Brüder der Communauté von Taizé beim Auszug nach einem gemeinsamen Gebet / © Jean-Matthieu Gautier ( KNA )

Wie die Gemeinschaft am Freitag auf ihrer Website mitteilte, vertraute eine Frau dem Prior Frere Alois kürzlich an, dass ein Bruder von Taize sie vor Jahren "in ein Abhängigkeitsverhältnis gebracht" habe. Sie beschuldige ihn, sie bis Mitte 2019 "geistlich, psychologisch und sexuell missbraucht" zu haben.

Der Taize-Leiter habe umgehend die zuständigen Behörden in Kenntnis gesetzt, hieß es; die Polizei habe die Aussage der Frau aufgenommen.

Frere Alois zeigt sich "schockiert"

Der Beschuldigte werde zurzeit von der Polizei vernommen; man werde schnellstmöglich mehr mitteilen. Frere Alois zeigte sich "schockiert"; solches Verhalten sei "mit unserem Leben unvereinbar". Man werde alles tun, um die Aufklärung zu unterstützen.

Anfang Juni hatte Taize über Hinweise informiert, dass drei Mitglieder vor Jahrzehnten Jugendliche sexuell missbraucht hätten.

Demnach haben sich fünf Betroffene an die im französischen Burgund ansässige Gemeinschaft gewandt. Es gehe um jeweils ein oder zwei Fälle sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige aus den 1950er bis 80er Jahren. Hinweise auf Vergewaltigungen bestünden nicht, sagte ein Sprecher damals.

Zwei der beschuldigten Männer sind den Angaben zufolge seit mindestens 15 Jahren tot, der dritte lebt weiter in Taize. Er sei bereits "seit längerem" nicht mehr an der Organisation der Taize-Jugendtreffen beteiligt. Zur Nationalität von Beschuldigten und Opfern machte die Gemeinschaft unter Verweis auf den Persönlichkeitsschutz keine Angaben.

Offenlegung ist Teil der Suche nach Wahrhaftigkeit

"Diese Offenlegung ist Teil unserer Suche nach Wahrhaftigkeit, die damit begonnen hatte, dass wir den Betroffenen zuhören." Die Sorge um die Opfer stehe im Mittelpunkt; zugleich wolle er möglichen weiteren Opfern Mut machen, sich zu melden, so Frere Alois damals. Die Gemeinschaft hat angekündigt, ihre Präventionsarbeit auszuweiten. Es gehe darum, alle "wirksam zu schützen, die uns dadurch, dass sie nach Taize kommen, ihr Vertrauen schenken".

Seit den 1970er Jahren kommen jedes Jahr Tausende Jugendliche aus Frankreich, Deutschland und ganz Europa nach Taize. Zuletzt waren es jährlich rund 70.000. Viele nehmen für mehrere Tage oder Wochen am geistlichen Programm der Gemeinschaft teil. Neben Gebeten und Gottesdiensten steht der Austausch über religiöse Fragen im Zentrum.

Der 1944 von Frere Roger Schutz gegründeten Gemeinschaft gehören aktuell rund 100 Männer aus 25 Staaten an. Drei Viertel leben in Taize, ein Viertel in verschiedenen kleinen Niederlassungen in Asien, Afrika und Südamerika. Leiter der ökumenischen Gemeinschaft ist seit 2005 der aus Stuttgart stammende Frere Alois Löser (65).

Frere Alois / © Christoph Koitka (KNA)
Frere Alois / © Christoph Koitka ( KNA )
Quelle:
KNA